Rocker auf der Straße erstochen: Dortmunder Bandido unter Verdacht

dzKutte als Trophäe?

Vor einem Jahr wurde ein Mitglied der Freeway-Riders erstochen. Die mutmaßlichen Täter sollen Bandidos sein – einer davon aus Dortmund.

Dortmund/ Essen

, 16.10.2019, 16:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Tod kam in der Nacht, mitten auf der Straße: Vor rund einem Jahr ist ein Mitglied des Rockerclubs „Freeway-Riders“ erstochen worden. Die Täter sollen aus den Reihen der „Bandidos“ kommen. Einer der Angeklagten ist Dortmunder und polizeibekannt. Wie es heißt, soll er früher einmal Kickboxer gewesen sein. Seit Mittwoch steht der 25-Jährige mit drei weiteren Rockern in Essen vor Gericht.

Es war gegen Mitternacht, als das spätere Opfer eine Party der „Freeway Riders Badlands MC“ in Gelsenkirchen verließ. Er selbst gehörte ebenfalls zu der Rockervereinigung, hatte es laut Anklage sogar bis zum Vizepräsidenten geschafft. Dass er ziemlich betrunken war, steht fest. Eine Blutprobe hatte später über zwei Promille ergeben.

Mit schwarzem Audi nach Gelsenkirchen

Die Angeklagten sollen damals mit einem schwarzen Audi durch Gelsenkirchen gefahren sein. Den 63-Jährigen, der mit einer Kutte der Freeway-Riders unterwegs war, trafen sie laut Anklage südlich der Altstadt. Ob es sich um ein Zufallstreffen gehandelt hat? Die genauen Abläufe der Tat sind genauso unklar wie die Hintergründe.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Angeklagten ihr Auto gestoppt haben und es dann zu einem Streit gekommen ist. Worüber? Darauf gibt es noch keine Antworten. Vielleicht sollte die Kutte des 63-Jährige geraubt werden – als Trophäe. Zumindest in Hagen sind Bandidos und Freeway-Rider verfeindet. Die Kutte war am Ende auf jeden Fall verschwunden.

Die Angeklagten waren über eine Auswertung der Mobilfunkzelle ins Visier der Ermittler geraten. Ihre Handys müssen sich danach auf jeden Fall in Tatortnähe befunden haben. Außerdem gibt es eine Blutspur im Auto des Dortmunder Angeklagten. Sie könnte durch die möglicherweise blutverschmierte Kutte verursacht worden sein, die das Opfer getragen hat.

"Es wird viel spekuliert und vermutet"

Und dann gibt es noch die Beobachtungen eines Busfahrers. Doch auch da gibt es angeblich Ungereimtheiten.

„In dieser Sache wird viel spekuliert und vermutet“, sagte Burkhard Benecken, Verteidiger einer der anderen Angeklagten.

Zum Prozessauftakt vor dem Essener Schwurgericht haben sich die vier Angeklagten noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Und dabei soll es wahrscheinlich auch bleiben. Die Richter haben sich auf jeden Fall auf ein langes Verfahren eingestellt und Verhandlungstage bis Ende März angesetzt.

Die Anklage lautet zwar auf Totschlag, im Falle des Tatnachweises könnte aber auch eine Verurteilung wegen Mordes oder wegen Raubes mit Todesfolge stehen.

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