Nur jeder Vierte ist zufrieden mit den Dortmunder Bürgerdiensten

dzOnline-Umfrage

Einzelstimmen im Netz äußern sich durchaus positiv über die Dortmunder Bürgerdienste, doch unterm Strich ist die Mehrzahl der Bürger unzufrieden. Die gute Nachricht: Besserung zeichnet sich ab.

Dortmund

, 13.08.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Daniel Walkenbach ist am 1. Juni dieses Jahres umgezogen. Um sich umzumelden, hat er sich im Internet sofort nach Terminen bei den Bürgerdiensten umgeschaut – auch bei den Bezirksverwaltungsstellen in den verschiedenen Stadtbezirken. „Leider war rein gar nichts zu machen. Alles ausgebucht in den nächsten zwei Monaten“, berichtet er.

Doch Mitte Juni hat er nochmals geguckt, „und siehe da, direkt vier Termine für Juli“, sagt er. „Ich meldete mich direkt in Hörde an und trug mich für „Ummeldung“ und „Halterwechsel KFZ“ in den Terminplaner ein. Am Tag des Termins, morgens um 7.30 Uhr, alles entspannt und reibungslos. Leider vergaß ich den „Fahrzeugbrief 2“, woraufhin mir der Beamte gleich einen zweiten Termin für denselben Tag anbot, um den besagten Fahrzeugbrief noch zu zeigen.“

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Das sei „sehr löblich“ gewesen, so Walkenbach. Um 11.30 Uhr sei er noch einmal bei den Bürgerdiensten in Hörde erschienen und konnte auch das Auto auf sich zulassen. Er resümiert: „Insgesamt habe ich mit den Ämtern nie große Probleme gehabt, auch nicht während Corona.“

Fast 90 Prozent würden Digitalangebote nutzen

Mit dieser positiven Erfahrung unterscheidet sich Daniel Walkenbach von anderen Dortmundern, die bei unserer nicht repräsentativen Umfrage zur Zufriedenheit mit der Arbeit der Dortmunder Stadtverwaltung in der Mehrzahl zu einem anderen Ergebnis kommen. 2709 Dortmunder haben sich an der Umfrage beteiligt.

Danach meint nur insgesamt ein Viertel der Umfrage-Teilnehmer, dass die Bürgerdienste zügig arbeiten und die Wartezeiten für die Anmeldung eines Fahrzeugs oder für einen neuen Ausweis angemessen sind. Für 26,84 Prozent trifft das eher nicht zu und für 38,1 Prozent gar nicht zu. Fast zehn Prozent können oder wollen das nicht beurteilen.

Fast 90 Prozent der Befragten würden solche Angelegenheiten mit der Stadt häufiger digital erledigen, wenn es möglich wäre, davon 73,32 Prozent auf jeden Fall und 15,87 Prozent eher ja. Eher nein, haben 8,09 Prozent angegeben, 2,72 Prozent würden solch ein Angebot auf keinen Fall nutzen.

Die Ergebnisse zum Thema Bürgerdienste/Digitale Verwaltung seien für die Stadtverwaltung insbesondere vor dem Hintergrund der weitgehenden Corona-Einschränkungen bei den Öffnungszeiten der Bürgerdienste nachvollziehbar, sagt Stadtsprecher Christian Schön. In der Pandemie-Hochphase in NRW seien auch die Bürgerdienste zeitweise fast vollständig geschlossen gewesen. Nur Angelegenheiten, die als sogenannte „Notfälle“ beurteilt wurden, habe man erledigen können. Seit dem 30. April böten die Bürgerdienste, ebenfalls aus Hygieneschutzgründen, Vorsprachen nur nach Termin an.

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Weg frei für digitalen Behördengang

Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Konnte bislang ein großer Teil der Angelegenheiten bei den Bürgerdiensten aufgrund fehlender gesetzlicher Grundlagen nur nach persönlicher Vorsprache bearbeitet werden, hat das Bundeskabinett jetzt für zwei Bereiche den Weg für den rein digitalen Behördengang freigemacht.

So will die Verwaltung künftig die zentralen Familienleistungen in einem gebündelten Online-Antrag anbieten. Neben der Geburtsurkunde – mit förmlicher Namensfestlegung und Geburtsanzeige – können Familien auf Wunsch künftig Elterngeld und Kindergeld in einem Zuge beantragen. In einem weiteren Schritt soll auch noch der Kinderzuschlag dazukommen.

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Weitere Erleichterung bringt auch die Entwicklung des Meldegesetzes. So soll es neben dem klassischen Gang zum Amt bald erstmalig möglich sein, die Anmeldung nach einem Umzug in eine neue Stadt durchweg elektronisch durchzuführen, teilt die Stadt mit.

Bald Erleichterung auch bei Personenstandsurkunden

Personal- und Organisationsdezernent Christian Uhr: „Den Bürgerinnen und Bürgern wird sich so zusätzlich eine komfortable und zeitsparende Möglichkeit bieten, Verwaltungsangelegenheiten abzuwickeln. Unabhängig davon besteht selbstverständlich weiterhin die Möglichkeit der persönlichen Kontaktaufnahme.“

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Bislang konnte man bei der Dortmunder Stadtverwaltung unter anderem schon das Kfz-Wunschkennzeichen, Leistungen des Fundbüros und Führungszeugnisse über das Internet (mit eID des Personalausweises) beantragen Kurz- und mittelfristig sollen weitere Leistungen hinzukommen, wie beispielsweise die Beantragung von Personenstandsurkunden.

Ein User bei Facebook ist wie Daniel Walkenbach schon jetzt ziemlich zufrieden mit den Bürgerdiensten in Dortmund. Er wohne jetzt zwei Jahre in der Stadt, habe sich umgemeldet, eine Führerschein-Erweiterung beantragt und für seine Frau und sich jeweils zwei neue Ausweise, das alles im Stadthaus und in der Bezirksverwaltungsstelle Aplerbeck. Einen Termin zu bekommen, sei ein wenig problematisch, wenn man seinen Dienstplan nicht Monate im Voraus kenne. „Hat man ihn aber – meist kurzfristig am selben Tag – geht alles wunderbar. Geringe Wartezeit und sehr freundliche Mitarbeiter.“

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Bei der Kommunalwahl im September wird ein neuer Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin gewählt - und damit ein neuer Kopf für die Dortmunder Stadtverwaltung. Der ebenfalls zu wählende Stadtrat ist der wichtigste Auftraggeber für die Verwaltung. Im Vorfeld der Wahl nehmen wir deshalb die bisherige Arbeit der Stadtverwaltung unter die Lupe: Was läuft gut? Was geht besser? In einer Online-Umfrage haben 2709 Dortmunderinnen und Dortmunder ihre Meinung zu zahlreichen Themenfeldern mitgeteilt, in denen die Verwaltung maßgeblichen Einfluss hat. Die Ergebnisse stellen wir Ihnen in dieser Serie vor.
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