Invasion der E-Scooter wird am Phoenix-See zum Ärgernis

dzVerkehrsproblem

Der Phoenix-See mit seiner asphaltierten Uferpromenade ist ein beliebtes Terrain für E-Scooter-Fahrer. Gleich drei Anbieter sind vertreten. Das birgt Konfliktpotenzial.

Hörde

, 09.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehr als 20 E-Scooter stehen und liegen kreuz und quer auf dem Bürgersteig auf der Straße Am Kai. Der Zugang zur Promenade ist zugepflastert mit Elektro-Rollern von mindestens drei Anbietern.

„Hier kommt kein Fußgänger, Rollstuhlfahrer, Kinderwagen oder Radfahrer mehr vorbei“, schreibt ein Beobachter erbost. Auch andere Leser regen sich auf über den unfreiwilligen Hürdenlauf durch die chaotisch abgestellten Fahrzeuge.

Zum See ist kaum ein Durchkommen, weil die Roller kreuz und quer auf dem Fußgängerweg liegen.

Die E-Roller stehen und liegen kreuz und quer auf dem Fußgängerweg. © Susanne Riese

Im fließenden Verkehr sorgen die E-Scooter ebenso für Ärger. Ein Leser beschwert sich über „Verstöße von Rad- und E-Rollerfahrern auf der Nord- und Südseite im Hafenbereich in beiden Fußgängerzonen.“ An gut besuchten Tagen seien 100 Verstöße in der Stunde keine Seltenheit. „Diese zwei erwähnten Gruppen ignorieren alle Verkehrsregeln im Hafenbereich.“

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Die Dortmunder Polizei bestätigt den Ärger mit den E-Scootern. In ihrem Verkehrsbericht 2019 widmet sie diesem „neuen Mitglied der Dortmunder Verkehrsteilnehmer“ ein eigenes Kapitel. Für sie gelten dieselben Rechtsvorschriften wie für andere Kraftfahrzeuge. „Es besteht das Gebot der ständigen gegenseitigen Rücksichtnahme“, präzisiert Polizei-Sprecher Peter Bandermann.

Das Partyvolk gefährdet sich und andere

Touristen und Berufspendler verhalten sich laut Polizeibericht weitgehend regelkonform, Probleme gebe es vor allem mit den Freizeit- und Partyfahrern. „Diese Gruppe von Nutzenden fiel im Stadtgebiet durch mannigfaltige Verstöße negativ auf“, heißt es im Verkehrsbericht.

Oft stecke Unwissenheit oder Unsicherheit dahinter, so Peter Bandermann, beispielsweise bei der Frage, wo ein E-Roller fahren darf und wo nicht.

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Mittlerweile ist seit Einführung der neuen Verkehrsmittel ziemlich genau ein Jahr vergangen. Seit Beginn der Erfassung am 6. Juli 2019 verzeichnet die Polizei insgesamt 1109 Ordnungswidrigkeiten. Ohne die Zwangspause durch die Corona-Pandemie wären es sicherlich noch einige mehr gewesen.

Viele steigen alkoholisiert auf den Roller

Wie viele dieser Vergehen sich am Phoenix-See abspielten, wird von der Polizei nicht gesondert erfasst. Dafür können die Ordnungshüter sagen, was hinter den Ordnungswidrigkeiten steckt: In 246 Fällen fuhren die Nutzer unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen. „Viele meinen, über den für Pkw gültigen Grenzwert Alkohol trinken oder Drogen nehmen zu können“, sagt Peter Bandermann. „Dem ist aber nicht so.“

Zu den weiteren verbreiteten Verstößen mit E-Scootern gehört das Fahren in unerlaubten Bereichen wie Fußgängerzonen, Fahren mit mehreren Personen auf einem Roller oder bei Rot.

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34 Verkehrsunfälle mit Beteiligung von E-Scootern verzeichnete die Polizei in dem gesamten Zeitraum. In neun Fällen gab es Zusammenstöße mit abgestellten Pkw, achtmal war der fließende Verkehr betroffen. 13 der Unfälle gingen laut Polizeistatistik von den Rollern aus, sei es durch Fahrfehler, Alkohol oder technische Mängel.

Verkehrsunfälle mit Fußgängern sind der Polizei für den gesamten Zeitraum nicht bekannt.

E-Scooter müssen den Radweg nutzen. Wo es keinen gibt, gehören sie auf die Fahrbahn.

E-Scooter müssen den Radweg nutzen. Wo es keinen gibt, gehören sie auf die Fahrbahn. © picture alliance/dpa

Die Polizei hat auch ein Auge auf die ruhenden Roller. „Oft sind sie nicht schlau abgestellt“, sagt Peter Bandermann. Er selbst habe beobachtet, wie eine Frau mit Kinderwagen deshalb auf die Fahrbahn ausweichen musste. „Dann wird es gefährlich.“

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Die Probleme mit den abgestellten – oder auch einfach hingeworfenen – Rollern ist auch der Stadtverwaltung bekannt. „Es ist geplant, zeitnah Gespräche mit den Betreibern der E-Scooter-Flotten zur Verbesserung der Abstelllogistik zu führen“, teilt Sprecher Maximilian Löchter auf Anfrage mit. „Dabei wird auch über das Angebot zusätzlicher Abstellflächen nachgedacht.“

Bis das umgesetzt wird, werden die Seebesucher wohl weiter mit dem Hindernislauf entlang der Roller-Ansammlungen leben müssen.

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