Günna ist ein Dortmunder Original. © Dieter Menne
Glosse: Wenn Sie Günna fragen...

Power-Pieksen statt „The Walking Dad“ Bollerwagen Getöse

Wenn Sie Günna fragen, hat Günna immer eine ganz eigene Sicht auf die Dinge. Immer ehrlich, immer direkt, immer Dortmund. Thema heute: Vattatachs-Impfen und Brussias Pokal-Sieg

Hömma, Fritz, auch wennes jetz schon der zweite Vattatach in Folge war wo „The Walking Dad“ mit gröhlende Männer ausser Rand und Band vorm Bollerwagen ausfallen musste habbich diese Art Maiwanderung trotz aller Freiheitsliebe nich vermisst.

Viel zu oft zogen die letzten Jahre schon keine Vattatachs-Väter mehr die Bollerwagen mit Bier und AC/DC-Mucke „Highway to Hell“ inne krachende Blasmusik-Version ausse Soundbox. Da warn immer öfter nur noch 17jährige Kevin-Jasons und Justin-Ronnys unterwegs die eigentlich nur auffe Flucht vor ihre Mudda warn.

Selbs Brussias Pokal-Sieg nich wie sonnz als Rudelgucken

Der Bundes-Notbremse isses zu verdanken dat auch dies Jahr alle Bollerwagen widda Trauer tragen und nich nur die Doatmunda Väter sich ersatzweise mit nette und anerkennende Worte der Familie zufrieden geben mussten.

Selbs Brussias Pokal-Sieg durfte nich wie sonnz imma als Rudelgucken erlebt werden denn Kontaktsperre und Ausgangsverbot schoben eiserne Riegel davor. Dat war einigen woll zu einsam vorde Glotze weshalb sie zum Borsigplatz zogen um Patty zu machten wie sonnz die Massen bei Schönwetter in Hörde am See wo es schon so aussieht als wär trotz Polizei-Wagen im Menschenknäuel Kontaktbeschränkung und Mindestabstand längst passé.

Rekord im Power-Pieksen

Wat abba absolut neu war und auch ohne Bollerwagengetöse gut ankam war dat erste Vattatachs-Impfen auf Phoenix West wo die Impfzentrums-Crew mit ihre 3700 Spritzen ein stolzen Rekord im Power-Pieksen gestochen hat. Dat iss zwar ne stramme Leistung abba war hoffentlich nur dies eine Jahr nötich und sollte auf kein Fall zum Brauch werden wie die übba 100 Jahre alte Bollerwagen-Tradition mit Bier und Saufgelagen-Wanderschaft.

Dafür war der Vattatach ja eigentlich auch nie gedacht denn der christliche Ursprung des Feiertachs wurde ganz unromantisch gegen Ende des 19. Jahrhunderts vonne Brauereien als sehr frühe Form von Macketing umgekrempelt indem Bierbrauer die freien Tage der Arbeiter in Doatmund und dat schöne Maiwetter für ihre Absatzsteigerung ausgenutzt ham.

Alle Männer piepegal ob Vatta odda nich hamse nachhaltich eingeimpft dat woll nix auffe Welt schöner wär als für ein Tach lang inne Horde mit jede Menge Bier im Schlepp durche schöne Heimat zu torkeln.

Hömma, Fritz, spätestens die coronische Aerosolforschung war Anlass genuch den Vattatach ma von Grund auf neu zu erfinden denn jetz wo wir uns zu Hause alle dicht auffe Pelle sitzen gibts nix Schöneres als mitte Liebsten wat zu feiern. Sich selber. Am besten nich nur ein Tach. Vattatach iss nemmlich jeden Tach. Und Muttatach auch. Prost.

Dorsten am Abend

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