Politik begrüßt Erweiterung – scharfe Kritik am städtischen Verfahren

dzSchulzentrum Nette

Erweiterungsbau des Heinrich-Heine-Gymnasiums, eine neue Dreifach-Sporthalle, die alte Turnhalle verschwindet: Das plant die Stadt. Mengeder Bezirksvertreter kritisieren indes das Verfahren.

Nette

, 31.07.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Schulzentrum Nette wird sich in den kommenden Jahren verändern. Der Sportplatz an der Dörwerstraße soll in zwei Jahren Geschichte sein. Hier baut die Stadt einen Erweiterungsbau für das Heinrich-Heine-Gymnasium (HHG). Nebenan, auf dem maroden Mehrzweckplatz, soll eine weitere Dreifach-Sporthalle entstehen. Die alte Einfach-Turnhalle will die Stadt aufgeben.

Das HHG hat aufgrund steigender Schülerzahlen Raumbedarf und wird bald wieder fünfzügig. Durch den Wechsel von G8 zu G9 besucht zudem bald ein kompletter Jahrgang mehr die Schule. Die neue Sporthalle gleicht den Schulsport-Bedarf an der Albert-Schweitzer-Realschule und am HHG aus. Letztlich kommt sie auch dem Vereinssport zugute.

Bezirksvertreter begrüßen dauerhafte Lösung

Diese Entwicklungen haben in den fünf Wochen der Sommerferien Gestalt angenommen. Dabei außen vor: die Mengeder Bezirksvertreter. Sie erfuhren durch Berichte dieser Redaktion von den Plänen.

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Generell befürworten Politiker über alle Fraktionen hinweg, dass sich eine Lösung für den gewachsenen Raumbedarf der Schulen abzeichnet. „Mit dem Ausbau wird unser Schulzentrum gestärkt“, sagt Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch (SPD). „Mittlerweile wollen Schüler ja auch wieder gerne nach Nette kommen.“

Dieter McDewitt von der Fraktion Die Linke/Piraten erklärt: „Grundsätzlich finde ich es klasse, wenn man Geld in die Hand nimmt und in ein Gymnasium steckt.“ Generelle Zustimmung findet auch die dauerhafte Lösung anstelle von Container-Provisorien. Zu Containern hatten die Ortspolitiker schon im vergangenen Herbst ihre Vorbehalte geäußert. Da war die Schulentwicklungsplanung Thema in der Bezirksvertretung.

Politiker nennen alternative Vorschläge

Jürgen Utecht (Grüne) nimmt die Planungen kritisch unter die Lupe. Wenn die alte Turnhalle abgerissen werde, könne man stattdessen dort einen Erweiterungsbau für das HHG errichten. Der Vorteil liege in kurzen Wegen zwischen den Klassen-, Kurs- und Fachräumen sowie der Mensa. „Auf dem heutigen Sportplatz könnte man dann die Sportanlagen mit Halle, Beachvolleyball-Feld oder auch den Schulgarten anlegen.“

Westlich ans Netter Schulzentrum grenzt der Sportplatz. Hier soll der Erweiterungsbau des Heinrich-Heine-Gymnasiums entstehen.

Westlich ans Netter Schulzentrum grenzt der Sportplatz. Hier soll der Erweiterungsbau des Heinrich-Heine-Gymnasiums entstehen. Geplant ist ebenfalls der Bau einer neuen Dreifach-Sporthalle. © Oskar Neubauer

Joachim Farnung (CDU) erklärt: „Die Modernisierung ist in Ordnung. Es geht um die Entwicklung eines komplexen Gebietes.“ Dass es für die Fläche erst kürzlich auch andere Überlegungen gegeben habe, betont Detlef Adam (SPD). Im November 2019 hatte eine große Runde aus Politik, Vereinen und Einrichtungen mit Vertretern der Stadt über Zukunftskonzepte für Nette beraten.

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Aus der Bevölkerung habe es etwa den Wunsch gegeben, auf dem nicht mehr für den Schulsport genutzten Areal Wohnungen zu errichten. „Wir sind die gewählten Vertreter der Bevölkerung und die Bevölkerung ist jetzt Zuschauer, was da passiert.“

Alle Fraktionen kritisieren Vorgehensweise

Damit trifft er den Kern der über alle Fraktionen reichenden Kritik. Die Bezirksvertretung ist derzeit in dem Prozess außen vor. „Ich nehme mit Verwunderung zur Kenntnis, dass der Platz bebaut werden soll“, formuliert Adam noch diplomatisch.

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Joachim Farnung wird deutlicher: „Wir fühlen uns hier knallhart übergangen und hätten im Vorfeld informiert werden müssen. Schließlich haben wir uns als Politiker auf die Fahnen geschrieben, das Gebiet zu entwickeln.“

Kritik auch von den Grünen: „Da gibt‘s nix zu diskutieren. Das ist ein Unding“, schimpft Jürgen Utecht. „Eine der wenigen Kompetenzen, die wir haben, ist, über die Schulen zu entscheiden.“ Pirat Dieter McDewitt erklärt: „Ich rege mich da schon nicht mehr drüber auf, wie die Stadt die Bezirksvertretung Mengede übergeht.“

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Bezirksbürgermeister Wilhelm Tölch bemägelt Vorgehensweise und Kommunikation. „Natürlich hört man mal da was und mal das was, aber formal bin ich auch nicht informiert.“

Kommentar

Eine Frage demokratischer Spielregeln

Mit Beginn der Sommerferien ploppte ein Thema auf, das eigentlich eine sportliche Frage war: Wo trainiert und spielt der SC Osmanlispor künftig? Mit der Kündigung des Nutzungsvertrages für den Sportplatz an der Dörwerstraße wurden künftige Pläne für das Areal öffentlich. Positiv: Die Stadtverwaltung strebt eine große Lösung für den künftigen Raumbedarf im Schulzentrum an. Die Politik wurde von dem Zug der komplexen Planungen jedoch geradezu überrollt. Dabei geht es um einen der wenigen Bereiche, in denen Mitglieder der Bezirksvertreter ein Recht auf Mitwirkung haben – eine echte Gestaltungsmöglichkeit, für die sie sich auch haben wählen lassen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die gewählten Volksvertreter von der Verwaltung übergangen oder gar vorgeführt fühlen. Es geht schlicht um die Einhaltung demokratischer Spielregeln. Die sind ein hohes Gut und dürfen nicht ad absurdum geführt werden – gerade jetzt, wo sich die ehrenamtlich tätigen Männer und Frauen wieder zur Wahl stellen.
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