„Obskure Veranstaltung“: Juden in Dortmund üben scharfe Kritik an DGB und Attac

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DGB und Attac laden in Dortmund zur Diskussion über Kritik an Israel. Die Jüdische Gemeinde Dortmund ist darüber tief besorgt. Der Rabbiner sieht „israelbezogenen Antisemitismus“.

Dortmund

, 06.12.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Jüdische Gemeinde Dortmund hat eine Stellungnahme zur Veranstaltung „Israel, Palästina und die Grenzen des Sagbaren“ am 11. Dezember (Mittwoch) in der Pauluskirche veröffentlicht. Rabbiner Baruch Babaev sagt auf Anfrage, dass er die Sorge der Gemeinde teile, „dass durch so eine Veranstaltung auch Antisemiten bedient werden können“.

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Der Journalist Andreas Zumach spricht auf Einladung des DGB Dortmund und der globalisierungskritischen Organisation Attac in einem Vortrag über die BDS-Bewegung, die zum ökonomischen und kulturellen Boykott Israels aufruft. Die Initiative steht in der Kritik, weil sie Antisemitismus schüre - und wird deshalb durch die Stadt Dortmund und andere Institutionen geächtet.

„Das kannten wir bisher nur von den Rechten“

In der Erklärung der Jüdischen Gemeinde heißt es wörtlich: „Populistische Sprüche wie ,Das wird man ja wohl noch sagen dürfen‘ kannten wir bisher nur von den Rechten (,Israel ist unser Unglück‘). Nun hat also auch der DGB Dortmund das dringende Bedürfnis, die angebliche Tabuisierung von Kritik an der Politik Israels zu thematisieren.“

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In einem Gespräch mit der Dortmunder DGB-Vorsitzenden Jutta Reiter habe der Vorstand der Gemeinde auf „die Bedenken gegen eine solch einseitige Veranstaltung“ hingewiesen. „Unser Vorschlag, aus Gründen der Fairness und der Ausgeglichenheit ein breiteres Podium und nicht nur einen einzigen Referenten zu wählen, wurde leider abgelehnt.“

Aus den bisherigen Auftritten des alleinigen Referenten Andreas Zumach sei es hinlänglich bekannt, dass es ihm allein darum gehe, die antisemitische Boykottbewegung BDS vom Vorwurf des Antisemitismus reinzuwaschen.

„Wir Dortmunder Juden werden uns diese tendenziöse Veranstaltung nicht antun. Wir hoffen, dass die Dortmunder Zivilgesellschaft auf diese obskure Veranstaltung adäquat reagieren wird.“

„Lupenreiner, israelbezogener Antisemitismus“

Attac und DGB wollen mit der „Bildungsveranstaltung“ vor dem Hintergrund „der sehr emotionalen Debatte eine differenzierte Diskussion“ über die BDS-Bewegung führen. Till Strucksberg von Attac hatte die Antisemitismus-Resolution als „Einschränkung der Rede- und Gedankenfreiheit“ bezeichnet.

Aus Sicht der Jüdischen Gemeinde zeigen aber solche Veranstaltungen und auch Aussagen von deutschen Gewerkschaftern in der jüngeren Vergangenheit, „was häufig hinter sogenannter Israelkritik steckt, nämlich lupenreiner, israelbezogener Antisemitismus“.

Die Veranstaltung mit Andreas Zumach beginnt am 11. Dezember um 19 Uhr in der Pauluskirche, Schützenstraße 35. Der Eintritt ist kostenlos.

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