Historische Häuser in Dortmund vor dem Abriss – doch Annette Wilmsmann (67) will kämpfen

dzHistorischer Ortskern

Die Gaststätte „Zum Steigerturm“ soll weg, der Bauernhof daneben auch. Hier soll ein Stück Berghofer Geschichte verschwinden. Eine 67-jährige Dortmunderin will nicht einfach zusehen.

Berghofen

, 04.03.2020, 16:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Kneebuschstraße ist so etwas wie das Herz des alten Ortskerns. Hier stehen der Hof Wilberg, die Gaststätte Steigerturm und der Dickerhofsche Hof. Annette Wilmsmann hält ein Foto in den Händen. Kühe trotten über die Kneebuschstraße und verschwinden auf dem elterliche Hof Wilberg. „1979 war das. Es ist das letzte Foto von unseren Kühen“, sagt die heute 67-Jährige. „Meine Eltern haben kurze Zeit später die Landwirtschaft aufgegeben“.

Bauernhöfe und Fachwerkhäuser prägten hier das Bild. Ihr Hof wird vermutlich bald der letzte an der Kneebuschstraße sein. „Aber vielleicht kann man noch etwas ändern. Vielleicht ist es noch nicht zu spät.“ Das Alte erhalten ist ihr wichtig. Für die Zukunft und die nächsten Generationen.

Der Hof Wilberg an der Kneebuschstraße. Der ist in Besitz von Annette Wilmsmann.

Der Hof Wilberg an der Kneebuschstraße. Der ist in Besitz von Annette Wilmsmann. © Jörg Bauerfeld

Zusammen mit der Politik vor Ort und dem Verein „Unsere Mitte Steigerturm“ will Annette Wilmsmann versuchen, zumindest den Abriss des benachbarten Hofes zu verhindern. „Wenn die Gebäude, die ein Gesicht haben und hinter denen viel Geschichte steckt, verschwinden, dann tut das richtig weh“, so Wilmsmann.

Wie alt die Gebäude wirklich sind, die weichen sollen, lässt sich schwer sagen. 1905 musste der Hof Wilberg neu gebaut werden. Ein Kaminbrand zerstörte das alte Bauernhaus völlig. Vom Wiederaufbau gibt es einen alten Lageplan. Den hat sich Annette Wilmsmann von der Stadt Dortmund besorgt. Auf diesem Lageplan sieht man auch die Häuser gut, die weichen sollen.

Ein alter Lageplan von der Kneebuschstraße von 1905.

Ein alter Lageplan von der Kneebuschstraße von 1905. © Jörg Bauerfeld

Wie der Dickerhofsche Hof, auf dem es noch bis zum Ende der 60er-Jahre Landwirtschaft gab. „Da war der Herr Brall, der die Landwirtschaft im Nebenerwerb gemacht hat und bei Hoesch im Ankerguss gearbeitet hat“, sagt die Berghoferin. „Da konnte man die Kinder über die Kneebuschstraße zum Eierholen schicken. Das war allerliebst.“

1945 stand ein Panzer in der Mauer

Es gibt so viele Geschichten rund um die Kneebuschstraße und den alten Ortskern. So soll 1945 ein amerikanischer Panzer aus Versehen in die alte Mauer gefahren sein, die den Hof Wilberg umgibt.

1979 wurde die Landwirtschaft auf dem Hof Wilberg eingestellt.

1979 wurde die Landwirtschaft auf dem Hof Wilberg eingestellt. © Jörg Bauerfeld

Aber wie kann man die Geschichte erhalten? „Ich habe mich schon mal mit dem Bezirksbürgermeister unterhalten, wann man als Bürger wo Einfluss nehmen kann“, sagt Annette Wilmsmann. Daraufhin sei sie zur Bauverwaltung der Stadt Dortmund gegangen, „und ich habe mich erkundigt, was an der Kneebuschstraße 10 und 12 so im Busch ist“. Viel herausbekommen habe sie nicht, das würde alles über Anträge laufen.

Es gibt Bedarf für die alten Häuser

Es sei es wert, alte Häuser zu erhalten, davon kann Annette Wilmsmann aus eigener Erfahrung berichten – logisch, als Hofbesitzerin. Das Wohnhaus ist bewohnt, in den Scheunen sind zwei Künstler-Ateliers und ein Obstbauer aus Berghofen hat hier seine Maschinen stehen, um Saft zu pressen.

Die Gaststätte Knickenberg, heute „Zum Steigerturm“. Das Haus soll abgerissen werden.

Die Gaststätte Knickenberg, heute „Zum Steigerturm“. Das Haus soll abgerissen werden. © Archiv Treude

Es gäbe viele Menschen, die Spaß daran hätten, in alten Häusern zu wohnen und diese auch wieder herzurichten und zu erhalten, so Wilmsmann. Der Bedarf sei da, man müsse doch nicht immer alles abreißen. Aber was könnte man tun, um die Berghofer Mitte zu erhalten?

Vermutlich bleibt nur der Denkmalschutz. Und darauf setzt auch Annette Wilmsmann. Zumindest was den Dickerhofschen Hof angeht. „Ich habe bei der Stadtverwaltung angeregt, dass sie das Gebäude bitte unter Denkmalschutz stellen“, so Wilmsmann. Das letzte Wort hat hier aber die Stadt Dortmund.

Die Kneebuschstraße im Jahr 1954.

Die Kneebuschstraße im Jahr 1954. © Archiv Treude

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