Obdachlose in Banken: So reagiert die Volksbank Dortmund-Nordwest auf Kunden-Beschwerden

dzGeldautomaten

Weil sich Kunden über Obdachlose beschwerten, die sich nachts in den SB-Bereichen aufhielten, musste die Volksbank Dortmund-Nordwest reagieren. Viele störten sich vor allem am Geruch.

Oespel, Lütgendortmund

, 18.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Entscheidung ist den Verantwortlichen der Volksbank Dortmund-Nordwest nicht leicht gefallen. „Das ist ja auch eine moralische Frage. Schmeißt man jemanden raus, der friert?“, sagt Oliver Nows, Bereichsleiter Privatkunden und digitale Entwicklung, im Gespräch mit dieser Redaktion.

Am Ende sei ihnen aber keine andere Wahl geblieben, als zwei SB-Bereiche samt Geldautomaten ihrer Geschäftsstellen jeden Tag von 22.30 bis 6 Uhr zu schließen. „Es gab viele Kundenbeschwerden über Obdachlose, die sich dort in der Nacht häuslich niedergelassen haben“, berichtet Nows. Sogar ihre Notdurft hätten sie in den Räumen verrichtet.

Ein Wachdienst ist auf Dauer zu teuer

Anfangs habe man versucht, dem Problem in den Filialen Oespel und Lütgendortmund mit Hilfe eines Wachdienstes beizukommen. Aus Kostengründen sei das aber keine Dauerlösung gewesen.

Auch die Polizei habe auf Dauer nicht helfen können. „Es handelt sich zwar um Hausfriedensbruch, aber die Polizei hat doch gar nicht genügend personelle Ressourcen für solche Fälle“, so Nows.

Per Aushang informiert die Volksbank Dortmund-Nordwest ihre Kunden über die nächtliche Schließung der SB-Bereiche von 22.30 bis 6 Uhr.

Per Aushang informiert die Volksbank Dortmund-Nordwest ihre Kunden über die nächtliche Schließung der SB-Bereiche von 22.30 bis 6 Uhr. © Beate Dönnewald

Die Kunden hätten sich vor allem am Geruch gestört. „Es hat dort auch tagsüber streng gerochen, denn ihren Geruch haben die Männer am Morgen nicht mitgenommen“, so Nows. Andere Kunden habe zudem die Anwesenheit der Obdachlosen verängstigt.

Obdachloser machte es sich schon vor der Bank-Schließung gemütlich

„In Lütgendortmund hatten wir mal den Fall, dass es sich ein Herr schon um 17 Uhr im Vorraum gemütlich gemacht hat, eine Stunde vor der Schließung. Und die Heizung hat er auch aufgedreht.“

Natürlich habe man Mitleid mit den Menschen, die in den Wintermonaten für die Nacht einen warmen und trockenen Platz suchen. Zumal sie auch an vielen anderen Orten in unserer Stadt vertrieben würden.

„Uns hat aber gewundert, dass einige sogar eine Meldeadresse haben.“ Außerdem gebe es offizielle Übernachtungsstellen. „Niemand muss auf der Straße schlafen, das hat uns moralisch befreit“, so Nows.

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Warum sich die Obdachlosen ausgerechnet die Filialen in Oespel und Lütgendortmund aussuchen, könne er nicht erklären, so Oliver Nows. Früher, erinnert er sich, habe es auch mal einen Vorfall in Westerfilde gegeben.

Beschwerden über die nächtliche Schließung sind nicht bekannt

Die Hauptstelle in Mengede liege genau gegenüber der Polizeistation. „Wahrscheinlich aufgrund dieser geografischen Lage gab es dort noch nie Ärger“, so Nows. Hier genauso wie in den Filialen Kirchlinde, Huckarde und Westerfilde stünden den Kunden weiter rund um die Uhr Geldautomaten zur Verfügung.

Beschwerden, dass man stundenweise in Oespel und Lütgendortmund kein Bargeld abheben kann, seien ihm nicht bekannt, so Nows. „Das liegt wohl am Trend zum bargeldlosen Bezahlen.“

Auch die Sparkasse Dortmund kennt das Problem

Ob die beiden SB-Bereiche in Oespel und Lütgendortmund dauerhaft nachts geschlossen bleiben, steht noch nicht fest. „Das entscheiden wir situativ“, sagt Oliver Nows.

Auch den SB-Bereich der Sparkasse in Oespel haben Menschen ohne Wohnsitz für sich entdeckt. Hier kümmert sich ein Wachdienst um das Problem.

Auch den SB-Bereich der Sparkasse in Oespel haben Menschen ohne Wohnsitz für sich entdeckt. Hier kümmert sich ein Wachdienst um das Problem.

Auch die Sparkasse Dortmund kennt das Problem, löst es aber anders. „Auch einige SB-Bereiche der Sparkasse werden von Menschen ohne festen Wohnsitz als Unterkunft benutzt“, sagt Sprecherin Katja Schütte.

Davon sei derzeit unter anderem der SB-Bereich der Filiale Oespel, die einige hundert Meter von der Volksbank-Filale entfernt liegt, betroffen. Katja Schütte erklärt: „Da es dort keine Geldautomaten im Außenbereich gibt, beauftragen wir einen Wachdienst, der regelmäßig den SB-Bereich kontrolliert.“

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