Richter nennen Angeklagte mit großem Waffenarsenal „Gefahr für die Allgemeinheit“

dzGewalttätiger Angriff

Knapp zwei Jahre nach einem Gewaltangriff auf eine Gerichtsvollzieherin in Hörde hat eine psychisch kranke Ex-Mieterin (35) vor Gericht ihr Urteil bekommen.

Bochum/Dortmund

, 18.09.2019, 17:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach zwei massiven Gewaltattacken auf Gerichtsvollzieherinnen in Dortmund und Bochum ist eine psychisch kranke Ex-Wohnungsmieterin aus Hörde am Mittwoch am Bochumer Landgericht in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen worden.

An der Verhängung der „zeitlich unbefristeten Maßregel“ führte laut Urteil kein Weg vorbei, weil die Richter die bereits seit Jahren an einer schweren schizophrenen Psychose leidenden 35-Jährige als unberechenbar und Gefahr für die Allgemeinheit einstuften.

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Richterin Frauke Seyda riet der Beschuldigten im Urteil dringend, sich der Krankheit zu stellen und fortan Medikamente einzunehmen. „Ihre Krankheit ist grundsätzlich gut mit Medikamenten zu behandeln. Aktuell können wir Ihnen aber nur eine ungünstige Gefährlichkeitsprognose attestieren, weil sie uneinsichtig sind und die Aufnahme von Medikamenten verweigern“, sagte die Vorsitzende Richterin der 16. Strafkammer an die Adresse der Beschuldigten.

Unbehandelt bestehe jedenfalls weiterhin die Gefahr, dass die Frau in bestimmten Situationen im Wahn Personen attackiere.

„Ihr bekommt nichts von mir“

Es war der 28. November 2017, als die 35-Jährige, eine gelernte Automobilkauffrau, am Rande einer (wegen Zahlungsrückständen) bevorstehenden Zwangsräumung ihrer Mietwohnung an der Chattenstraße eine Gerichtsvollzieherin attackiert hatte.

„Ihr bekommt nichts von mir, ich bekomme noch was von euch“, soll die 35-Jährige gebrüllt haben, ehe sie schließlich wie von Sinnen auf die Beamtin losging. Die Ex-Mieterin hatte die Gerichtsvollzieherin beleidigt, sie bespuckt, mit dem Tod bedroht, ihr zahlreiche Faustschläge gegen das Jochbein verpasst und zudem unglaublich heftig an den Haaren gezogen.

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„Der Frau wurde in der Größe eines Pfirsichs die Kopfhaut von der Schädeldecke gelöst“, sagte Richterin Frauke Seyda in der Urteilsbegründung. Nur mit vereinten Kräften war es mehreren Männern gelungen, die Attacken zu beenden. Bei der Durchsuchung der Wohnung waren später eine Machete, ein Sportschützengewehr, eine Harpune, eine Axt und ein Elektro-Schocker gefunden worden.

Weitere Attacke auf Gerichtsvollzieherin in Bochum

Rund ein Jahr später hatte die Ex-Mieterin in ihrer neuen Wohnung in Bochum erneut eine Gerichtsvollzieherin attackiert. Auch hier hatte die Beschuldigte der Beamtin büschelweise Haare ausgerissen und ihr zudem einen Zeigefinger gebrochen. Beide Opfer leiden teilweise noch bis heute unter den Folgen der Gewaltattacken.

Weil die 35-Jährige wegen ihrer psychischen Erkrankung als schuldunfähig eingestuft wurde, war eine klassische Bestrafung in dem Verfahren von vornherein ausgeschlossen. Die Ex-Wohnungsmieterin quittierte das Urteil völlig reg- und emotionslos.

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