Rätsel um Gift-Rohre in Hombruch ist gelöst – Kreuzung wird freigeben

dzGiftfund in Baugrube

Mit giftigen Ablagerungen verunreinigte Rohre und Tankteile stoppten im Juli Bauarbeiten in Hombruch. Nun ist die Herkunft der nicht verzeichneten Gussleitungen geklärt.

Hombruch

, 29.10.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einer Baugrube in Hombruch stießen Arbeiter im Juli beim Verlegen von Stromleitungen auf unbekannte Rohre und Teile eines Tanks, denen der giftige Stoff Naphthalin anhaftete. Die Baustelle an Harkort- und Kieferstraße wurde stillgelegt, umfangreiche Untersuchungen zur Herkunft und Lage der Rohrleitungen begannen.

Jetzt liegt der abschließende Bericht zur historischen Recherche der alten Gussleitungen vor. Er bestätigt die Erklärung, die ein Hombrucher Experte für historischen Bergbau auf Anhieb für den überraschenden Fund geäußert hatte: Die Relikte der industriellen Vergangenheit sind Fragmente eines Leitungssystems, das zwischen den ehemaligen Betriebsstandorten der Zeche Glückauf Tiefbau und den Röhrenwerken Barop existierte.

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Heinz-Ludwig Bücking vom Bergbauhistorischen Verein hatte bereits im August genau diesen Zusammenhang anhand alter Karten und Daten seiner umfangreichen Privatsammlung hergestellt. Der Redaktion erklärte er damals, die dicken Leitungen gehörten zu einem sieben Kilometer langen Verbundsystem, das die örtlichen Kokereien mit dem Hüttenwerk Union verband.

Er vermutete auch einen Anschluss des Baroper Walzwerks an das System. Auf einer alten Karte der ehemaligen Hombrucher Seilbahnanlage konnte der Historiker den Verlauf der Gasleitung nachvollziehen.

Die Baugrube wurde vorübergehend abgedeckt. In Kürze soll die Kreuzung wieder freigegeben werden.

Die Baugrube wurde vorübergehend abgedeckt. In Kürze soll die Kreuzung wieder freigegeben werden. © Susanne Riese (A)

Die mit der Untersuchung beauftragten Fachleute dagegen haben in den Archiven nur wenige konkrete Hinweise auf den genauen Verlauf der Gasleitung gefunden, wie Stadtsprecher Christian Schön mitteilt.

Trotzdem lasse sich dieser Zusammenhang recht eindeutig herstellen. „Bereits bei der damaligen umfangreichen Grundstücksaufbereitung für das heutige Einkaufzentrum Harkortbogen wurde ein kontaminiertes Rohrstück ausgebaut und entsorgt“, so Christian Schön.

Heute seien nur noch noch wenige Restabschnitte der ehemaligen Gasleitung vorhanden, das habe die durchgeführte Leitungsortung ergeben. „Das lässt vermuten, dass die Gussrohre im Rahmen von früheren Baumaßnahmen überall dort entfernt wurden, wo sie neuen Bauvorhaben im Weg waren.“

Dokumentiert und archiviert wurde das wohl nicht. Solche Aufzeichnungen wären hilfreich, denn nach den jetzt vorliegenden Untersuchungsergebnissen ist auch bei den verbliebenen Gasrohrfragmenten mit Ablagerungen von Naphthalin zu rechnen.

Diese Reste stellten aber kein Umweltrisiko dar. Das sei mehreren Umständen zu verdanken: Die in den Rohren und dem Kondensatabscheider festgestellten weißen Kristallreste sind immobil und weitgehend wasserunlöslich. Zudem sind die alten Leitungen – anders als heute üblich – nicht in einem Sandbett verlegt worden. Stattdessen liegen sie in einer gering durchlässigen Lehm-Schluff-Schicht.

Umweltgefährdung nicht zu befürchten

Darüber hinaus zeige das Bodengutachten einer benachbarten Fläche, dass das Grundwasser mehr als sechs Meter unter der Geländeoberfläche liegt. Das Resümee der Stadt: „All diese Punkte und die Tatsache, dass die Leitungsfragmente keinerlei Anzeichen für eine Materialermüdung aufweisen und durch die Asphaltdecke versiegelt waren, lassen den Schluss zu, dass keine Umweltgefährdung zu befürchten ist und aktuell keine Sanierungsnotwendigkeit besteht.“

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Die Erkenntnisse über Existenz und Lage der industriellen Hinterlassenschaften sollen nun in Planunterlagen dokumentiert werden. So sind die Arbeiter bei künftigen Tiefbauarbeiten auf kontaminierte Leitungen vorbereitet. Unliebsame Überraschungen wie an Harkort- und Kieferstraße bleiben ihnen dann erspart.

Donetz will die Arbeiten nun zügig fortsetzen. Die Fertigstellung der Asphaltflächen soll laut DEW21 Anfang nächster Woche (2.11.) starten und am Freitag (6.11.) beendet werden. Dann sollen sämtliche Sperrungen in diesem Bereich verschwinden und die Kreuzung soll wieder freigegeben werden.

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