Polizei Dortmund will Lehren aus Großdemo ohne Corona-Abstand ziehen

dzAnti-Rassismus-Demo

5000 Menschen standen am Samstag bei einer Anti-Rassismus-Demo teils dicht gedrängt auf dem Hansaplatz - der Corona-Abstand war nicht einzuhalten. Die Polizei Dortmund will daraus lernen.

Dortmund

, 08.06.2020, 12:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach der großen Anti-Rassismus-Demo vom Samstag (6.6.) gehen die Meinungen über die Menschenansammlung auseinander. Viele Dortmunder freuten sich über das deutliche Zeichen gegen Rassismus in Gedenken an den US-Amerikaner George Floyd. Gleichzeitig ärgerten sich einige darüber, dass der Corona-Mindestabstand an einigen Stellen nicht eingehalten wurde.

Rund 5000 Menschen trafen sich auf dem Hansaplatz in der City - vor allem im vorderen Bereich an der kleinen Bühne wurde es dabei fast so eng wie auf Konzerten. Geplant und angemeldet war die Versammlung für 1000 Personen.

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Bei dieser Anzahl wäre genug Platz für den vorgeschriebenen Abstand gewesen, wie die Polizei am Montag auf Nachfrage bestätigt. Das ursprüngliche Konzept habe Zehnergruppen vorgesehen, die jeweils mit Abstand zu den anderen Gruppen gebildet werden sollten.

Die Organisatoren zeigten sich am Samstag überwältigt vom großen Zuspruch, mit dem sie nicht gerechnet hatten. Und die Polizei betont die gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten: Sowohl bei Organisatoren als auch Teilnehmern der Demonstration sei die „Kooperationsbereitschaft vernehmbar“ gewesen, sagt Sprecherin Nina Kupferschmidt.

„Es wurde eingehalten, was ging“

„Im Rahmen des Möglichen wurde eingehalten, was ging“, sagt sie. Jede Menge zusätzliche freiwillige Ordner wurden zu Beginn der Veranstaltung per Lautsprecherdurchsage rekrutiert. Wer sich nur kurz an der Nase kratzte, wurde von ihnen schnell auf die Schutzmaskenpflicht hingewiesen, außerdem achteten die Ordner darauf, dass die angrenzenden Straßen freigehalten wurden.

In sozialen Medien fordern manche Nutzer, die Polizei hätte die eng zusammenstehende Masse trennen sollen. Dazu sagt Nina Kupferschmidt: „Die Polizei muss verhältnismäßig zum Schutze aller handeln.“ Was sie nicht ausspricht, was aber logisch ist: Hätten die Beamten die Menschen getrennt, hätte das für jede Menge unberechenbaren Ärger sorgen können.

„Die Veranstalter waren von der Teilnehmerzahl selbst überrascht“, sagt die Polizei-Sprecherin: „Das hat auch Probleme gebracht. Es mussten alle flexibel reagieren.“

Keine formellen Beschwerden oder Anzeigen wegen Demo

Jetzt will die Behörde diese „Erfahrung festhalten“ und daraus Schlüsse ziehen, wie man zukünftig mit solchen Versammlungen umgeht.

Formelle Beschwerden oder Anzeigen wegen der Großdemo seien bei der Polizei übrigens bis Montagvormittag nicht eingegangen. Anzeigen könne man auch nur eine Person, die einem selbst zu nahe kam, wenn man sich dadurch belästigt oder gefährdet fühlt, erklärt Kupferschmidt. Jeder Teilnehmer habe sich in diesem Fall aber bewusst dafür entschieden, an der Demo teilzunehmen und im Pulk stehen zu bleiben.

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