Polizei sperrt Wall in Dortmund um jedes einzelne Auto zu kontrollieren

dzNächtliche Aktion

Wer am späten Freitagabend auf dem Dortmunder Wall unterwegs war, sah abgesperrte Fahrspuren, Staus und Personenkontrollen. Polizei und Stadtverwaltung nennen die Hintergründe der Aktion.

Dortmund

, 29.03.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit der Verschärfung der Anti-Coronavirus-Maßnahmen ist deutlich weniger Verkehr in der Dortmunder Innenstadt unterwegs. Weil die Geschäfte der City geschlossen sind, sind kaum Fußgänger zu sehen. Dementsprechend fahren weniger Autos über den Wall.

Diese Situation nutzen manche andere Autofahrer seit einiger Zeit aus. „Wir haben festgestellt, dass aufgrund des wenigen Verkehrs einige Raser die Rennstrecke Ostwall wieder benutzen“, sagt Christian Schön, Sprecher der Stadt Dortmund.

Wallraser stören mit quietschenden Reifen die Anwohner

Sie stehen an Ampeln nebeneinander, gucken kurz rüber zum anderen Wagen, dann geht‘s mit quietschenden Reifen etwa an der Kreuzung zur Hohen Straße los. Den Blitzer 300 Meter weiter kennen sie natürlich schon lange, dort wird stark abgebremst.

Einzeln sind die Autofahrer von Polizisten befragt worden.

Einzeln sind die Autofahrer von Polizisten befragt worden, der Verkehr staute sich zurück. © Kevin Kindel

Einige hupen, wenn andere Autos auf ihrer Spur stören, andere fahren ohne zu blinken kreuz und quer über den Wall wie es ihnen gefällt. Manchmal beschlagnahmt die Polizei hier teure Autos, häufig sind das Leihwagen, die den Fahrern gar nicht gehören.

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„Das Problem war deutlich zurückgegangen“, sagt Christian Schön: „Auch wenn es nicht so war, dass es ganz aufgehört hätte.“ Immer wieder seien Stadtverwaltung und Polizei in Gesprächen, um Maßnahmen gegen illegale Rennen auf dem Wall zu entwerfen.

Eine Anwohnerin des Hiltropwalls hatte sich bereits nach dem vergangenen Wochenende (21./22.3.) an unsere Redaktion gewandt. Da seien so viele laute und rasende Autos unterwegs gewesen, dass sie im Wohnzimmer schlafen musste: „Diese Poser meinen, sie hätten Narrenfreiheit“, sagt die Frau wütend. Dabei würden sie mit riskanten Überholmanövern andere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringen.

An zwei Stellen wurde die Fahrbahn verengt

Am späten Freitagabend (27.3.) sind nun stellenweise zwei von drei Fahrspuren des äußeren Wallrings abgesperrt worden, um die Straße zu verengen. Sowohl am Ostwall als auch zwischen Hauptbahnhof und Fußballmuseum standen Polizisten, um sich die Autofahrer ganz genau anzusehen.

Im Schritttempo wurden die Autos einzeln vorbei gelassen, mit der Taschenlampe leuchtete ein Beamter in die Wagen. „Woher kommst du?“, fragte er zunächst: „Und wohin geht‘s jetzt?“ Wer nicht die richtigen Antworten gab, wurde aufgeklärt, dass „unnützes Hin- und Herfahren“ laut Straßenverkehrsordnung verboten ist, wenn andere Personen dadurch belästigt werden. Außerdem kontrollierte die Polizei, ob das Kontaktverbot gegen das Coronavirus eingehalten wird.

Manche Autofahrer wurden für genauere Kontrollen zur Seite gebeten.

Manche Autofahrer wurden für genauere Kontrollen zur Seite gebeten. © Kevin Kindel

Teilweise waren Autos mit bis zu vier Personen besetzt, die Polizisten hörten die Ausrede: „Wir kommen aus Recklinghausen und hatten Hunger.“ Pro Person wurden da 200 Euro Strafe fällig. An einer anderen Stelle des Walls stand außerdem ein Auto mit mobiler Radarmessung am Straßenrand - die Rechnungen daraus werden noch zugestellt.

„Die Wallraser-Szene hat gezeigt, dass sie sich durch die Corona-Krise nicht wirklich beeinflussen lässt“, sagte Polizei-Sprecherin Nina Kupferschmidt: „Und wir setzen Zeichen, dass wir das nicht tolerieren.“

Unverständnis und Respektlosigkeit schlugen den Beamten dabei entgegen, wie die Polizei in der Nacht mitgeteilt hat: „Tatsächlich musste einigen noch einmal deutlich gemacht werden, dass wir zur Zeit eine Pandemie erleben.“ Mehrere Anzeigen wegen Verstößen gegen das Kontaktverbot wurden geschrieben, weitere wegen zu hoher Geschwindigkeit. Ein Fahrzeug wurde gepfändet, ein anderes wegen technischer Mängel sichergestellt.

Insgesamt, so teilte die Polizei Dortmund am Sonntag (29.3.) abschließend mit, kontrollierten die Beamten 60 Fahrzeuge. In 23 Fällen schrieben die Polizisten eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Ansammlungsverbot.

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