Riesen-Hochhaus und Riesen-Rechnung für neue Bahnhofs-Nordseite

dzHauptbahnhof-Entwicklung

Mit einer spektakulären grünen Rampe und vielen Neubauten will die Stadt die Nordseite des Hauptbahnhofs aufwerten. Jetzt gibt es eine erste Kostenberechnung - und eine neue Planer-Idee.

Dortmund

, 27.04.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für den großen Wurf zur Neugestaltung des nördlichen Bahnhofsumfelds hatten sich Planungsexperten und Politik vor zwei Jahren für einen städtebaulichen Wettbewerb entschieden. Unter ursprünglich drei Siegern votierten sie letztlich für den spektakulären Entwurf des Frankfurter Büros Raumwerk.

Spektakulär ist der Entwurf insbesondere wegen seiner Idee für die Verbindung zwischen der Nordstadt und dem höher gelegenen Bereich des früheren Güterbahnhofs an der Nordseite des Hauptbahnhofs. Eine grüne Rampe spannt sich vom alten Bahnhofsvorplatz an der Steinstraße bis auf die frühere Gleisebene.

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Darunter entsteht eine neue nördliche Eingangshalle für den Hauptbahnhof. In einer Zwischenebene ist Platz für den zentralen Busbahnhof, der so eng mit der Bahn verknüpft wird. Eine „grüne Spange“ zieht sich über den Bahndamm weiter in Richtung Treibstraße, wo ein neues Stadtquartier entstehen soll.

So könnte die Bahnhofshalle Nord nach dem Entwurf des Architekturbüros Raumwerk aussehen. Sie liegt unter der grünen Spange und integriert auf einer Zwischenebene auch den Busbahnhof.

So könnte die Bahnhofshalle Nord nach dem Entwurf des Architekturbüros Raumwerk aussehen. Sie liegt unter der grünen Spange und integriert auf einer Zwischenebene auch den Busbahnhof. © Raumwerk

Neu ist, dass die Planer gleich neben der „grünen Spange“ ein auffälliges Hochhaus platzieren wollen. „Das könnte bis zu 20 Geschosse hoch werden“, erklärt Planungsdezernent Ludger Wilde. Das Bauwerk soll den Nordeingang des Hauptbahnhofs stärker betonen - und schafft natürlich auch Einnahmen.

So sah der ursprüngliche Entwurf des Büros Raumwerk mit der grünen Spange am Nordeingang des Hauptbahnhofs noch ohne Hochhaus aus.

So sah der ursprüngliche Entwurf des Büros Raumwerk mit der grünen Spange am Nordeingang des Hauptbahnhofs noch ohne Hochhaus aus. © Raumwerk

Denn die spannende Frage bei der Auswahl des Siegerentwurfs war, ob er sich angesichts des großzügigen Umgangs mit dem Freiraum unter finanziellen Aspekten überhaupt realisieren lässt.

Machbarkeitsstudie liegt vor

Eine Antwort darauf liefert jetzt eine Machbarkeitsstudie, die die Stadt in Auftrag gegeben hatte. Mehrere externe Büros untersuchten dabei verschiedene Aspekte der Planung von Verkehr über Schallschutz und Lufthygiene bis zu Kosten und Wirtschaftlichkeit.

„Die Gutachter kommen zu positiven Ergebnissen“, fasst die Stadt in einer Mitteilung kurz und knapp die Studie zusammen. „Die Machbarkeitsstudie weist nach, dass das Projekt unter Betrachtung der funktionalen Aspekte von Verkehr, Emissionen und Boden umsetzbar ist.“

Hoffen auf Fördermittel

Finanziell kalkuliert wird dabei mit Investitionen von rund 650 Millionen Euro. Davon entfallen auf die Stadt Dortmund nach den Berechnungen des Büros Drees und Sommer etwa 157 Millionen Euro. Nicht mitgerechnet ist dabei die ins Auge gefasste Ansiedlung eines Berufskollegs.

Der Hauptbahnhof aus der Vogelperspektive im Entwurf des Architekturbüros Raumwerk.

Der Hauptbahnhof aus der Vogelperspektive im Entwurf des Architekturbüros Raumwerk. © Raumwerk

In die städtische Kostenrechnung eingeflossen sind die Gestaltung des nördlichen Bahnhofsvorplatzes mit der „grünen Spange“ inklusive Bahnhofshalle und Busbahnhof, die Erschließung der neuen Baufelder und die Grüngestaltung. Dabei seien neben den Investitionskosten auch spätere Betriebskosten berücksichtigt worden.

Auf der anderen Seite wurden Erlöse und Einnahmen etwa durch Grundstücksverkäufe und Fördermittel, aber auch indirekte Effekte wie höhere Gewerbesteuer-Einnahmen kalkuliert. Unter dem Strich bleiben so für die Stadt Kosten von 154 Millionen Euro, gerechnet bis zum Jahr 2049. Danach fallen pro Jahr noch etwa 1 Millionen Euro an Kosten etwa für die Unterhaltung von Plätzen und Grün-Bereichen an.

Beratung in der Politik

Die Machbarkeitsstudie und die Schlüsse, die die Stadtplaner daraus ziehen, werden nun von der Politik beraten - am 6. Mai (Mittwoch) zunächst in der Bezirksvertretung Innenstadt-Nord. Am 16. Juni soll dann der Rat beziehungsweise der Hauptausschuss, der in Corona-Zeiten wichtige Beschlüsse trifft, über die Fortsetzung der Planung entscheiden.

Für die Planung der Grünbereiche kündigt die Verwaltung bereits für den Sommer die Beteiligung der Öffentlichkeit an - vorausgesetzt, die Corona-Krise lässt das zu. Weitere Schritte sind die Vorbereitung der Bauleitplanung, die Erarbeitung eines Finanzierungsmodells und die Gründung einer Projektgesellschaft.

Bis zur Realisierung ist noch Zeit. Los gehen kann die Umsetzung der großen Pläne erst nach Ende des laufenden Bahnhofsumbaus - also voraussichtlich 2025.

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