Das Potpourri von Maßnahmen wie Tempo 30 und Polizeikontrollen auf dem Wall haben erste Wirkung gezeigt. Polizei und Stadt wollen am Ball bleiben. © Kevin Kindel
Auswertung

Raser-Szene: Was die Kontrollen und Tempo 30 am Wall wirklich bringen

Nach zwei Wochenenden gemeinsamer Kontrollen gegen die Raser- und

Oberbürgermeister Thomas Westphal und Polizeipräsident Gregor Lange haben am Dienstag (2.2.) gemeinsam ihren Willen und ihre Entschlossenheit bekräftigt, die Raser- und Poserszene vom Dortmunder Wall zu vertreiben – und wenn es sein muss, aus der ganzen Stadt.

Die gemeinsamen Kontrollen der Polizei mit der Verkehrsüberwachung des Ordnungsamtes an den vergangenen zwei Wochenenden hätten bereits Wirkung gezeigt, reichten aber noch nicht aus, um die Szene nachhaltig von ihrem gefährlichen Treiben abzuhalten, sagten die beiden Behördenchefs.

Der Polizeipräsident untermauerte mit Zahlen, dass sich der Kontrolldruck lohnt. Schon 2018 habe es auf den Wällen 62 verbotene Autorennen gegeben, die geahndet worden seien, so der Polizeipräsident, 2019 sank die Zahl auf 51. Lange: „Die Richtung hat gestimmt.“

2020 deutlicher Anstieg verbotener Autorennen

Allerdings stieg die Zahl illegaler Autorennen 2020 trotz des hohen Kontrolldrucks wieder auf 100. Lange: „Wir reden hier nicht nur über Lärmbelästigung und Dating zu Corona, sondern wir reden über Gefahr für Leib und Leben im öffentlichen Straßenverkehr“ – und über einen Verbrechenstatbestand, wenn tatsächlich jemand getötet oder verletzt werde. Dortmund habe glücklicherweise im Gegensatz zu anderen großen Städten wie Köln und Berlin noch keine Toten aufgrund illegaler Autorennen zu beklagen.

Das von der Stadt eingeführte Tempo 30 auf dem Wall zwischen 21 Uhr und 5 Uhr habe bereits etwas gebracht, sagte der Polizeipräsident. Die Zahl der Szene-Angehörigen auf dem Wall habe sich im Vergleich von bis zu 1000 in der Spitze an einem Tag am gesamten vergangenen Wochenende etwa halbiert.

So wurden von 150 Ordnungskräften allein der Polizei 450 Autos mit 800 Personen kontrolliert, 230 Platzverweise ausgesprochen, 65 Verwarnungsgelder erhoben, 64 Ordnungsanzeigen geschrieben und 11 Fahrzeuge beschlagnahmt.

Erster richtiger Schritt

Laut Lange, der den Kampf gegen die Wallraser zum strategischen Behördenschwerpunkt gemacht hat, macht sich in der Szene Unmut breit über die Kontrollen. Wenn es sich herumspreche, dass es in Dortmund keinen Spaß mache, im Stau zu stehen und kontrolliert zu werden, „haben wir den ersten richtigen Schritt gemacht.“ Als zweiter müsse eine komplette Verhaltensänderung erfolgen. Lange: „Jetzt kommt es darauf an, einen langen Atem an den Tag zu legen, und genau das haben wir vor.“

Auch der städtische Rechtsdezernent Norbert Dahmen konnte mit Zahlen belegen, dass das Interesse der Szene am Wall nachlässt. So verzeichneten die kommunalen Ordnungskräfte am ersten Wochenende der gemeinsamen Kontrollen bei 100-fach ausgeschildertem Tempo 30 (23./24.1.) 523 Geschwindigkeitsverstöße, ein Wochenende später waren es „nur“ noch 349. Dahmen: „Das ist immer noch erschreckend hoch.“

Auch mobile Blitzer im Einsatz

Für die Tempokontrollen wurden neben den vier stationären Blitzersäulen am Wall auch mobile Blitzer eingesetzt. Letztere hätten mehrfach in den Nächten ihren Standort gewechselt, erläuterte Dahmen, sodass szene-interne Warnungen über deren Standorte in den sozialen Medien nur temporär gestimmt hätten.

Der höchste Verstoß an beiden Wochenenden betrug auf einer der Zufahrtsstraßen 104 km/ h bei erlaubten 50 km/h. Weitere Verstöße waren 86 km/h bei Tempo 50 sowie 72, 66, 62 km/h bei Tempo 30. Die Betroffenen werden Post von der Bußgeldstelle bekommen, kündigte Dahmen an, darunter seien auch Fahrverbote.

Für OB Westphal sind diese Zahlen ein Beleg, dass Rasen auf dem Wall „ein reales Problem ist und keine Einbildung von Großstadtneurotikern.“ Die in Abstimmung mit der Polizei getroffenen Maßnahmen sollen in der ganzen Republik deutlich machen, dass es keine gute Idee sei, „sich ins Auto zu setzen, nach Dortmund zu fahren, um mit Höchstgeschwindigkeit um den Wall zu rasen. Nicht mit uns“, warnte der Oberbürgermeister. Die Kontrollen seien kein kurzes Intermezzo, stellte er klar. „Wir werden weitermachen.“

Keine Ausweichfläche für die Szene

Auf die Befürchtung, die Raserszene könnte sich woandershin verlagern, erklärte der Polizeipräsident, das Konzept der Polizei sei nicht nur auf die Wälle ausgelegt. „Wir sind mit unseren Maßnahmen in der Lage, dem zu folgen.“

Bislang lasse sich aber kein Verdrängungseffekt beobachten, meinte OB Westphal. Überlegungen aus der Politik, Posern und Tunern eine Ausweichfläche im Stadtgebiet zur Verfügung zu stellen, erteilte er eine klare Absage: „Ziel ist, dass das nirgendwo im Stadtgebiet stattfindet. Das ist gefährlich. Und das bliebe es auch auf einer Ausweichfläche.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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