Restaurant setzt ein gruseliges Zeichen gegen das Gastro-Sterben

dzGastronomie

Mit einem außergewöhnlichen Post sorgt ein Dortmunder Restaurant für Aufsehen in den sozialen Netzwerken: ein Hilferuf an die Politik.

Menglinghausen

, 11.05.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nein, ein mit Blümchen gedeckter Tisch würde nicht für genug Aufsehen sorgen. Damit könne sie nicht auf die Probleme aufmerksam machen, die die Gastronomie und die Hotellerie in Corona-Zeiten umtreiben, sagt Sandra Karpati.

Sandra Karpati, Geschäftsführerin des Lennhofs, im Eingangsbereich.

Sandra Karpati, Geschäftsführerin des Lennhofs, im Eingangsbereich. © Jörg Bauerfeld

Sie ist die Geschäftsführerin des Lennhofs, Menglinghauser Straße 20. Das traditionsreiche Haus, das auf das Jahr 1395 zurückgeht, hat einen anderen Weg gewählt – und sorgt mit einem Foto für viel Aufmerksamkeit im Netz.

Ein Skelett in Kochmontur

Ein Skelett im Kochkittel steht vor einem Scherbenhaufen. Diese Szenerie soll die Situation des Restaurants darstellen. „Edgar“ heißt das Skelett.

Im übertragenen Sinn könnte es dem Lennhof wie Edgar ergehen, wenn die Situation sich nicht bessert. Denn die Lockerungen, die ab Montag (11.5.) für die Gastronomie in NRW gelten, helfen dem ehemaligen Mannschaftshotel von Borussia Dortmund auch nicht richtig weiter.

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„Wir haben ein richtiges Problem“, sagt Sandra Karpati. „Perspektivisch weiß ich gar nicht, wann ich die Veranstaltungen, von denen wir ja leben, wieder durchführen darf.“

Betriebe dürfen nicht einfach sterben

Da geht es um Kommunionen, Konfirmationen, Hochzeiten, Geburtstage. „Wir verstehen ja die ganzen Maßnahmen, die die Regierung auf den Weg gebracht haben. Aber es geht ja darum, dass man die Betriebe nicht einfach sterben lässt“, sagt Karpati.

Der Lennhof an der Menglinghauser Straße

Der Lennhof an der Menglinghauser Straße © Jörg Bauerfeld

Karpati hat Soforthilfe beantragt. Die sei auch gekommen, aber das sei nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Die Belegschaft ist in Kurzarbeit, anders wäre es überhaupt nicht gegangen.

„Aber jetzt muss etwas passieren. Mit zwanzig Gästen am Abend können wir nicht den ganzen Komplex hier finanzieren“, sagt Sandra Karpati.

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Denn es geht Karpati nicht nur um das Restaurant, sondern auch um das angrenzende Hotel mit 34 Zimmern. „Auch die vermiete ich im Moment nicht. An wen auch?“, fragt die Geschäftsführerin.

Sie fragt sich, ob sie Tagungen durchführen darf. Aber: Ist das eine Versammlung oder eine Veranstaltung?

Zu viel Unsicherheit

Als Gastronom bekomme sie keine Antworten, kritisiert Karpati. Der Informationsfluss zwischen Politik und Wirtschaft sei zu wenig.

Was könnte denn die Gastronomie retten? „Wir brauchen monatliche finanzielle Hilfen, um allein die laufenden Kosten zu decken“, sagt Sandra Karpati.

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Karpati möchte die Flinte aber nicht ins Korn werfen. „Es haben uns so viele Menschen den Rücken gestärkt und uns unterstützt. Das gibt einfach Hoffnung.“ Auch auf den Post im Internet sei viel Resonanz gekommen. Darunter aber auch Kommentare, die so ein Foto als geschmacklos erachten.

„Es war nie unsere Absicht, das Thema Corona ins Lächerliche zu ziehen oder Menschen zu verletzen. Das Foto sollte einfach auf das Sterben des Gastgewerbes aufmerksam machen. Und um Aufmerksamkeit zu erregen, musste das sein“, sagt Sandra Karpati.

Zuspruch für den Lennhof

Aufmerksamkeit hat das Lennhof-Team damit bekommen – genauso wie viele Unterstützer. „Nur noch traurig, bleibt bitte stark, Ihr schafft das“, ist im Internet zu lesen. Oder „Letztes Jahr haben wir noch unsere Hochzeit bei Euch gefeiert und Ihr habt einen hammer Job gemacht!!! Haltet bitte durch.“

Wie es weiter geht? „Wir werden unser Restaurant ab dem 11. Mai wieder öffnen. Mit einem Hygienekonzept natürlich. Aber eben nur mit einem begrenzten Platzangebot. Betriebswirtschaftlich ist es eigentlich ein Wahnsinn, aufzumachen“, sagt Karpati.

Aber es geht weiter – mit den bekannten Öffnungszeiten. Sandra Karpati freut sich über Reservierungen.

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