Poleposition für Radfahrer an Ampel-Kreuzungen: Gibt es bald mehr davon in Dortmund?

dzVerkehr in Dortmund

„Aras“ bieten Radfahrern an Ampeln eine komfortable Startposition gegenüber Pkw, Lkw und Bussen und sollen sie im Straßenverkehr besser schützen. Sind weitere in Dortmund geplant?

Bövinghausen

, 17.01.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Name klingt sperrig, doch den meisten Radfahrern dürfte das egal sein: Denn „Aufgeweitete Radaufstellstreifen“, kurz Aras, sind für sie ein Segen – sofern sich Autofahrer an die Regel halten.

Und die besagt: Die auf der Fahrbahn eingezeichneten Boxen an Ampel-Kreuzungen sind allein Radfahrern vorbehalten. Die Bereiche sind drei bis fünf Meter lang und mit Fahrrad-Piktogrammen gekennzeichnet.

Autos, Busse oder Lkw müssen bei Rot hinter den Aras und damit hinter den Radfahrern warten. Schaltet die Ampel auf Grün, hat der Radfahrer einen deutlichen Vorsprung, egal ob er geradeaus fahren oder abbiegen möchte.

Radfahrer rollen an stehenden Autos vorbei

Im besten Fall sind die Aras mit Radwegen oder Schutzstreifen kombiniert, damit die Radfahrer zuvor an den stehenden Fahrzeugen vorbeirollen können.

Aras sollen vor allem an stark frequentierten Kreuzungen das Unfallrisiko mindern: Erstens befindet sich der Radfahrer im Sichtfeld der anderen Verkehrsteilnehmer, zweitens kann er in Ruhe losfahren, ohne dabei von einem Auto oder Lastwagen überholt und irritiert zu werden.

Poleposition für Radfahrer an Ampel-Kreuzungen: Gibt es bald mehr davon in Dortmund?

Mit ihrem Lastenrad, in dem ihre drei Kinder sitzen, kann Grünen-Sprecherin Julia Kowal nicht an den stehenden Kraftfahrzeugen vorbeifahren, um den Aras zu erreichen. © Beate Dönnewald

Einer dieser Aras befindet sich an der Kreuzung Bövinghauser Straße/Provinzialstraße in Bövinghausen. Johannes Bauerdick ist hier oft mit seinem Rad unterwegs. Er hält die räumliche Trennung von Kraftfahrzeugen und Fahrrädern grundsätzlich für gut, obwohl er auch schon schlechte Erfahrungen gemacht habe.

Autofahrer halten sich nicht immer an die Regeln

Bisweilen würden Autofahrer, vielleicht auch aus Unkenntnis, den Aufstellbereich für die Radfahrer überfahren und direkt vor der Ampel auf Grün warten, so Bauerdick. Genau das beobachtet auch das städtische Tiefbauamt.

„Wir haben leider die Erfahrung machen müssen, dass einige Autofahrende bis zur vorderen Haltelinie fahren, wenn die Flächen nicht gut erkennbar sind, zum Beispiel durch Piktogramme beziehungsweise Einfärbungen“, schreibt Stadtsprecher Christian Schön.

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Weiterer Nachteil aus Sicht der Stadt: Bei einem hohen Verkehrsaufkommen sei die Box für den links abbiegenden Radfahrer wenig hilfreich. Denn: Bis der Gegenverkehr endlich den Weg frei gegeben hat, ist der Vorsprung für den Radfahrer dahin.

Dieses Problem gibt es auch an der Bövinghauser Kreuzung. „Hier müsste die Ampelschaltung zugunsten der Linksabbieger geändert werden“, meint Stefan Meissner, Sprecher der Lütgendortmunder Grünen.

Grüne in Lütgendortmund fordern weitere Aras

Sein Ortsverband und die Grünen-Fraktion in der Bezirksvertretung (BV) Lütgendortmund fordern die Einrichtung weiterer Aras, um so die Sicherheit für Radfahrer im Stadtbezirk zu verbessern. Einen entsprechenden Antrag der Grünen hat die BV in der September-Sitzung 2019 enstimmig Richtung Verwaltung auf den Weg gebracht.

Geplant seien aktuell allerdings keine neuen Aras im Stadtbezirk Lütgendortmund, wie Christian Schön auf Anfrage dieser Redaktion berichtet. „In der Regel werden Aras nur im Zuge weiterer Maßnahmen umgesetzt“, so Schön.

Stadt Dortmund führt keine Statistiken

Aus diesem Grund lasse sich die Entwicklung einer Unfallsituation auch nicht allein auf die Aras zurückführen, so Schön. „Daher erfolgen hier keine Vorher/Nachher-Unfall-Auswertungen.“ Genauso wenig führe man eine Statistik über die einzelnen Standpunkte im Stadtgebiet.

Aktuell sei an der Aplerbecker Straße/Leni-Rommel-Straße in Aplerbeck ein Aras geplant, so Schön.

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