Zuhälter im Mietshaus: „Er hat gefragt, ob ich für ihn anschaffen will“

dzLEG-Mieterärger

Eine Dortmunderin wohnt in einem LEG-Mietshaus – und mit ihr offenbar auch ein Zuhälter. Freier und eine Prostituierte sollen ein und aus gehen. Inklusive benutzter Taschentücher im Flur.

Kley

, 21.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Regelmäßige „Geschäftszeiten“ gebe es nicht, sagt die Mieterin. Doch beinahe täglich sehe sie die Frau, die eine Prostituierte sein soll, ins Haus kommen. Ihr folgen pro Arbeitstag unterschiedlich viele Freier, die von dem Mieter der Nachbarwohnung, dem mutmaßlichen Zuhälter, hereingelassen werden.

Das erzählt eine Dortmunderin, die ihren Namen nicht öffentlich nennen möchte. Erst seit Dezember 2019 wohnt sie in einem Mietshaus an der Friedrich-Schröder-Straße in Kley. „Und direkt beim Einzug hat der Nachbar mich gefragt, ob ich für ihn anschaffen gehen will“, sagt sie.

Von anderen Mietern des Hauses und der Vormieterin ihrer Wohnung habe sie erfahren, dass das „Bordell im Haus“ auch dem Vermieter, der LEG, bekannt sei. „Sie haben mich nicht darüber in Kenntnis gesetzt“, wirft die Dortmunderin dem Wohnungsunternehmen vor.

LEG weiß von nichts

Als sie die LEG über die Vorgänge in der Nachbarwohnung informiert habe, sei ihr lediglich mitgeteilt worden, dass es sich dabei um eine zivilrechtliche Streitigkeit handele. Gegenüber der Redaktion äußert sich das Wohnungsunternehmen wie folgt: „Ein derartiger Sachverhalt über ein Gewerbe dieser Art ist uns nicht bekannt.“

Etwas, das die Mieterin nicht glauben kann. Mehrfach habe sie auf den mutmaßlichen Zuhälter hingewiesen. Doch die LEG habe sich nicht gerührt. Die Mieterin habe inzwischen die die Polizei eingeschaltet, sagt sie.

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Sie sendet regelmäßig Fotos von ihrem Nachbarn, der mutmaßlichen Prostituierten und von deren Freiern sowie von deren Autos und Nummernschildern an die Wache. „Sie müssten hier in flagranti bei der ‚Arbeit‘ erwischt werden, aber die sind bisher immer viel zu schnell weg“, sagt die Mieterin.

Stattdessen bleiben nur von den Freiern benutzte Taschentücher im Flur und vor dem Haus zurück. Direkte Gespräche mit ihrem Nachbarn seien bislang ins Leere gelaufen. Dabei gehe es inzwischen nicht mehr nur um Einbußen bei der Wohnqualität.

Angst vor Corona wegen illegaler Prostitution

Es gehe auch um die Angst vor einer Corona-Infektion. Wegen der Pandemie ist Prostitution derzeit in Dortmund verboten. Viele Prostituierte arbeiten deshalb illegal. „Aber hier liegt eine immense Gefahr für die anderen Mitbewohner vor, das kann doch niemandem egal sein“, sagt die Mieterin.

Anfragen an die Polizei und die Stadt Dortmund bezüglich des Falls an der Friedrich-Schröder-Straße laufen. Indes ist der mutmaßliche Zuhälter im Haus nicht das einzige Problem der Mieterin. Bei ihrem Einzug habe die Warmwasser-Therme gefehlt, tagelang habe sie daher bei ihren Eltern im Seniorenheim duschen müssen. Zudem fehle die Duschwand, sodass das Badezimmer bei jedem Duschgang unter Wasser stehe. Hinzu komme Müll im Keller und dass die vorhandenen Waschmaschinen-Anschlüsse nicht für alle Mieter reichen.

Die alte Therme stand knapp zwei Wochen lang mitten in der Wohnung der Dortmunderin. Eine neue wurde erst später eingebaut.

Die alte Therme stand knapp zwei Wochen lang mitten in der Wohnung der Dortmunderin. Eine neue wurde erst später eingebaut. © Privat

Hinsichtlich dieser Mängelliste äußert sich die LEG ausführlicher. „Grundsätzlich besteht kein Anspruch auf einen eigenen Waschmaschinenanschluss für jeden Mieter“, erklärt Pressesprecherin Silke Gottschalk. Eine detaillierte Abrechnung pro Mietpartei sei dennoch möglich.

LEG entschuldigt sich

Die Pressesprecherin entschuldigt sich für die knapp zweiwöchige Verzögerung des Thermen-Einbaus. „Die Verzögerung hat sich leider aufgrund der Schnittstellen der Weiterleitung des Auftrags an das zuständigen Unternehmen ergeben.“

Die Duschwand hingegen sei Sache der Mieterin. Sie müsse selbst gekauft und montiert werden, das sei bei Vertragsabschluss deutlich gemacht worden. Der Müll im Keller soll indes zeitnah entfernt werden, sofern der Hausmeister die Müllanhäufung vor Ort bestätige.

Die Dortmunderin sucht derweil bereits eine neue Wohnung. „Aber das ist nicht so einfach.“ Sie ist schwerbehindert und braucht hin und wieder auch einen Rollator. „Ich hoffe nur, dass sich die Sache regelt – und wenn nicht, dass ich nicht hierbleiben muss“, sagt sie.

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