Post-Panne zur Porto-Erhöhung: Neue Briefmarken in Dortmund schon zum Start ausverkauft

dzLieferengpass

Die Post hat das Briefporto erhöht. Seit 1. Juli kostet der Standardbrief 80 statt bislang 70 Cent. Doch schon zum Start gingen der Post die neuen Briefmarken aus. Manche glaubten an Scherz.

Dortmund

, 18.07.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Uwe Schroeter wollte am Montag (15.7.) 10-Cent-Briefmarken kaufen, nachdem die Post zum 1. Juli das Porto erhöht hatte: 80 statt 70 Cent für Briefe und 60 statt 45 Cent für Postkarten. Schroeter brauchte 47 10-Cent-Marken, um die alten Marken „aufzustocken“. „Die kriegen Sie nicht. Sie kriegen nur zehn“, sagte die Postmitarbeiterin in der Filiale. Die Post habe Schwierigkeiten, der Nachfrage nach Briefmarken nachzukommen, erläuterte sie dem erstaunten Kunden.

An der Glastür hing ein Schild mit roter Schrift: „Sehr geehrte Kunden, zurzeit werden wir seitens der Deutschen Post nicht mehr ausreichend mit Briefmarken versorgt. Aus diesem Grund können wir nur noch die von Ihnen mitgebrachten Briefe und Postkarten frankieren.“ Man bitte um Verständnis. Das hat Uwe Schroeter nur in eingeschränktem Maße: „Das geht doch nicht, erst das Porto erhöhen und dann keine Marken auf Vorrat haben“, sagt Schroeter gegenüber dieser Redaktion.

„Keine geliefert“

Er hat seine Erfahrung auf Facebook gepostet. „Ein Scherz?“, fragten andere. Nein, kein Scherz. Der Heimatkundler Willi Garth aus Hörde und seine Frau haben die gleichen Erfahrungen gemacht. Sie versuchten Anfang Juli bei der Verkaufsstelle McPaper in der Alfred-Trappen-Straße 10er-Marken als Ergänzung zu den vorhandenen 70er-Marken zu erstehen. „Keine geliefert“, hieß es dort. Dann eben 80er-Marken, sagten sie. „Keine geliefert“, bekamen sie erneut zur Antwort – mit dem Zusatz: „Sie brauchen auch nicht zur Post zu gehen, die haben auch keine!“

Post-Panne zur Porto-Erhöhung: Neue Briefmarken in Dortmund schon zum Start ausverkauft

Die Postfiliale Höchstener Straße hatte wie andere Filialen auch nicht genug Briefmarken. © Uwe Schroeter

Auch versuchte Willi Garth es in der Postagentur an der Straße Feldbank gegenüber vom Hellweg-Baumarkt in Hörde. Doch auch dort hatte man weder 10-Cent-, noch 80-Cent-Marken. Sie seien nicht lieferbar, bekam er zu hören. Wenigstens bekam er aber einen Tipp: „Bringen Sie Ihre Briefe vorbei, wir frankieren die dann mit selbst gedruckten Marken. Die darf ich Ihnen aber nicht zum Mitgeben verkaufen.“

„Ich habe nur die, die nicht selbst kleben“

Willi Garth berichtet, er habe dann nach einem Merkblatt zu den neuen Gebühren gefragt und habe diese Auskunft bekommen: „Leider alle vergriffen. Es ging wohl zu schnell mit den Erhöhungen.“

Frustriert stellte sich Willi Garth dann in der Postfiliale in Hombruch an. Dort bekam er dann dreißig 10-Cent-Marken. Der Postmitarbeiter sagte: „Ich habe aber nur die, die nicht selbst kleben.“ Willi Garth nahm es hin – auch wenn er sagt: „Da bleibt einem die Spucke weg.“ Er müsse sich tatsächlich mit seinen Briefen auf die Reise machen, um sie frankiert zu bekommen. „Das ist doch ein Skandal“, schimpft er. Die Manager gehörten gekündigt. Und sarkastisch: „Sprit ist ja so billig. Umwelt interessiert auch nicht. Zeit hat ja auch jeder.“

Postsprecher: Engpässe waren parziell

Partiell mag es Engpässe gegeben haben, räumte Postsprecher Achim Gahr am Dienstag auf Nachfrage ein. Doch mittlerweile habe sich das Problem entspannt.„Grundsätzlich hatten und haben alle Filialen Briefmarken.“ Auch die Filiale an der Höchstener Straße habe inzwischen eine neue Sendung bekommen. Sie sei „leer gelaufen“, nachdem Kunden nach Bekanntwerden der Portoerhöhung gleich hohe Bestände auf einmal gekauft hätten. Die Filialen bestellten Briefmarken nach und bekämen „relativ schnell Ersatz“. Gahr sagt aber auch: „80er-Marken sind zurzeit Mangelware.“

Die Bundesnetzagentur hatte der Deutschen Post erst am 19. Juni grünes Licht für die Erhöhung gegeben. Die Post selbst hatte auf ihrer Internetseite Anfang Juli gewarnt: „Wegen hoher Nachfrage kommt es aktuell zu Lieferverzögerungen.“ Willi Garth nennt es „Chaos“.

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