Der erste Autokorso der Querdenker war von einem Gegenprotest mit Fahrrädern blockiert worden – in der Woche danach wurde das durch die Polizei verhindert. © Robin Albers
Kontrollen

„Querdenker“-Autokorso: Wieso die Polizei hart gegen Fahrradfahrer vorging

Bei dem Autokorso der „Querdenker“ am Dienstag in Dortmund waren viele Polizisten im Einsatz. Störungen und Blockaden sollten vermieden werden. Dafür nutzten sie auch ungewöhnliche Methoden.

Ein Polizist in schwarzer Einsatzkleidung, der auf dem Boden kniet und sich an einem Fahrrad zu schaffen macht. Er versucht, die Luft aus dem Reifen zu lassen.

Dieses Video machte nach dem „Querdenker“-Autokorso am Dienstagabend (2. März) vor allem in dem sozialen Netzwerk Twitter die Runde. Und Berichte von ähnlichen Begegnungen mit der Polizei.

Luft ablassen „ein milderes Mittel“

Die Polizei war mit einem Großaufgebot in der Dortmunder Innenstadt unterwegs. Ihr Ziel war es, den Ablauf der Demonstration mit 57 Fahrzeugen und 105 Teilnehmern der Coronaschutz- und Impfgegner von „Querdenken 231“ zu sichern.

Denn in der Woche zuvor hatte ein Gegenprotest auf Fahrrädern den ersten Autokorso gestört. Immer wieder kam es zu Blockaden durch die Radfahrer.

Die Polizei wollte das am Dienstag verhindern. Die Querstraßen entlang der Route des Autokorsos wurden mit Einsatzwagen abgesperrt, sodass der Gegenprotest nicht an die „Querdenker“ herankam.

Zur „Gefahrenabwehr“ beschlagnahmten Polizisten insgesamt acht Fahrräder und verstauten sie in einem extra dafür bereitgestellten leeren Lkw. Bei 17 Fahrrädern ließ die Polizei zudem die Luft aus den Reifen ab – eine „Maßnahme, die einen geringeren Eingriff in die Rechte der Betroffenen darstellt“, wie Polizeisprecher Gunnar Wortmann unserer Redaktion erklärte.

Der „Querdenker“-Autokorso sei eine friedliche, angemeldete Demonstration im Sinne der Versammlungsfreiheit gewesen – und Aufgabe der Polizei sei es, diese zu schützen.

In mindestens einem Fall wurde ein Gegendemonstrant festgenommen. Er soll ein Fahrrad auf einen Polizisten geworfen haben, wodurch dieser verletzt wurde.

Irritation über Kontrollen

Das Verhalten der Dortmunder Polizei stieß den Fahrradfahrern sauer auf. Das Luftabblassen sei „Sachbeschädigung“. Und die konfiszierten Zweiräder seien zum Teil beschädigt worden.

Polizeisprecher Wortmann konnte das nicht bestätigen. Sollte das aber der Fall gewesen sein, sei das „nicht vorsätzlich“ geschehen.

Fotostrecke

Der „Querdenker“-Autokorso am Dienstagabend

Die Autonome Antifa 170 aus Dortmund kritisiert das Vorgehen der Polizei. Und es gibt eine gefühlte Irritation. „Zum einen werden die ‚Querdenker‘ kontrolliert, zum anderen werden die Fahrradfahrer zum Feindbild erklärt“, erklärte eine Sprecherin der Antifa.

Vor allem mit Blick auf den ersten Autokorso. Dort war ein „Querdenker“ in die Gegendemonstranten gefahren. Im Kofferraum des Fahrzeuges waren ein Baseballschläger und eine Machete gefunden worden. Deswegen sei es merkwürdig, dass in der Woche danach der Fokus auf Fahrrädern lag.

„Die Polizei muss sich klar sein, dass Gegenprotest erlaubt ist – ein demokratischer Grundpfeiler“, so die Antifa.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
1990 im Emsland geboren und dort aufgewachsen. Zum Studium nach Dortmund gezogen. Seit 2019 bei den Ruhr Nachrichten. Findet gerade in Zeiten von Fake News intensiv recherchierten Journalismus wichtig. Schreibt am liebsten über Soziales, Politik, Musik, Menschen und ihre Geschichten.
Zur Autorenseite
Avatar

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.