„Plötzlich kippte der Kran“

DORTMUND Karsten Sternol schliff gerade die Lastkran-Schienen im Hardenberghafen. Einige Meter weiter löschte ein solcher Kran die Ladung des Güterschiffs „Ulrike“. Mit dem Kranführer hatte sich Sternol kurz zuvor noch unterhalten. Eine Stunde später kämpfte der um sein Leben.

von Von Daniel Claeßen

, 25.04.2007, 10:13 Uhr / Lesedauer: 1 min

„Ich hab nur kurz hoch geschaut, da sah ich den Kran durch die Luft kippen“, berichtet Sternol. Unter lautem Krach sei das rund 40 Meter hohe und 350 Tonnen schwere Ungetüm eingeknickt. „Wir sahen, wie der Kranführer aus seiner Kanzel auf das Schiff fiel. Dann brach der Kran über ihm zusammen.

“Gemeinsam mit seinem Kollegen Helmut Ruck rannte Sternol sofort zur Unfallstelle. „Der Mann war unter dem Stahl eingeklemmt und hat nicht reagiert.“ Die beiden Duisburger leisteten Erste Hilfe, bis der Rettungsdienst eintraf und den schwer Verletzten befreite. Sternol verzieht bei der Erinnerung an diesen Moment das Gesicht: „Der sah wirklich nicht gut aus.“ Der Mann wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Klinikum Dortmund gebracht.Um ein Haar hätte es noch ein weiteres Opfer gegeben: Der Kapitän des Güterschiffes, Walter Rudloff, konnte sich in letzter Sekunde retten: „Ich war gerade dabei, die Luken der vorderen Ladekammer zu öffnen. Da kam mir auf einmal der Kran entgegen.“ Mit einem Sprung brachte sich der 52-Jährige vor den herabstürzenden Stahlmassen in Sicherheit. Seine Frau Ulrike hielt sich im Wohnbereich am anderen Ende auf des Schiffs auf. Die 49-Jährige kam mit dem Schrecken davon.

„Das wird mindestens eine Woche dauern, bis wir hier weitermachen können. Das bedeutet schwere Verluste“, murmelt der Kapitän und betrachtet fassungslos den Trümmerhaufen. Der materielle Schaden am Schiff ist noch nicht abzusehen. Thorsten Heske von der Wasserschutzpolizei: „Es bestand zu keiner Zeit die Gefahr, dass das Schiff sinkt.“ Die „Ulrike“ kann 1100 Tonnen Fracht transportieren – „da ist ein solcher Kran kein großes Gewicht“. Ein Leck habe die Polizei auch nicht finden können. „Wir müssen warten, bis die Feuerwehr den Kran zerlegt und abtransportiert hat.“ Bis dahin sind Walter und Ulrike Rudloff zum Nichtstun verdammt."

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