Am Ostwall ist ein Video entstanden, in dem mehrere Personen offenbar gegen die Corona-Regeln verstoßen. © Björn Althoff
Deutliche Kritik

Provokantes Video: 8 Personen tanzen Hand in Hand an einem Seniorenheim

Das Video vom Ostwall, das seit dem Wochenende im Internet kursiert, lässt einen fassungslos zurück. Eine große Gruppe tanzt nah beieinander – das sorgt für emotionale Kommentare.

Die Instagram-Seite „dortmundwall“ hat rund 16.000 Abonnenten. In der Regel geht es in den eingeschickten Beiträgen um Autos oder Menschen, die sich abends in der Dortmunder Innenstadt kennengelernt haben. Am Sonntag (24.1.) ist da ein Video erschienen, das viele Menschen aufregt.

Ohne Kommentar ist der Beitrag verbreitet worden. Acht Personen sind zu sehen, die zu Beginn eine lange Kette bilden, indem sie einander an den Händen halten. Sie tanzen offenbar einen Halay, einen Tanz, der zum Beispiel auf Hochzeiten zu sehen ist. Und das ausgerechnet wenige Meter entfernt vom Josefinenstift, einem Altenheim am Ostwall. Die Blätter, die an einem Baum zu sehen sind, lassen vermuten, dass das Video schon etwas älter ist.

Der Clip ist nur wenige Sekunden lang, doch er sorgt für jede Menge Unverständnis bei den Zuschauern. Schließlich darf man pro Haushalt wegen des Corona-Schutzes aktuell nur eine andere Person treffen.

„Fremdschämen pur“, ist in den Kommentaren zu lesen, genau wie „Unnormal peinlich“ oder: „Und so Leute sind der Grund, warum der Lockdown immer wieder verlängert wird und viele Existenzen bedroht sind.“

Besonders emotional äußert sich eine Person, deren Beitrag von der Instagram-Seite ebenfalls verbreitet wurde. „Meine Mama hat im Frühjahr die Diagnose Krebs erhalten“, ist da zu lesen. Weil die Krankenhäuser in der Folgezeit wegen des Coronavirus die weniger dringlichen Operationen verschieben mussten, habe die Mutter bis in den Winter auf ihren Eingriff warten müssen.

Jeder Beteiligte könne etwas verändern

„In dieser Zeit sind die Tumore gewachsen und es haben sich noch weitere gebildet, weswegen es einige Komplikationen während der OP gab“, so die anonyme Nachricht.

Bislang sei dann zwar alles gut gelaufen, aber eine noch längere Wartezeit hätte lebensbedrohlich werden können. Sarkastisch wird geschrieben, das Leben der Mutter sei offenbar nicht so wichtig wie das ‚Tanzen wollen‘ der Menschen in dem Video.

Der anonyme Verfasser oder die Verfasserin schreibt: „Auch wenn ihr nicht infiziert wart: Jeder Einzelne von euch kann ein Überträger sein. Jeder Einzelne von euch könnte dazu beitragen, dass es so Leuten wie meiner Mutter schneller besser geht.“

Die Nachricht bekommt viel Zustimmung, mehr als 300 Personen haben „Gefällt mir“ gedrückt. Eine junge Frau kommentiert: „Ich verstehe nicht, warum man nicht zu Hause bleibt, so weit es geht. Ich arbeite im Krankenhaus und sehe die ganzen Fälle. Traurig.“

Meinung

Wie kann man nur so ignorant sein?

Wie kann man nur so ignorant sein? Will man der Gruppe etwas zugute halten, dann haben sich die Personen vielleicht nicht bewusst den Ort in Sichtweite des Seniorenheims gesucht. Dennoch ist es absolut verantwortungslos, mit gleich acht Personen Körperkontakt zu suchen. Und das ganze dann noch als Video ins Internet zu stellen – oder sich von Unbeteiligten filmen zu lassen – ist einfach nur dämlich. In so einer Situation sollte jeder Passant zumindest kurz den Mund aufmachen und sagen, dass dieses Verhalten in der aktuellen Situation absolut inakzeptabel ist.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Kevin Kindel, geboren 1991 in Dortmund, seit 2009 als Journalist tätig, hat in Bremen und in Schweden Journalistik und Kommunikation studiert.
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Kevin Kindel

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