Reisebüro-Chefin verzweifelt an Regel-Chaos - Reise trotz Lockerung in Gefahr

dzReisen während Corona

Reisen in Deutschland ist möglich - doch Dortmunder Busreisenden ist damit nicht geholfen. Sie dürfen nicht in ihrem Hotel in Niedersachsen einchecken - wegen anderer Corona-Regeln. Eine Wirrwarr-Posse.

Dortmund

, 04.06.2020, 07:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Wir haben null Einnahmen“, sagt Gabi Quiatek, Inhaberin des gleichnamigen Dortmunder Reisebüros. Die Tourismus-Branche leide besonders unter der Corona-Krise. Seit Mitte März sei sie nur noch am Stornieren, Beraten und Zurückzahlen. Wegen unterschiedlicher Pandemie-Regelungen in den Bundesländern steht nun auch eine Busreise, die sie organisiert hatte, auf der Kippe. In ihrer Verzweiflung hat sie eine Mail an den niedersächsischen Wirtschaftsminister Althusmann geschrieben.

Auch wenn das Reisebüro vor Coronazeiten ihren Haupterwerb darstellte, arbeitete Quiatek auch damals schon nebenberuflich als Reisebegleiterin und organisierte Trips aus dem Ruhrgebiet heraus. Das war der finanzielle Strohhalm, nachdem Quiatek greifen wollten, als am 25. Mai Nordrhein-Westfalen wieder Busreisen erlaubte - selbstverständlich unter Hygieneauflagen.

Bereits vor einem Jahr hatte Quiatek angefangen, eine Reise ab dem 12. Juni nach Niedersachsen zu organisieren. Wegen der Corona-Krise hatten einige Reisende abgesagt - doch 20 Urlauber wollen weiterhin das Alte Land erkunden.

Gäste dürfen nicht einchecken

Am Pfingstwochenende fuhr sie in das Hotel, in dem die Gäste übernachten sollten, um letzte Vorbereitungen zu besprechen. Dort bekam sie die Nachricht, die ihr auch diesen Strohhalm aus der Hand reißen könnte: Busreisen seien zwar wieder in NRW erlaubt - in Niedersachsen blieben sie jedoch verboten.

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Die Gäste dürften nur einchecken, wenn sie per Bahn und / oder mit dem Auto kämen. Doch die meisten Menschen, die die Reise antreten wollen, seien ältere Leute ohne Auto, die auch nicht mehrmals den Zug wechseln möchten.

Reiseveranstalterin Gabi Quiatek verzweifelt an den verschiedenen Corona-Regeln der Bundesländer.

Reiseveranstalterin Gabi Quiatek verzweifelt an den verschiedenen Corona-Regeln der Bundesländer. © privat

„Keine Sauftouristen, die alle an einem Sangria-Eimer nuckeln“

Einige Länder, sagt Quiatek, hätten ein falsches Bild von organisierten Reisen. „Ich habe hier keine Sauftouristen, die alle an einem Sangria-Eimer nuckeln“, stellt sie klar.

Natürlich sei die Corona-Krise eine prekäre Situation und Sicherheit äußerst wichtig. Gesundheit sei auch für sie oberstes Gebot. Sie habe geplant, 20 Reisende mit Mundschutz in einen Bus mit 50 Plätzen zu setzen - dabei besagen die Reiseregeln in NRW sogar, dass sie den Bus ganz voll machen dürfe. Auch das Hotel habe Hygienekonzepte erarbeitet und sei auf Gäste angewiesen. Die Reisenden würden einzeln einsteigen - und nicht ein- und aussteigen, wie es bei Bahnfahrten der Fall sei.

In Niedersachsen gibt die Gesetzeslage den Aufenthalt einer Busreise-Gruppe dennoch nicht her. „Ich darf also eine schöne Rundreise zwischen Dortmund, Witten und Bochum anbieten“, sagt Quiatek fassungslos.

Quiatek will einheitliche Regelungen für alle Bundesländer

Das größte Problem, sagt die Reisebüro-Chefin, sei für sie der Flickenteppich an unterschiedlichen Regelungen in Deutschland, wenn es um Busreisen geht. Dabei habe die Bundesregierung eigentlich appelliert, Urlaub im eigenen Land zu machen. „Ich will genau das bieten und ich darf das nicht. Das verstehe ich einfach nicht“, sagt sie.

„Auf der Webseite des niedersächsischen Ministeriums stehe: „‘Alle Gäste sind willkommen‘ - meine sind es scheinbar nicht“, bemängelt Quiatek. Trotz der Hygiene-Konzepte würden Busreisende als Gäste zweiter Klasse behandelt werden - jedenfalls in einigen Bundesländern.

Nach Pfingsten schrieb sie eine Mail an den niedersächsischen Wirtschaftsminister Bernd Althusmann. Sie will einen kleinen Anstoß dazu geben, dass sich die Länder auf einheitliche Corona-Regelungen einigen. „Es ist ja jeder bereit, sich an etwas zu halten. Aber dann muss das auch für alle gleich gelten“, findet sie.

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Sie habe bereits eine Antwort aus dem Büro des Ministers erhalten: Sie solle noch abwarten, inwiefern sich Niedersachsen am Freitag (5.6.) oder Montag (8.6.) für Lockerungen entscheidet. Doch falls sie auf Lockerungen wartet, die nicht kommen, muss sie die Reise am 8. Juni - vier Tage vor Reisebeginn - absagen.

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