Morddrohungen gegen Pianisten: Igor Levit spielt im Konzerthaus Dortmund unter Polizeischutz

dzKlavierabend mit Polizei

Der Pianist Igor Levit setzt sich gegen Judenfeindlichkeit und Rechtsextremismus ein und erhält regelmäßig Morddrohungen. Sein Konzert in Dortmund erforderte besondere Maßnahmen.

Dortmund

, 11.01.2020, 11:45 Uhr / Lesedauer: 1 min

Das Konzerthaus Dortmund gehörte am Donnerstagabend zu den bestbewachten Orten der Stadt: Unter Polizeischutz und beobachtet von vielen Security-Mitarbeitern spielte Igor Levit seinen Klavierabend.

Am Sonntag zeichnet das Internationale Auschwitz-Komitees den Pianisten für seinen Einsatz gegen Judenfeindlichkeit und Rechtsextremismus mit der „Gabe der Erinnerung“ aus. Wegen seines Einsatzes gegen Völkerhass und rechte Gewalt hat der Pianist Morddrohungen bekommen. Trotzdem spazierte Levit eine Stunde vor dem Konzert uneingeschüchtert durch das Konzerthaus-Restaurant.

Levit geht nie den bequemsten Weg

Bei der Programmauswahl hätte es sich der 31-Jährige leicht machen können: Seine Gesamtaufnahme der Beethoven-Klaviersonaten ist gerade erschienen. Aber Levit geht nie den bequemsten Weg.

Er spielte er ein Programm, das Brücken vom Barock in die Gegenwart schlug, das sperriger war als ein Beethoven-Abend. Aber den Mut, Neues zu entdecken und Levits nicht nur technisch und musikalisch souveränes, sondern auch intelligentes Spiel honorierte das Publikum im fast ausverkauften Saal mit Ovationen im Stehen.

So spielte er Brahms

Bachs Chaconne aus der Violin-Partita hat Brahms für die linke Hand bearbeitet. Levit strukturierte die Riesenarchitektur wunderbar linear, mit wenig Pedal aber mannigfaltig schattiert – wie auch die Passacaglia von Johann Kerll und die Bach-Zugabe.

Das fantasieartig Freie hatten die Barockwerke mit den „Dreams II“ von Frederic Rzewski gemein. Levit hat die ausgedehnten Klangstudien nach Filmsequenzen des Amerikaners 2015 uraufgeführt. Ganz genau konnte man nicht heraushören, wann das Bimmeln von Glöckchen oder Flimmern von Glühwürmchen im Mittelpunkt stand, aber die vier Sätze und am Schluss Busonis „Fantasia boten Levit Futter alles, was sein Spiel ausmacht: Virtuosität, Gefühl, Schattierungskunst, Kraft, Brillanz und Intelligenz. Am 18. Juni ist er schon wieder zurück im Konzerthaus Dortmund und spielt beim Klavier-Festival Ruhr Busonis Klavierkonzert.

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