Dortmunder Reisebüros: Reisen Sie jetzt nicht nach Mallorca!

dzCorona-Krise

Deutsche können bereits zwei Wochen vor Spaniens Grenzöffnung „Testurlauber“ werden. Auch Dortmunder Reisebüros bieten Reisen für Kurzentschlossene an – geben aber einen überraschenden Rat.

Dortmund

, 10.06.2020, 10:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Spanien öffnet seine Grenzen ab dem 1. Juli für Touristen. Doch bereits zwei Wochen vor der Grenzöffnung soll es für 6000 Deutsche möglich sein, als „Testurlauber“ eines ihrer beliebtesten Reiseziele anzusteuern.

Das Mittelmeer-Land startet für Mallorca, Menorca und Ibiza ein Pilotprojekt, um die Hygiene-Konzepte in der Touristik zu erproben.

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Marcel Böhme, Inhaber des mobilen Reisebüros „Takeoff Reisen“ in Dortmund, setzt einige Hoffnungen auf diese Testphase. „Ich merke, dass viele momentan versuchen die Entscheidung über ihre Reise hinauszuzögern“, sagt er.

Das Pilotprojekt in Spanien

6.000 Testurlauber aus Deutschland

  • Bereits zwei Wochen vor der Grenzöffnung sollen 4.000 Deutsche als „Testurlauber“ nach Mallorca, und jeweils 1.000 nach Menorca und Ibiza kommen können.
  • Auf diesem Weg will man testen, ob die ergriffenen Corona-Schutzmaßnahmen für die Rückkehr zum „normaleren“ Tourismus ab dem 1. Juli greifen.
  • Dabei geht es, übereinstimmenden Medienberichten zufolge, explizit um Reisende aus Deutschland, da die Pandemie hier bislang vergleichsweise moderat verlaufen ist.
  • An der Testphase nehmen vier Hotelketten und die Reiseveranstalter Tui, Schauinslandreisen und DER-Touristik teil

Viele reisen derzeit lieber ins nähere Umland - um die Möglichkeit zu haben, notfalls mit dem Auto zurückzukommen. Nach dieser zweiwöchigen Testphase sei jedoch vielleicht auch für die Reisebüros und ihre Kunden klarer, inwieweit weitere Flugreisen möglich und ratsam seien.

Reise möglich, „wenn man denn Testobjekt sein will“

Die Testurlauber werden aller Voraussicht nach Menschen sein, die ohnehin eine Reise gebucht hatten und diese nicht storniert oder umgebucht haben.

Doch auch Kurzentschlossene hätten die Möglichkeit, bei Dortmunder Reisebüros Spontan-Reisen zur Inselgruppe zu buchen – „wenn man denn Testobjekt sein will“, gibt Böhme zu bedenken.

Er persönlich wäre das nur ungern. „Aber solange Verfügbarkeiten da sind, ist eine Last-Minute-Buchung durchaus möglich“, meint er.

Flüge von Dortmund gehen erst ab Juli wieder nach Spanien

Zumindest von Düsseldorf aus steuern Maschinen ab der kommenden Woche wieder das „17. Bundesland“ Mallorca an.

Der Dortmunder Airport nimmt dagegen seine Flüge mit den Fluglinien Ryanair und Eurowings nach Spanien erst ab dem 1. Juli wieder auf, wie Flughafen-Sprecherin Davina Ungruhe auf Anfrage mitteilt.

Ziele kehren nach und nach zurück

So sehen die Flugpläne für den Dortmunder Airport aus

  • Im Laufe der ersten Juli-Woche werden die Ryanair- und Eurowings-Ziele Mallorca, Malaga, Porto, London, Thessaloniki, Kattowitz, Split und München nach und nach wieder zurückkommen, sagt Flughafen-Sprecherin Davina Ungruhe.
  • Derzeit fliegen Maschinen von Wizzair bereits wieder nach Serbien, Bulgarien, Ungarn, Österreich, Litauen, Bosnien und Herzegowina.
  • Ab dem 11. Juli kommt auch ein neues Ziel hinzu: Larnaka in Zypern.

Kurt Hosbach vom TUI-Reisecenter an der Kuckelke schlägt in eine ähnliche Kerbe wie Böhme. Es wäre durchaus möglich, spontan noch in der kommenden Woche nach Mallorca zu fliegen – dazu raten würde er seinen Kunden aber nicht. Auch wenn das für ihn bedeute, nichts zu verkaufen.

„Ich würde jedem meiner Kunden raten, erst noch abzuwarten und nicht Versuchskaninchen zu spielen“, sagt er. „Ich möchte meinen Kunden auch wiedersehen.“ Deshalb empfiehlt er, erst mindestens eine Woche verstreichen zu lassen.

„Was ist, wenn der Test nicht funktioniert?“

Am 3. Juni teilte das Auswärtige Amt mit, dass die allgemeine Reisewarnung für europäische Länder ab dem 15. Juli aufgehoben werden soll.

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Dass die Dortmunder Reisebüros deswegen nicht unbedingt vor Glück jauchzen, macht Michael Dreager vom Reisebüro Stoffregen deutlich. „Ich kann doch keine Reisewarnung aufheben, ohne einheitliche Regelungen zu haben“, sagt er.

Viele Kunden, die auf ihren Urlaub aus Verunsicherung lieber verzichten würden, blieben jetzt auf ihren Reisen sitzen. Sie müssen diese antreten oder kostenpflichtig stornieren. Das gelte nicht nur für Reisen nach Spanien.

Michael Draeger vom Reisebüro Stoffregen erhebt als Wortführer für die Dortmunder Reisebüros immer wieder die Stimme - wie auch bei einer Demo Ende April auf dem Friedensplatz.

Michael Draeger vom Reisebüro Stoffregen erhebt als Wortführer für die Dortmunder Reisebüros immer wieder die Stimme - wie auch bei einer Demo Ende April auf dem Friedensplatz. © Oliver Schaper (A)

Umbuchungen seien spontan teilweise gar nicht mehr möglich. Das hänge von der Kulanz des jeweiligen Reiseveranstalters ab. Aber von denen Rückmeldungen zu bekommen, sei teilweise überaus schwierig, sagt Dreager. „Ich kämpfe jeden Tag für meine Kunden“, sagt er.

An sich sei er froh, dass es jetzt mit Mallorca-Reisen langsam wieder losgehen soll. Denn schließlich stünden die Reisebüros seit einschließlich Oktober ohne Einnahmen da, sagt er.

Doch trotzdem schwebt aufgrund der sich beinahe täglich ändernden Lage eine große Unsicherheit über der Tourismusbranche: „Was ist, wenn der Test nicht funktioniert?“

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