Pfützen in der Wohnung: Dortmunder Alfred Broll hat Ärger mit seinem Vermieter

dzVonovia-Ärger

Das Wasser kam aus dem Abfluss des Spülbeckens. Seitdem lebt Alfred Broll (62) in einer nassen Wohnung. Die Vonovia bietet ihm eine andere Wohnung an. Doch so einfach ist das nicht.

Westerfilde

, 28.02.2020, 16:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn man von nassen Wohnungen hört, denkt man an feuchte Wände und Flecken auf Tapeten. Wenn Alfred Broll von einer nassen Wohnung redet, meint er Pfützen im Wohnzimmer.

Alfred Broll ist Heimwerker. Und er ist Raucher. Diese beiden Leidenschaften verbindet der hart arbeitende Gießer, indem er mindestens zweimal pro Jahr seine Wohnung renoviert.

Umfangreiche Modernisierung

Momentan wird das Wohnhaus am Gerlachweg in Westerfilde, in dem er lebt, modernisiert. Die Vonovia erneuert in den Wohnungen Bäder und Toiletten, tauscht die Heizkörper aus, frischt die Flure und Treppenhäuser auf, stattet die Gebäude mit moderner Wärmedämmung aus. Leerstehende Wohnungen werden komplett überarbeitet.

Unter dem PVC-Boden in Alfred Brolls Vonovia-Wohnung in Dortmund-Westerfilde ist es noch immer nass.

Unter dem PVC-Boden in Alfred Brolls Wohnung ist es noch immer nass. © Holger Bergmann

Für Alfred Broll war das die Gelegenheit, wieder zu renovieren. Damit nutzte er auch eine Gelegenheit, die sich aus einem tragischen Ereignis ergeben hatte. Seine Ehefrau befand sich nach einem Schlaganfall in der Reha. Während sie langsam gesund wurde, wollte er werkeln.

An den Rollstuhl gebunden

Als seine Frau noch gesund war, hatten die beiden geplant, in eine andere Wohnung in Dortmund zu ziehen. Doch als feststand, dass seine Frau nach ihrer Rückkehr an den Rollstuhl gebunden sein würde, planten sie um. Sie wollten in ihrer alten Wohnung bleiben, denn ihre Tochter wohnt im selben Haus.

„Wenn ich nicht da bin, kann zur Not meine Tochter helfen“, sagt Alfred Broll.

Diese Entscheidung wurde nicht belohnt. Als die Möbel von den Wänden gerückt und die Wände frisch gestrichen waren, passierte es. Ein Tag mit starkem Regenfall überforderte im Januar das vom Dach kommende Fallrohr, es kam zu einem Rückstau und das Wasser fand seinen Weg durch den Abfluss in der Küchen-Spüle in Brolls Wohnung.

Reinigungsteam kam erst am Abend

Zu dem Schock über den Wassereinbruch, der schweren Arbeit, all das Wasser aufzuwischen, dem Ärger, dass die Möbel feucht geworden sind, dass die frisch gestrichenen Wände ruiniert sind, kam der Frust, den die Bürokratie des Riesenkonzerns Vonovia mit sich bringt.

Im Keller enden die Fallrohre, die das Regenwasser in Alfred Brolls Wohnung geleitet haben. Hier läuft das Wasser an der Wand herunter.

Im Keller enden die Fallrohre, die das Regenwasser in Alfred Brolls Wohnung geleitet haben. Hier läuft das Wasser an der Wand herunter. © Holger Bergmann

Das Wasser kam am Vormittag. Das Reinigungsteam, das die Vonovia nach dem telefonischen Hilferuf Brolls auf den Weg geschickt hatte, klingelte aber erst am Abend. Da hatte Broll die Pfützen bereits selbst entfernt und fühlte sich nicht besonders gut unterstützt.

Danach schickte Vonovia einen Mitarbeiter, der den Schaden in der Wohnung begutachtete und zu einem einfachen Schluss kam: In dieser Wohnung kann Alfred Broll nicht länger wohnen.

200 Euro Mietsteigerung sind zu viel

Das Angebot des Konzerns, Broll könne in eine der frisch renovierten Wohnungen im selben Haus umziehen, hört sich zwar zunächst kulant an. Doch Alfred Broll war nicht begeistert, denn er hätte 200 Euro mehr Miete pro Monat zahlen müssen.

Die Verhandlungen zwischen Vermieter und Mieter, die zumeist über Call-Center-Telefonate abliefen, waren festgefahren. Frustriert wandte er sich an diese Redaktion. Und eine Presse-Anfrage bei dem Bochumer Unternehmen eröffnet eine weitere Verhandlungsrunde.

Mittlerweile hat Alfred Broll einem neuen Angebot zugestimmt, berichtet eine Vonovia-Sprecherin. Seine Wohnung wird getrocknet und instand gesetzt. In dieser Zeit kann er in die bessere Wohnung ziehen, um später zurückzukommen.

Preisgünstige Wohnung

Die umfangreichen Arbeiten an dem Haus werden langfristig zwar sowieso eine Mieterhöhung mit sich bringen, doch weil Alfred Brolls alte Wohnung mit einem PVC-Boden weniger gut ausgestattet ist, wird er mit dieser Lösung am Ende eine geringere Miete zahlen als bei einem Umzug in die neue Wohnung.

Und weil die Reha von Alfred Brolls Frau gerade verlängert wurde, bekommt sie von dem ganzen Stress überhaupt nichts mit.

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