Lebensmittel drohen zu vergammeln: Rewe kühlt die eigene Klimaanlage

dzHitzewelle in Dortmund

Der Rewe-Markt an der Rheinischen Straße hat eine Klimaanlage auf dem Dach, die bei der Hitze scheinbar Unterstützung braucht. Dabei ist das Problem schon länger bekannt.

Unionviertel

, 26.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Seit drei Jahren wohnt eine 25-Jährige, die ihren Namen nicht nennen möchte, an der Rheinischen Straße oberhalb des Rewe-Marktes und sie ärgert sich: Die Klimaanlage, die sich auf dem Dach des Rewe-Gebäudes befindet, ist nämlich offenbar kaputt. Darum muss der Rewe-Markt beim Kühlen nachhelfen.

„Seit meinem Einzug im Jahr 2016 kann ich beobachten, dass die Klimaanlage des Rewe-Marktes bei Temperaturen ab ca. 23 Grad durchgängig durch einen Rasensprenger gekühlt wird – ich vermute sogar durch Frischwasser“, schildert die junge Frau.

Ein schattiges, kühles Plätzchen für Raben und Tauben

Die Anwohnerin hat Recht – von dem Dachgarten aus, der mit dem Dach des Rewe-Marktes verbunden ist, ist die Klimaanlage genau zu erkennen. Unter den Rohren befinden sich mehrere Rasensprenger, die eingeschaltet sind. Auf dem Dach haben sich deshalb bereits Pfützen gebildet.

Lebensmittel drohen zu vergammeln: Rewe kühlt die eigene Klimaanlage

Rasensprenger kühlen eine Klimaanlage. Da fließt so mancher Liter Wasser. © Martina Niehaus

Raben und Tauben genießen das schattige, kühle Plätzchen mit integriertem Wasserspielplatz. Sie hopsen zunächst durch die Pfützen, fliegen dann jedoch davon. Offenbar mögen sie beim Baden nicht fotografiert werden.

Was für die Vögel auf dem Dach sicher angenehm ist, ärgert die Kundin: In Zeiten des Klimawandels und der knappen Wasserreserven geht so etwas gar nicht, findet sie. Deshalb ging sie schon vor rund einem Jahr in den Rewe und fragte nach dem Grund für die ungewöhnliche Rasensprenger-Aktion.

Marktleiter gibt der Anwohnerin Recht: Lösung ist nicht optimal

„Ich habe den Geschäftsführer des Rewe-Marktes darauf angesprochen und er sagte, dass die Kühlung der Klimaanlage notwendig sei, da sonst die Kühlgeräte im Markt nicht optimal kühlen würden und so das Sortiment schneller schlecht werden würde“, beschreibt die Frau die Reaktion des Marktleiters.

Lebensmittel drohen zu vergammeln: Rewe kühlt die eigene Klimaanlage

Der Rewe-Markt an der Rheinischen Straße. Ohne funktionierende Klimaanlage gäbe es hier ein Problem. © Martina Niehaus

Als sie ihren Unmut über die Methode äußert, mit Frischwasser zu kühlen, gibt ihr der Leiter im Grunde Recht. „Der Geschäftsführer äußerte dann, dass wohl eine neue Klimaanlage notwendig sei, dies aber mit hohen Kosten verbunden wäre und sie sich bewusst darüber sind.“ Auch auf Nachfrage der Redaktion äußert sich der Marktleiter ähnlich: Die Frischeprodukte seien gefährdet. Er möchte jedoch nicht namentlich genannt und zitiert werden.

Außergewöhnliche Maßnahmen bei außergewöhnlicher Hitze?

Die extremen Temperaturen brächten „in Einzelfällen auch die Technik ins Schwitzen“, erklärt die Pressesprecherin von Rewe Dortmund, Annika Amshove, auf Anfrage.

Mensch und Maschine seien auf Dauer nicht auf derartige Extreme ausgerichtet. „Bedauerlicherweise betrifft dies aktuell auch die Kälteanlage des Rewe-Marktes in der Rheinischen Straße, sodass dort aufgrund der außergewöhnlichen Hitzewelle auf eine außergewöhnliche Maßnahme zurückgegriffen wurde.“

Lebensmittel drohen zu vergammeln: Rewe kühlt die eigene Klimaanlage

Am Rewe-Markt an der Rheinischen Straße muss die Klimaanlage gekühlt werden - damit die Wurst frisch bleibt. © Martina Niehaus

Insofern werde die Kälteanlage auf dem Dach bewässert. „Als Lebensmittelhändler müssen wir trotz der anhaltenden Hitzewelle einen maximalen Verbraucherschutz für gekühlte Produkte sicherstellen. Bei einem möglichen Ausfall der Kühlanlagen könnte andernfalls die Kühlkette der Frischeprodukte in dieser besonderen Situation nicht aufrechterhalten werden“, argumentiert die Pressesprecherin.

Rewe bittet um Verständnis - Kritik sei nachvollziehbar

Die Anwohnerin kann dieses Verhalten nicht gutheißen – gerade angesichts der Wasserknappheit: „Meines Wissens soll man bei der großen Hitze keinen Rasen sprengen oder Pools befüllen. Und auf diesem Dach fließen große Mengen Frischwasser.“

Zu der Kritik der Anwohnerin sagt die Pressesprecherin: „Die vordergründige Kritik bezüglich der Bewässerung können wir aus Kundensicht durchaus nachvollziehen.“ Doch auch die Verantwortung des Lebensmittelunternehmers müsste berücksichtigt werden. „Im Schadenfall – bei Unterbrechung der Kühlkette durch Ausfall der Kühlanlagen – müssten alle kühlpflichtigen Produkte vernichtet werden. Wir bitten um Verständnis.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt