Prozess gegen Steven F.: Rechte Parolen im Gerichtssaal

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Im Prozess gegen Neonazi Steven F. wollte am Mittwoch ein Zuschauer mit einem T-Shirt provozieren. Auch ein rechter Aufkleber wurde im Gericht gefunden. Konsequenzen hatte das nicht.

Dortmund

, 24.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Der dritte Verhandlungstag begann eigentlich wie immer: Auf der einen Seite nahmen die Sympathisanten der rechten Szene Platz, auf der anderen Vertreter der Antifaschisten. Alles war ruhig, viele Stühle blieben leer.

Doch dann entdeckten die Wachtmeister in einer Pause einen Aufkleber der rechten Szene. Er klebte auf der Rücklehne eines Stuhles und muss laut Gericht eindeutig während des Prozesses dort angebracht worden sein.

Zuhörer kam mit "sehr bedenklichem" T-Shirt

Direkt dahinter saß ein Zuhörer mit einem T-Shirt, auf dem sechs Großbuchstaben aufgedruckt waren, die unter Hinzufügung der entsprechenden Vokale das Wort „Hakenkreuz“ ergeben würden. „Sehr bedenklich“, befand das die Richterin. Verboten ist die Buchstabenfolge – anders als das Hakenkreuzsymbol – aber wohl nicht.

Wer den Sticker angebracht hat, ist unklar. Alle, die in der Nähe saßen, beteuerten ihre Unschuld oder machten Witze darüber. „Wir könnten jetzt Fingerabdrücke nehmen oder die Taschen durchsuchen lassen“, hieß es von Seiten des Gerichts. Doch soweit wollte man am Ende dann doch nicht gehen.

"Ihr seid im falschen Viertel"

Inhaltlich ging es am Mittwoch um einen Vorfall von Oktober 2018 in Marten. Damals soll Steven F. mit einem Komplizen einen Studenten und eine Sozialarbeiterin eingeschüchtert, bedroht und beleidigt haben – was er bestreitet.

Die beiden späteren Opfer hatten auf der Straße ein paar Sticker der rechten Szene abgeknibbelt. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Es kamen zwei Männer auf sie zu, in der Hand ein Handy, das möglicherweise filmte. Es wurden Schläge angedeutet und Beleidigungen ausgesprochen. „Ihr seid im falschen Viertel“, soll noch gesagt worden sein.

„Später klebten dann plötzlich Sticker mit rechten Parolen an meinem Klingelschild“, sagte die Sozialarbeiterin den Richtern. Außerdem sollen sich rund zehn vermummte Gestalten demonstrativ vor ihrem Küchenfenster aufgebaut haben. „Ich bin danach abends nicht mehr alleine mit dem Hund rausgegangen“, sagte die 22-Jährige im Prozess.

"Werde mir die Gestalten mal zur Brust nehmen"

Die Polizei hatte den Fall damals sehr ernst genommen. Einer der Beamten versprach sogar persönliche Hilfe: „Ich werde mir die beiden Gestalten mal zur Brust nehmen und ein ernstes Wort mit ihnen reden“, schrieb er der Sozialarbeiterin in einer Email.

Steven F. wird Raub, Körperverletzung, Beleidigung und Verwenden von Nazi-Symbolen vorgeworfen. Einen Teil der Vorwürfe hat er zugegeben. Das Bedrohungs-Szenario von Oktober 2018 gehört nicht dazu. Nach Einschätzung der Verteidigung ist eine Identifizierung des Angeklagten nicht geglückt.

Der Prozess wird am 9. Mai fortgesetzt. An diesem Tag soll voraussichtlich auch das Urteil gesprochen werden. Steven F. sitzt vorerst weiter in Untersuchungshaft.

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