Pink Floyd‘s „The Wall“ in der Westfalenhalle aus Butter nachgebaut

dzKoch Jürgen Greinus

Ein Rolling-Stones-Hintern in der Torte, Roastbeef-Röllchen an der Wand und Pink Floyd‘s legendäre „Wall“ aus Butter nachgebaut: Westfalenhallen-Koch Jürgen Greinus kennt alle großen Künstler.

Dortmund

, 15.09.2018 / Lesedauer: 4 min

35 Köche und bis zu 20 Auszubildende: In den wilden 1970er- und 1980er-Konzertjahren war die Mannschaft in den Rosenterrassen der Dortmunder Westfalenhalle nach dem Bayerischen Hof in München Deutschlands zweitgrößtes Küchenteam. Einer von ihnen: Jürgen Greinus. Mit Pink Floyd verbindet er besondere Erinnerungen. Das „Dortmunder U“ widmet der legendären Band eine Ausstellung.

Karten für das Stadion Rote Erde

Der heute 64-jährige Chef der Caritas-Lehrküche im Hafen lernte 1969 im „Ratskeller“ in Recklinghausen. „Damals waren Strammer Max, Toast Hawaii und Chateaubriand angesagt“, berichtet er aus seiner Lehre in der Gastronomie.

Nach Stationen in der Schweiz und in Frankreich strandete der Koch zufällig in Dortmund: „Ich wollte mir am Stadion Rote Erde zwei Karten für den BVB kaufen und habe an den Rosenterrassen ein Stellenangebot gelesen.“ Jürgen Greinus wollte sechs Monate bis zu einem Job in Amerika überbrücken, blieb aber in Dortmund kleben. Ein Entschluss, den er bis heute nicht bereut.

Die wilden Zeiten in der Westfalenhalle

1978: Jürgen Greinus ist inzwischen Küchenchef und erlebt als Koch die wilden Zeiten in den Westfalenhallen. Seine beiden Gästebücher sind gespickt mit Erinnerungen, Fotos und Autogrammen von den ganz großen Künstlern, die an der legendären Halle 1 nicht vorbei konnten. Die Küche versorgte die ganz großen Buffets mit Hunderten von Gästen und vielen Prominenten. Als Küchenchef hatte Jürgen Greinus auch direkten Kontakt zu den Stars.

Mit dem Hintern in der Torte

In Erinnerung geblieben ist ihm der Geburtstag eines Bandmitglieds der Rolling Stones. Für den Musiker hatte Jürgen Greinus, selbst ein leidenschaftlicher Stones-Fan, extra eine Torte gebacken. Sein Idol ließ die Hosen runter und setzte sich mit dem Hintern mittenrein in die Torte.

„Für mich als Koch war das die Katastrophe - und hätte es damals Handys gegeben, wäre das Bild um die Welt gegangen.“ Am Ende gab es kein Foto, aber doch viel Spaß. Chaos gab es nur einmal in seinem Leben als Koch.

Pink Floyd‘s „The Wall“ in der Westfalenhalle aus Butter nachgebaut

"Koch aus Leidenschaft": Jürgen Greinus arbeitete in vielen guten Häusern und jetzt als Ausbilder in der Caritas-Lehrküche im Dortmunder Hafen. © Peter Bandermann

„Es war ein einziges Chaos“, erinnert er sich an den Auftritt der Hardrockband von Ted Nugend. Die Hardrockmusiker aus Amerika hatten nach ihrem Auftritt in der Halle 3 die Sau rausgelassen. Jürgen Greinus: „Die Roastbeef-Röllchen klebten an den Wänden und die Torten hingen in den Gardinen.“

Bands wie Deep Purple oder Pink Floys waren „sehr viel umgänglicher“, sagt der Koch, der sich für das „The Wall“-Konzert in Dortmund mächtig ins Zeug gelegt hatte.

14 Tage für die Crew gekocht

Fünf von den sieben Konzerten 1981 in der Westfalenhalle erlebte er live – vorher musste er 14 Tage lang für die Pink-Floyd-Crew kochen und nach dem ersten Konzert die Band, Journalisten und Prominente bewirten.

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„Das waren 350 Gäste im Goldsaal. Wir haben die Westfalenhalle mit einem Baumkuchen von 1,50 Meter Durchmesser nachgebaut und obendrauf das The-Wall-Logo drapiert.

Gag in der Mitte des Buffets war aber die drei mal zwei Meter große Nachbildung von „The Wall“. Wir haben dafür Butter verwendet. Genau genommen Ziehbutter. Das ist eine härtere Konditorenmargarine, die wärmebeständig ist.“

Pink Floyd‘s „The Wall“ in der Westfalenhalle aus Butter nachgebaut

Eine Eintrittskarte und ein Foto, das den Baumkuchen zeigt, der die Dortmunder Westfalenhalle nachbildet. © Peter Bandermann

Das Buffet bestand aus vegetarischer Kost, Rind und Lamm. „Wir haben das Beste gegeben“, sagt der Koch. Die Reporter stürzten sich erst fürs Foto auf die Butter-Wand und dann aufs Buffet. Die Band honorierte den Einsatz des Küchenchefs mit Autogrammen im persönlichen Gästebuch und mit einem signierten Stick des Schlagzeugers Nick Mason. Und sie plauderten mit dem Koch eine Weile vor „The Wall“ aus Butter.

Damit hatte Jürgen Greinus nicht gerechnet, denn viele Stars machten sich nach ihren Auftritten rar. Pink Floyd blieb bei den Gästen. „Am Ende habe ich von der Crew noch einen Pappstein aus The Wall bekommen, aber der ist mir gestohlen worden.“

Pink Floyd‘s „The Wall“ in der Westfalenhalle aus Butter nachgebaut

Auch Pink Floyd signierte Jürgen Greinus’ persönliches Gästebuch. Von oben die Autogramme von Roger Waters, Richard Wright und David Gilmour. © Peter Bandermann

Jürgen Greinus wird die Pink-Floyd-Ausstellung im Dortmunder U besichtigen. Seine Frau Petra hat ihm zwei Eintrittskarten geschenkt. Dann kommen die Erinnerungen wieder hoch: An eine Zeit, in der die Westfalenhalle von weltweit angereisten Fans belagert wurde.

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An eine Zeit, in der Schwarzmarkthändler vergeblich das große Geld machen wollten. Jürgen Greinus‘ Herz schlägt indes für die Rolling Stones. Im Herbst 2017 hat er sein 39. Konzert besucht.

Die Ausstellung im Dortmunder U endet am 10. Februar 2019.
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