Psychotherapeut klärt auf: Unter diesen Problemen leiden Dortmunds Kinder

dzSoziale Probleme

Ein Mengeder Psychotherapeut erzählt, unter welchen Problemen Kinder und Jugendliche leiden. Auf diese Warnsignale sollten Eltern achten.

Mengede

, 13.09.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr als die Hälfte seiner Patienten stammt aus dem Dortmunder Westen: Der Kinder- und Jugendpsychotherapeut Carsten Taubenberger arbeitet mit vielen jungen Menschen, die Hilfe brauchen. Die Jüngsten befinden sich im Übergang von der Kita zur Grundschule, die Ältesten sind 21 Jahre alt.

Circa 80 aktive Patienten hat Taubenberger pro Quartal – das sei ein Richtwert für Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. „Der Patientenansturm bei mir, wie auch bei meinen Kollegen, ist sehr groß“, sagt Carsten Taubenberger. Kinder und Jugendliche suchen immer häufiger einen Psychotherapeuten auf.

Warum machen Kinder und Jugendliche eine Therapie?

Doch: Was sind die Gründe für die Therapie? Weil die Kinder aus sozialschwachen Familien kommen, arm und in der Schule auffällig sind? Probleme, die eher im Norden Dortmunds vorherrschen.

„Eltern, die sich nicht kümmern und ihre Kinder vor dem Fernseher parken gibt es leider so gut wie überall“, sagt Carsten Taubenberger. Ebenso wie Familien, die mit Arbeitslosigkeit oder geringen Verdiensten zu kämpfen haben. „Aber die Probleme der Nordstadt sehe ich zumindest in meiner Praxis nicht.“

Nicht nur bei ihm, auch bei einigen seiner Kollegen sei es vielmehr so, dass die meisten Patienten Gymnasiasten aus der Oberstufe seien. „Auf ihnen lastet ein irrer Druck – von der Schule und auch von Zuhause.“

Es wird schon früh an später gedacht

Bereits im Grundschulalter haben Kinder Angst, den Ansprüchen der Schule und ihrer Eltern nicht gerecht zu werden. „Es geht schon früh darum, dass die Kinder einen guten Abschluss haben, es einmal besser haben als die Eltern, die vielleicht nicht studiert haben“, sagt Carsten Taubenberger. „Deshalb müssen auch viele Oberstufenschüler so gut sein, dass sie bloß keine Wartesemester brauchen bevor sie an der Uni zugelassen werden.“

Grundsätzlich wollen die Eltern ihren Kindern nichts Böses, so Taubenberger. Jedoch merken sie oft nicht, was ihre Wünsche auslösen. Chronische Kopfschmerzen, Prüfungsangst oder Essstörungen können die Folge sein. „Auf solche Warnsignale sollten Eltern und Schulen achten.“ Und das tun viele auch, denn so kommen die Patienten zu dem Psychotherapeuten.

Mit 15 Jahren geht es auch ohne die Eltern

Im Normalfall werden Eltern oder andere Bezugspersonen wie Lehrer in die Therapie mit einbezogen. Jugendliche, die 15 Jahre oder älter sind, können jedoch auch ohne das Wissen der Eltern eine Therapiesitzung vereinbaren.

„Und wenn es einen ausdrücklichen Wunsch der Patienten oder einen guten Grund gibt, aus dem die Eltern nicht dabei sein oder etwas von der Therapie wissen sollen, dann geht es auch ohne“, sagt Taubenberger.

Jedoch sei es sinnvoll, wenn die Eltern Teil der Therapie seien. Schließlich sei es beispielsweise bei Angststörungen wichtig, dass die Eltern auch Zuhause mit ihren Kindern weiterarbeiten. „Oft nehmen die Eltern ihren Kindern ab, wovor sie Angst haben, und verstärken das Verhalten damit“, erklärt Taubenberger.

Soziale Medien sind ein großes Problem

Eltern ermöglichen ihren Kindern so die Flucht vor einer ungeliebten Situation. Eine Flucht, die in der Schule nicht möglich ist. „Die Schule kann man nicht einfach kündigen wie einen Job“, sagt Carsten Taubenberger. Und hier erwartet die Kinder und Jugendlichen nicht nur der Druck, was gute Leistungen angeht.

„Es geht heute in allen Lebensbereichen darum, möglichst toll zu sein“, sagt Taubenberger. „Deshalb posten alle ihren gedünsteten Brokkoli, ein Foto vom Training und von allem, was teuer ist.“ Hier werde es für Kinder aus Familien mit weniger Geld schwierig. Sie können nicht mithalten, denken, Instagram bilde eine Realität ab, zu der sie nicht gehören können. „Aber das Gute bei Kindern ist, dass es oft einfacher für sie ist, eine neue Sichtweise anzunehmen und umzusetzen.“ Das sei sein Ansatzpunkt.

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