Reichskriegsflagge wehte in Dortmunder Kleingartenanlage

dzRechte Symbolik

An einem der zahlreichen Masten in einer Kleingartenanlage im Dortmunder Süden wehte am Sonntag (14.6.) die Reichskriegsflagge. Der Vorstand reagiert.

Aplerbeck

, 17.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob eine Piratenflagge oder die von Borussia Dortmund – vor den Gartenlauben in der Kleingartenanlage „Fröhliche Morgensonne“ geht es bunt und fröhlich zu. Am Sonntag (14.6.) aber war das Bild zunächst getrübt.

Denn an einen der Fahnenmasten hatte jemand ein Stück Stoff gehängt, das für Entrüstung in den sozialen Netzwerken, der Nachbarschaft und innerhalb der Kleingartenanlage sorgte.

An einem der Masten wehte die Reichskriegsflagge aus dem Deutschen Kaiserreich. Ein Symbol, das immer wieder bei rechten Aufmärschen auftaucht und das mit der Nazi-Szene in Verbindung gebracht wird. Hinzu kommt: An jenem Wochenende fanden in Deutschland Demonstrationen gegen Rassismus statt.

In der Kleingartenanlage „Fröhliche Morgensonne“ hat Rassismus keinen Platz, sagt der Vorsitzende.

In der Kleingartenanlage „Fröhliche Morgensonne“ hat Rassismus keinen Platz, sagt der Vorsitzende. © Jörg Bauerfeld

„Ich wurde noch am Sonntag informiert und bin sofort eingeschritten“, sagt Hans-Jürgen Beckmann, Vorsitzender des Gartenvereins „Fröhliche Morgensonne“. Zum einen hatte ein Gartenbesitzer die Fahne gemeldet, zum anderen seien auch Mails von Anwohnern bei ihm angekommen, so Beckmann.

Vorsitzender: Sind ein weltoffener Verein

„Ich habe mich zunächst bei der Polizei erkundigt, wie ich mich verhalten soll“, so der Vorsitzende. Denn der Garten sei über Nachmittag nicht besetzt gewesen. Und einfach die Fahne vom Mast nehmen dürfe er nicht.

Das Hissen der Reichskriegsflagge erfüllt weder einen Straftatbestand noch stellt es eine Ordnungswidrigkeit dar. Trotz rechter Symbolik ist es im Prinzip also erlaubt, die Fahne aufzuhängen. Wer eine entsprechende Fahne sichtet, kann die Polizei rufen, die die Flagge dann eventuell beschlagnahmt. Strafrechtliche Konsequenzen gibt es aber keine.

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Dass die Fahne am Ende ein paar Stunden länger am Mast hing, als Beckmann lieb war, muss der Vorsitzende des Kleingartenvereins zähneknirschend in Kauf nehmen. „Aber ich werde dafür sorgen, dass so etwas hier nicht noch einmal passiert“. Man sei ein weltoffener Verein, in dem Symbole, die für Rassismus stehen würden, nichts verloren hätten.

Abmahnung könnte Rausschmiss folgen

Kurz nachdem die Fahne vom Mast verschwunden war, habe Hans-Jürgen Beckmann schon am Computer gesessen und ein Schreiben vorbereitet. „Wir distanzieren uns in aller Form von jeglicher Art von Rassismus. Wir werden da sofort eingreifen. Erst mit einer Abmahnung und dann folgt sofort der Rausschmiss“, sagt Beckmann.

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So etwas sei in der Kleingartenanlage noch nicht vorgekommen, so Beckmann. Und er würde dafür sorgen, dass es auch nicht noch einmal passiert. Auch dank aufmerksamer Bürger hing das Stück Stoff nur wenige Stunden.

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