„Präzise Betäuben, gezielter Schuss“ - Darum mussten die Heckrinder geschlachtet werden

dzHeckrinder im Siesack

Im März mussten Passanten mit ansehen, wie im Mengeder Naturschutzgebiet Siesack 15 Heckrinder geschlachtet wurden. Die Stadt erklärt nun, wie es dazu kam.

Mengede

, 19.04.2019 / Lesedauer: 3 min

15 der 30 Heckrinder im Mengeder Naturschutzgebiet Siesack sind im März geschlachtet worden. Diese Schlachtung sei nötig gewesen, damit nicht zu viele Tiere auf der Fläche beheimatet sind, so die Stadt Dortmund. Anwohner waren im März geschockt, weil die Schlachtung für Spaziergänger sichtbar war. Ein Anwohner, der unfreiwilliger Zeuge der Schlachtung wurde, vermutete sogar, dass die die Tiere vor dem Todesschuss nicht betäubt wurden.

Die Stadt Dortmund dementiert diese Vermutung. Wir haben mit Frank Bußmann, dem Leiter der Pressestelle der Stadt Dortmund, gesprochen. Er erklärt, wie die Schlachtung ablief, und warum die dafür nötige Fanganlage im vorderen Teil des Naturschutzgebietes angelegt wurde.

? Warum befindet sich die Fanganlage im vorderen Teil des Siesack? „Die Fanganlage muss für Fahrzeuge, mit denen Tiere abtransportiert, oder Futter im Winter herbeitransportiert werden kann zu jeder Jahreszeit leicht erreichbar sein“, erklärt Frank Bußmann. Deshalb sei es nicht möglich gewesen, die Fanganlage im hinteren Teil des Naturschutzgebietes, vor Blicken geschützt, anzulegen.

? Warum wurden die Tiere zu ihrer Schlachtung dort zusammengetrieben? Die präzise Betäubung und ein gezielter Schuss sind bei den scheuen Tieren nur in geschlossenen Anlagen möglich.

? Warum muss die Fanganlage gepflastert sein? „Die Tiere würden gerade im Winter den unbefestigten Boden so stark umarbeiten, dass sie selber darin stecken bleiben könnten“, sagt der Stadtpressesprecher. Zudem sei ein unsicherer Stand für die Tiere ein „enormer Stressfaktor“, was eine befestigte Anlage notwendig macht. Auch für das Betreuungspersonal könne nur so der nötige Arbeitsschutz gewährleistet werden.

? Wurden die Tiere an diese Anlage gewöhnt und wenn ja, wie? Seit Anfang dieses Jahres seien die Heckrinder an die Fanganlage gewöhnt worden, so Bußmann. „Dabei wurde den Tieren regelmäßig Futter in dafür speziell installierten und überdachten Futtertrögen angeboten“, erklärt er. „Durch das Futterangebot wird der Ort für die Tiere attraktiv und sie lernen, dass ihnen beim Betreten keine Gefahr droht.“ Zu früheren Zeiten seien die Tiere bereits auf ähnliche Weise an nicht fest installierte Fangvorrichtungen gewöhnt worden.

„Präzise Betäuben, gezielter Schuss“ - Darum mussten die Heckrinder geschlachtet werden

So sieht die Fanganlage im Siesack aus. © Stephan Schuetze

? Warum wurden die Spazierwege entlang der Fanganlage nicht abgesperrt, um Passanten vor dem Anblick der Schlachtung zu „schützen“? „Seit über fünf Jahren werden Rinder an dem Standort geschlachtet, das heißt die Betäubung erfolgt mittels Kugelschuss und nach dem sofort anschließenden Ausbluten werden die Schlachttierkörper für den weiteren Schlachtprozess in einen Schlachtbetrieb in der Nähe transportiert“, erklärt Frank Bußmann. Aufgrund der Schnelligkeit dieses Prozesses haben die Beteiligten nicht die Notwendigkeit gesehen, einen Sichtschutz oder eine Absperrung zu installieren.

? Wer führt die Schlachtung durch? Die Schlachtung der Heckrinder wurde und wird von „sachkundigen Personen“ durchgeführt, die das Umweltamt engagiert hat.

? Welche Aufgabe haben der Tierarzt und der Vertreter des Veterinäramtes vor Ort? „Bei der Schlachtung ist es unter anderem tierärztliche Aufgabe, zu prüfen, ob das Tier korrekt betäubt wurde und die zur Entblutung notwendigen Schnitte zügig gesetzt werden“, erklärt Frank Bußmann. Bei einem nicht korrekt betäubten Tier müsse sofort nachbetäubt werden.

? Wird das Fleisch nach der Schlachtung vermarktet? Ja, durch den Schlachtbetrieb beziehungsweise das Umweltamt der Stadt Dortmund.

? Wurde ein Gnadenhof anstelle einer Schlachtung für ältere oder kranke Tiere in Betracht gezogen? Nein. Aber: „Kranke Tiere, die für den Verzehr durch den Menschen ausgeschlossen sind, würden tierschutzgerecht getötet und deren Tierkörper anschließend in einem Tierkörperbeseitigungsbetrieb verarbeitet.“

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