Das Konrad-Klepping-Berufskolleg an der Geschwister-Scholl-Straße soll zur "Fachoberschule Polizei" werden. © Oliver Volmerich
Mittlerer Dienst

Ohne Abi Polizist werden: In Dortmund startet ein Modellversuch

Die Polizei braucht Nachwuchs. Ein städtisches Berufskolleg soll jetzt zur „Fachoberschule Polizei“ werden und diesen ausbilden. Das öffnet für Dortmunder Schüler neue Wege zur Uniform.

Dortmund macht sich Hoffnungen auf den Sitz der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW (HSPV NRW) im Ruhrgebiet, der auf einem neuen zentralen Campus geschaffen werden soll. Bislang gibt es eine Zweigstelle im Technologiezentrum, die nun wegen akuten Platzbedarfs in das Postbank-Gebäude am Hiltropwall umzieht.

Ausgebildet werden dort Studierende für die Landes- und Kommunalverwaltung, die Rentenversicherung und den gehobenen Polizeidienst. Ob sich die Hoffnung für einen Campus in Dortmund erfüllt, steht noch in den Sternen.

Aber auch an anderer Stelle sollen künftig Polizisten in Dortmund die Schulbank drücken: Das städtische Konrad-Klepping-Berufskolleg soll in einem Schulversuch einen neuen Bildungsgang für den Polizeivollzugsdienst bekommen und damit zur „Fachoberschule für Verwaltung und Rechtspflege, Schwerpunkt: Polizeivollzugsdienst“ werden. Hier würden dann Polizistinnen und Polizisten für den sogenannten mittleren Dienst ausgebildet.

Öffnung für Realschüler

Der Hintergrund: Eine Ausbildung für den mittleren Dienst gibt es bei der Polizei in Nordrhein-Westfalen schon seit Jahren nicht mehr. Der Einstieg in den gehobenen Polizeivollzugsdienst ist aber nur mit Abitur möglich.

Der neue Bildungsgang richtet sich dagegen besonders an Bewerberinnen und Bewerber mit einem mittleren Schulabschluss nach der zehnten Klasse und soll ihnen den Einstieg in den Polizeidienst ermöglichen. Wer die zweijährige Ausbildung absolviert, qualifiziert sich zugleich für ein anschließendes Studium an der Hochschule für Polizei und Verwaltung NRW.

Mit dem neuen Ausbildungsgang am Konrad-Klepping-Berufskolleg, an dem auch schon Justiz-Fachangestellte ausgebildet werden, reagiert die Stadt auf einen Vorschlag der Landesregierung. Der Schulversuch beginnt mit dem Schuljahr 2022/23, also am 1. August 2022.

Verbindung mit Praktikum

Voraussetzung für die Aufnahme an der Fachoberschule für Polizei ist ein Praktikumsplatz bei der Polizei. Der Unterricht findet im ersten Jahr in Teilzeit mit dem begleitenden Praktikum statt. Die abschließende Klasse 12 läuft dann im Vollzeit-Schulbetrieb.

Bewerbungen für einen Praktikumsplatz sind mit dem Blick auf den Ausbildungsstart im Sommer 2022 ab dem 1. November 2021 möglich. Am Konrad-Klepping-Berufskolleg gelten für die Bewerbungen die üblichen Anmeldetermine der Berufskollegs.

Entwicklungskonzept für Berufskollegs

Generell macht sich die Stadt Dortmund Gedanken um die langfristige Entwicklung ihrer acht Berufskollegs und legt der Politik dazu jetzt einen Zwischenbericht vor. Er soll Basis für weitere organisatorische und strukturelle Weichenstellungen sein.

Eine der wichtigsten Grundlage ist eine Modellberechnung zur Entwicklung der Schülerzahlen: Nach der Prognose wird die Zahl der Schülerinnen und Schüler an den städtischen Berufskollegs von aktuell 20.535 bis zum Schuljahr 2027/28 auf rund 19.000 sinken. Ab dem Schuljahr 2028/29 wird wieder ein kontinuierlicher Anstieg erwartet.

Unabhängig davon läuft auch die Standort-Planung. Das Robert-Schuman- und das Robert-Bosch-Berufskolleg haben bereits einen neuen Campus direkt am U-Turm bezogen. Im Brügmann-Block wurden die Gebäude für das Konrad-Klepping-, das Fritz-Henßler- und das Karl-Schiller-Berufskolleg modernisiert.

Das Leopold-Hoesch-Berufskolleg soll in einigen Jahren einen neuen Standort an der Speicherstraße am Hafen bekommen. Und die bislang in Hacheney beheimateten Pau-Ehrlich- und Gisbert-von-Romberg-Berufskollegs könnten langfristig auf dem früheren HSP-Gelände an der Rheinischen Straße und im Entwicklungsgebiet an der Nordseite des Hauptbahnhofs neue Standorte bekommen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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