Professor hängt Hitler-Zitat in der TU Dortmund aus

dzWalter Krämer

Ein Professor der TU Dortmund stellt vor seinem Büro Zitate von Adolf Hitler und eines Ex-AfD-Poltikers zur Schau. Dafür erntet er heftige Kritik von Studenten – von der Uni nicht.

von Tabea Prünte

Dortmund

, 11.12.2019, 05:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Uni-Schaukästen sind selten eine spannende Angelegenheit: Meist hängen in ihnen Sprechstundenzeiten und Bekanntmachungen des Lehrstuhls. Der Glaskasten vor dem Büro des TU-Professors Walter Krämer ist da eine Ausnahme. Der sorgt seit Wochen für Aufregung unter Studenten, auch das Studenten-Magazin Kurt berichtete bereits darüber. In ihm sind unter anderem die Aussage eines AfD-Politikers sowie ein angebliches Hitler-Zitat zu lesen.

„Der Nationalsozialismus hätte niemals in Deutschland siegen können, hätte ich nicht das Rauchen aufgegeben“, steht dort, kombiniert mit der Anmerkung, dass Churchill, Stalin und Roosevelt Kettenraucher gewesen seien. Über dem Spruch hängt ein Zettel mit der Aufschrift „Rauchen gegen Rechts“.

Ebenfalls im Schaukasten zu sehen ist ein Zitat des Ex-AfD-Mitglieds Hans-Olaf Henkel: „Es gibt 57 islamische Länder in der Welt. Da muss es ein wahnsinniger Zufall sein, dass es in keinem dieser Länder eine Demokratie gibt. Nicht eine.“

Studentenvertreter: „Menschenverachtende Aushänge“

Dem Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der TU schmecken diese Aushänge gar nicht. Er hat eine Gegenstellungnahme veröffentlicht. Die Studentenvertreter fordern dort „eine sofortige Beendigung der menschenverachtenden Aushänge von Herrn Krämer“.

„Wir können niemandem vorschreiben, wie er sich zu äußern habt“, sagt Asta-Sprecher Leander Schreyer. „Aber wir finden, dass ein Professor nicht einfach in dieser Form seine politische Meinung verbreiten kann, die nicht für seine Forschung steht.“

TU-Professor Krämer spricht von Satire

Das sieht Krämer anders. Bei den Aushängen handele es sich um Satire, sagt der Statistik-Professor. Er wolle damit die Studierenden zum Nachdenken anregen, denn dafür sei eine Universität schließlich da.

Zum angeblichen Hitler-Zitat erklärt er etwas kryptisch: „Die Wahrheit einer Aussage hängt nicht davon ab, wer die Aussage getätigt hat.“ Vielmehr ginge es um die Fakten, die hinter ihr stecken. Er wolle sich damit gegen die unreflektierte Verbreitung von Ideologien aussprechen. Den Schriftzug „Rauchen gegen Rechts“ hängte er erst auf Anregung der TU-Verwaltung nachträglich in den Schaukasten.

Beim Henkel-Spruch über den Demokratie-Mangel in islamischen Ländern wird Krämer deutlicher: „Ich weise damit auf einen Fakt hin.“ Dem widerspricht der „Democracy Index“ der Zeitschrift „The Economist“. Dieser bezeichnet einige muslimisch geprägte Länder wie Indonesien und Tunesien als Demokratien.

Krämer dementiert Nähe zur AfD

Krämers Aushänge müssten im Hinblick auf frühere Meinungsäußerungen des Statistikers kritisch eingeordnet werden, findet der Asta. Er bezieht sich unter anderem auf ein Interview Krämers mit der Wirtschaftswoche aus dem Jahr 2014, in dem Krämer sagte: „Ich spreche mich deutlich gegen die Verunglimpfung der AfD aus.“

Asta-Sprecher Schreyer sagt dazu: „Kennt man die Hintergründe des Professors, wird klar, dass sich seine Meinung nicht zum ersten Mal im rechtspopulistischem Bereich bewegt.“

Eine Nähe zur AfD wies Krämer gegenüber unser Redaktion zurück: „Ich lasse mich nicht als Sympathisant der AfD bezeichnen.“ Der Asta sei „auf Krawall gebürstet“.

„Das muss eine Uni aushalten“

Die TU selbst will nicht in die Debatte eingreifen. „Über guten und schlechten Geschmack lässt sich streiten“, so Eva Prost, Sprecherin der TU. „Aber schlussendlich ist die Universität ein Ort der Meinungs- und Forschungsfreiheit, und dazu stehen wir auch.“

Allgemeingültige Regeln gebe es für die Schaukästen nicht. Die Inhalte seien nicht mit der Uni in Verbindung zu bringen – die Professoren können selbst bestimmen, wie sie ihren Schaukasten gestalten möchten. „Krämer nutzt es eben für Satire, und das muss eine Uni auch mal aushalten“, so Prost.

Die TU sehe dementsprechend keine Notwendigkeit, den Aushang der Zitate zu verbieten.

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