„Unsere Kinder haben uns in den Arsch getreten“

dzParents for Future und Klimaschutz

Sie wurden verspottet und diskreditiert. Jetzt gibt’s Solidarität für die Fridays for Future-Jugendlichen. Eltern sagten auf einer Klimaschutz-Demo in Dortmund: „Danke für den Arschtritt“.

Dortmund

, 13.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Bei einer Demonstration für einen wirksamen Klimaschutz sind am Samstag in Dortmund etwa 1000 Teilnehmer einem Aufruf der „Parents for Future“ gefolgt. Die Eltern-Organisation unterstützt die weltweit organisierte „Fridays for Future“-Bewegung, die Wirtschaft und Politik zu einem radikalen Umdenken für einen effizienten Klimaschutz bewegen will.

Unter den vielen Vätern und Müttern, die in Dortmund demonstriert haben, war Marc Schmitt-Weigand. In unserem „Drei Fragen an ...“-Video erklärt er, was die „Parents for Future“ wollen:

Video
Was wollen die Parents for Future?

„Wir sind noch nicht so weit wie die Fridays for Future, aber die jungen Leute haben uns wach gemacht. Unsere Kinder haben uns in den Arsch getreten. Dafür müssen wir ihnen dankbar sein“, sagte Marc Schmitt-Weigand vor etwa 1000 Demonstranten.

Bewegung ist nicht klein zu halten

Der 47-Jährige kritisierte die NRW-Landesregierung und andere Politiker, die versucht hätten, die freitags streikenden Jugendlichen der „Fridays for Future“-Bewegung zu diskreditieren. „Anfangs hatte ich noch Angst, dass es Politikern gelingen wird, diese Bewegung klein zu halten“, sagte Marc Schmitt-Weigand. Aber die junge Generation habe sich basisdemokratisch entwickelt, niemanden um eine Genehmigung gebeten und einfach ihr Ding durchgezogen. „Ich sage Dankeschön dafür“, rief er und erhielt viel Applaus dafür.

Die Kritiker der Fridays for Future-Bewegung seien nicht nur mit Diskreditierung, sondern auch mit Ratlosigkeit aufgefallen. Politik und Wirtschaft versuchten, „mit den Mitteln von gestern die Probleme von heute und morgen zu verändern“. Die Bundesregierung wolle das Klima-Problem aussitzen, „aber damit geben wir uns nicht zufrieden“.

FOTOSTRECKE
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Die erste Parents for Future-Demo in Dortmund

Etwa 1000 Bürgerinnen und Bürger haben in Dortmund für einen wirksamen Klimaschutz demonstriert. Die Parents for Future unterstützen damit die Fridays for Future-Bewegung. Hier Bilder vom Friedensplatz.
13.04.2019
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Demonstration für einen wirksamen Klimaschutz: Aufgerufen hatten die Parents for Future.© Peter Bandermann
Auch die 19-jährige Therese Kah von der Dortmunder Initiative "Fridays for Future" trat ans Mikrofon: "Die Politik verspricht uns seit vier Jahrzehnten Veränderungen, aber es tut sich nichts."© Peter Bandermann
Auf die Folgen einer industriell organisierten Fleischproduktion weien diese Demonstranten hin.© Peter Bandermann
Einer der Sprecher ist Maarc Schmitt-Weigand. Er stellte Politik und Wirtschaft schlechte Noten aus.© Peter Bandermann
"Raus auf die Straßen und rein in die Gremien": Klimaschutz-Demonstranten erheben auch in Dortmund ihre Stimmen.© Peter Bandermann
Die erste Parents-for-Future-Demonstration auf dem Friedensplatz in Dortmund mobilisierte rund 1000 Teilnehmer.© Peter Bandermann
Mit dem Lastenrad zur Klimaschutz-Demonstration: Die "Parents for Future" kamen möglichst klimaneutral um die Ecke.© Peter Bandermann
Etwa 1000 Teilnehmer folgten dem Demonstrations-Aufruf auf den Friedensplatz.© Peter Bandermann
Der Ausstieg aus dem Braunkohletagebau und das Abschalten der Braunkohlekraftwerke ist einer der wichtigsten Forderungen der Klimaschutz-Demonstranten.© Peter Bandermann
Die Dortmunder Parents for Future sind gut vernetzt: Eine Aktivistin der Umwweltschutzorganisation Greenpeace spricht zu den Demonstrierenden.© Peter Bandermann
Die Demonstranten brachten Transparente mit und ieferten ihre Argumente für eine neue Umweltpolitik.© Peter Bandermann
Etwa 1000 Demonstranten forderten auf dem Friedensplatz einen besseren Klimachutz.© Peter Bandermann
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Marc Schmitt-Weigand sagte, dass ein „Stimmungswandel“ spürbar sei. Die Arbeit dürfe nicht allein Schülerinnen und Schülern überlassen werden: „Für den Wandel müssen wir Druck ausüben. Wir müssen raus auf die Straße und rein in die Gremien. Wer, wenn nicht wir? Wann, wenn nicht jetzt?“, fragte er und erhielt erneut lauten Applaus.

Das Thema kommt an

Ans Mikro getreten war auch die 19-jährige Therese Kah. Sie gehört zur jungen Fridays for Future-Bewegung in Dortmund. „Presse und Politiker sprechen über uns. Wir sind in den Talkshows. Das Thema kommt in der breiten Masse an“, stellte sie fest. „Wir sind angetreten, um Politik grundlegend und langfristig zu ändern, bis wir einen realen Wandel in der Politik erleben“, rief sie den Demonstranten zu. Sie bekam Jubel zurück.

Mahnende Worte sprach auch Pater Siegfried Modenbach vom katholischen Forum: „Wir leben auf Kosten zahlloser Menschen der Länden im Süden und auf Kosten zukünftiger Generationen“, sagte er ins Mikro. Menschheit und Politik gelinge trotz fundierter Forschung das Umsteuern nicht.

Der jungen Fridays for Future-Klimaschutz-Bewegung widmete der Dortmunder Liedermacher Fred Ape ein Lied, das er am Samstag zum ersten Mal vor großem Publikum gespielt hat. Darin heißt es auch: „Viele haben Grün gewählt, das Gegenteil gelebt, jeder zweite von uns war ein Egoist ...“

Hier Fred Apes Auftritt auf dem Friedensplatz in voller Länge:

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Ein Lied für die Fridays for Future-Bewegung

Nach der Kundgebung auf dem Friedensplatz sind die Demonstranten noch durch die Dortmunder Innenstadt gezogen. Die Polizei sperrte vorübergehend einige Straßen.

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