Der Friseursalon Kopfarbeit an der Chemnitzer Straße ist versiegelt. Chefin Fatma Kasmann wird vorgeworfen, illegal Haare geschnitten zu haben. © Björn Althoff
Corona-Verstoß

Polizei-Einsatz in Friseursalon: „Die sind zu zehnt hier reingestürmt“

Illegal Haare geschnitten im Friseursalon? Die Chefin eines versiegelten Ladens in Dortmund sagt nein. Und fragt, ob Polizei und Ordnungsamt wirklich so auftreten mussten.

Was ist da passiert am Dienstag (3.2.) in einem Friseursalon in der südlichen Dortmunder Innenstadt? Am Ende eines Einsatzes mit viel Polizei versiegelte das Ordnungsamt den Laden. Und kündigte eine hohe Corona-Strafe gegen die Besitzerin an.

Alles begann mit dem Anruf einer Nachbarin bei der Polizei. Bei „Kopfarbeit“ an der Chemnitzer Straße würden Haare geschnitten, hieß es am Dienstag um 15.42 Uhr. Weil das im Corona-Lockdown strengstens verboten ist, rückte die Polizei aus. Das Ordnungsamt wurde hinzugerufen.

„Mit der Freundin ein bisschen aufgeräumt im Geschäft“

„Die eingesetzten Kräfte vor Ort konnten eine weibliche Person innerhalb des Gewerbes antreffen, welche an einer weiteren weiblichen Person, für die Öffentlichkeit deutlich erkennbar, Friseurtätigkeiten durchführte.“

So formuliert die Stadt Dortmund ihre Sicht der Dinge.

Fatma Kasmann (48) widerspricht: Nein, ganz anders sei es gewesen. „Ich wollte mich mit meiner langjährigen Freundin im Geschäft treffen, um ein bisschen aufzuräumen.“ Die Farbtöpfe hätten beispielsweise noch herumgestanden. Man habe in der Corona-Lockdown-Zeit ja auch ein bisschen renoviert.

„Mir solche Angst einzujagen? Ich habe doch niemanden umgebracht“

„Wir waren kaum eine halbe Stunde drin, da kamen zehn Mann reingestürmt. Eine Nachbarin hätte angerufen: Hier würden Haare gefärbt und Haare geschnitten und Kunden bedient.“

Die Friseurmeisterin schüttelt mit dem Kopf. Darüber, dass Polizei und Ordnungsamt mit drei Wagen und in dieser Stärke auftreten. Dass man ihre Freundin und sie rausgeschmissen habe. Dass einige der Beamten dabei nur Stoffmasken trugen.

„Mir solche Angst einzujagen – muss das sein, in einem kleinen Friseurbetrieb mit 50 Quadratmetern? Ich habe doch niemanden umgebracht.“

Geschäft bis auf weiteres versiegelt

Das Ordnungsamt versiegelte das Geschäft. Niemand darf rein – und das bleibt auch erst einmal so.

„Sie können doch gucken und fragen. Aber so eine Situation, so ein Hereinstürmen, das ist nicht fair.“

Seit 2014 Chefin hier im Laden

Seit 1989 arbeitet Fatma Kasmann als Friseurin. Seit 2014 hat die alleinerziehende Mutter eines zwölfjährigen Sohnes jetzt die „Kopfarbeit“ unweit der Saarlandstraße. Sie wohnt ganz in der Nähe.

„Das ist doch ein Dorf hier“, sagt sie, als sie am Mittwochnachmittag vor ihrem versiegelten Laden steht. Immer wieder kommen Menschen vorbei: Hallo, wie geht‘s, ausgerechnet jetzt, wo ihr zuhabt? „Naja, es geht. Könnte besser sein“, antwortet Kasmann.

Keiner darf rein. Die Versiegelung gilt für alle, auch für die Chefin.
Keiner darf rein. Die Versiegelung gilt für alle, auch für die Chefin. © Björn Althoff © Björn Althoff

Gläserne Front: „Müsste doof sein, hier zu frisieren“

Der Laden hat eine gläserne Front. Ein paar Plakate hängen dort. Ansonsten kann man von außen bestens sehen, was drinnen ist.

„Wenn man wirklich arbeiten wollen würde, könnte man das zuhause machen. Ich müsste ziemlich doof sein, hier zu frisieren. Das wäre extrem dämlich.“

Ja, sie habe kurz auf dem Stuhl gesessen am Dienstag. Aber es seien keine Haare geschnitten worden, auf gar keinen Fall. Nur: Das habe keiner hören wollen.

Bußgeld „in deutlich vierstelliger Höhe“

Für die Stadt ist der Fall einfach: „Friseurdienstleistungen sind nach der Corona-Schutzverordnung derzeit untersagt. Der Betreiberin droht ein Bußgeld in deutlich vierstelliger Höhe.“

„Ich kann das eh nicht bezahlen“, sagt Kasmann. Seit Mitte Dezember ist der Laden dicht. Hilfsgelder seien beantragt, aber noch längst nicht geflossen.

Die Versiegelung könne aufgehoben werden, so die Stadt weiter, wenn es ein Beratungsgespräch im Ordnungsamt gegeben habe.

Im Wiederholungsfall drohe die „Einleitung eines Gewerbeuntersagungsverfahrens“. Weiter heißt es: „Die Kontaktdaten sind der Betreiberin bekannt.“

Kasmann sagt: „Warum rufen die Nachbarn sofort die Polizei, bevor die mal anklopfen am Fenster und fragen: ‚Du Fatma, was machst du da?‘“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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