Pflanzen und Leckereien aus dem eigenen Garten wurden beim Gartenkungelmarkt angeboten

dzHobbygärtner-Treff auf Zeche Zollern

Was der eigene Garten so hergibt, präsentierten Hobbygärtner in der einstigen Maschinenhalle der Zeche Zollern. Unter anderem gab es Schlesische Himbeeren, die aber keine Himbeeren waren.

von Uwe Paulukat

Bövinghausen

, 28.04.2019, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als sich um 10 Uhr am Samstagmorgen die Tore des LWL-Industriemuseums Zeche Zollern öffneten, warteten bereits viele Besucher des Gartenkungelmarktes auf den Einlass. Auch in diesem Jahr hatten Hobbygärtner in der einstigen Maschinenhalle wieder zahlreiche Tische mit den verschiedensten Pflanzen bestückt.

„Alles aus eigener Zucht“, wie Ursula Böhm aus Lütgendortmund feststellte. „Alles, was raus musste, sehen sie hier: Bohnen, Steingewächse, Liliengewächse und natürlich verschiedene Kräuter. Alles aus dem eigenen Garten“, erzählte sie.

An den Autokennzeichen auf dem Parkplatz sah man, dass dieser Markt nicht nur in Dortmund beliebt ist. Auch aus Recklinghausen, Bochum, Castrop-Rauxel, Lüdinghausen oder Gelsenkirchen kamen die Besucher zum Kungeln.

Brackelerin präsentierte Walderdbeeren, Bärlauch und mehr

„Was bedeutet kungeln?“ Das fragten ein paar Gartenfreunde. Hier die Erklärung: Kungeln bedeutet so viel wie tauschen. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es ja noch keine Gartenmärkte. Also wurde beim Nachbarn gefragt, ob er Setzlinge oder Samen von den eigenen Pflanzen hätte. Dafür bot man dann die selbst gezogenen Pflanzen an. Auf Zeche Zollern tauschte man allerdings Pflanzen gegen Euro.

Hobbygärtnerin Marlies Weber aus Brackel hat einen Garten von etwa 600 Quadratmetern. Von dort brachte sie Walderdbeeren, Glockenblumen, Margariten und Bärlauch mit. „Der wächst bei mir wie Unkraut“, meinte sie. Stolz präsentierte sie die kleinen Pflanzen der selbst gezogenen Cocktailtomaten und der Nachtkerzen. Diese haben nichts mit Kerzen zu tun, wie man fälschlicherweise annehmen kann. Holger und Marlies Firch aus Castrop-Rauxel begeistern sich seit zehn Jahren für Tomaten. Holger Firch: „Im Normalfall habe ich immer von sechs verschiedenen Sorten zwei Pflanzen im Garten. Dieses Jahr sind es sogar sieben Sorten. Wir legen Wert darauf, die alten Tomatensorten anzupflanzen.“ Die Namen sind manchmal etwas wunderlich: Schlesische Himbeere oder Weltmeister.

„Die Tradition des Tauschens aufrechterhalten“

Die Leiterin des LWL-Industriemuseums Zeche Zollern, Dr. Anette Kugler-Mühlhofer, war stolz über die vielen angereisten Gartenfreunde: „Zwei Mal im Jahr können hier interessierte Hobbygärtner ausstellen. Im Frühjahr gibt es die kleinen Pflanzen und Samen und im Herbst bieten wir an, die überzähligen, geernteten Früchte anzubieten. Hier auf Zollern soll die Tradition des Tauschens von Nutz- und Zierpflanzen aufrechterhalten werden.“ Und weiter sagte die Museumsleiterin: „Wir wollen hier im Museum die Lebens- und Arbeitswelt zeigen. Dazu gehört auch ein Arbeitergarten aus der Zeit um 1910.“

Pflanzen und Leckereien aus dem eigenen Garten wurden beim Gartenkungelmarkt angeboten

Flauschalarm: Die Küken von Hühnern und Gänsen waren während des Gartenkungelmarkts bei den Kindern sehr beliebt. © Paulukat

Da die Bergarbeiter nicht nur Pflanzen gezüchtet haben, sondern auch viele Tiere hatten, sind auch dieses Mal wieder die typischen Tiere der Bergarbeiter zu sehen. Der Kreisverband Rassegeflügelzüchter Dortmund-Lünen brachte eine kleine Auswahl an Hühnern, Tauben und Wachteln mit. Besonders die eine Woche alten Küken der Hühner und Gänse wurden vor allem von den Kindern umlagert.

Honig, Likör und Marmeladen

Aber auch die ausgestellten Kaninchen durften gestreichelt werden. Der Imkerverein Dortmund-Kurl e.V. ist auch immer bei den beiden Veranstaltungen im Jahr vertreten. Die Imker verkauften nicht nur den selbstgemachten Honig, sondern erklärten an Schautafeln, wie wichtig Bienen für die heimischen Gärten sind.

Es gab nicht nur Pflanzen zu erstehen. Der Umweltschutzverband BUND bot neben einigen anderen Hobbygärtnern kleine Insektenhotels an. Aber auch selbst hergestellter Likör oder Marmeladen fanden ihre Kunden. Bereits nach zwei Stunden hatte die Besucherzahl die 1000 weit überschritten.

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