Prozessauftakt: Pfarrer mit Nacktfotos erpresst

DORTMUND Wegen Erpressung eines katholischen Pfarrers mit Nacktbildern muss sich ein 41-Jähriger seit Donnerstag vor dem Landgericht verantworten. Der Mann soll bei einem Einbruch in der Wohnung des Geistlichen im Oktober 2007 in Hamm Fotos von nackten Mädchen und Frauen gefunden haben.

von Von Jörn Hartwich

, 10.07.2008, 16:02 Uhr / Lesedauer: 1 min

Laut Staatsanwaltschaft forderte der Anklagte in einem Erpresserschreiben 2500 Euro. Andernfalls würde er die Bilder an die Presse weiterleiten. Zum Prozessauftakt machte der 41-Jährige von seinem Schweigerecht Gebrauch.

Der 57-jährige Pfarrer selbst ist wegen des Besitzes von insgesamt mehr als 100 Kinderporno-Fotos aus dem Internet, die im Zuge der Ermittlungen auf seinem Computer gefunden wurden, bereits zu einer Geldstrafe von 3200 Euro verurteilt worden.

Laut Anklage brach der Einbrecher zwischen 2005 und 2007 gleich drei Mal in das Pfarrhaus ein. Die Bilder mit nackten Frauen und Mädchen sollen in einer Nachttisch-Schublade gelegen haben. Da der Pfarrer jedoch sofort die Polizei eingeschaltet hatte, konnte der Angeklagte bei der Geldübergabe festgenommen werden.

Vorwurf: Zehn Wohnungseinbrüche

Insgesamt werden dem Angeklagten zehn Wohnungseinbrüche vorgeworfen. Seine Beute soll vorwiegend aus Bargeld und Elektronikartikeln bestanden haben. Einmal soll er aber auch den Opferstock in einer katholischen Kirche in Hamm geplündert haben. Auch die Wohnung eines weiteren Pfarrers aus Hamm taucht in der Anklageschrift auf.

Der 41-Jährige ist bereits zwölf Mal vorbestraft und hat schon viele Jahre im Gefängnis verbracht. Im Prozess vor der 39. Strafkammer droht ihm nun nicht nur eine weitere Haftstrafe, sondern auch die anschließende und unbefristete Unterbringung in der Sicherungsverwahrung.

Richter hatten auf Geständnis gehofft

Die Richter waren ursprünglich davon ausgegangen, dass er zum Prozessauftakt ein Geständnis ablegen wird und hatten nur zwei Verhandlungstage angesetzt. Nun sollen insgesamt 17 Zeugen und eine psychiatrische Gutachterin gehört werden. Dafür wurden acht weitere Verhandlungstage bis zum 19. September festgelegt.

Der Pfarrer wird seit dem Vorfall nicht mehr als Gemeindepfarrer eingesetzt. Es sei noch unklar, ob und wann er wieder einen Seelsorgeauftrag erhalte, sagte ein Sprecher des Erzbistums Paderborn am Donnerstag auf Anfrage.

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