Das digitale Impfzertifikat als Ersatz fürs gelbe Impfbuch? Unsere Autorin findet das nicht sinnvoll und hält die digitale Variante für überflüssig. © picture alliance/dpa
Meinung

Nur Frust und Wust: Niemand braucht den digitalen Impfpass

Den digitalen Impfnachweis stellen Apotheken seit Montag aus. Damit soll das gelbe Heft nicht mehr nötig sein. Unsere Autorin findet, die App ist nur was für Technikliebhaber.

Mit der CovPass-App sollen Konzert-Besuche und Reisen einfacher werden. Deutschland setzt damit eine Vorgabe der EU um. Sodass mit dem COVID-Zertifikat der EU, das ist in Deutschland der in der App gespeicherte QR-Code, das Reisen in den EU-Mitgliedstaaten leichter möglich sein soll.

Zusätzlich verspricht das Robert-Koch-Institut, das die App bereitstellt, dass zukünftig auch Tests und Nachweise über Genesungen dort hinterlegt werden können. Klingt eigentlich praktisch. Statt einem Wust an Belegen und Dokumenten muss man nur die digitale Variante mitnehmen.

„Wieder eine App mehr“

Aber ich bin nicht überzeugt und die Leute, die schließlich den Code auslesen sollen, um mir Einlass ins Kino oder das Konzert zu gewähren auch nicht unbedingt.

„Wieder eine App mehr“, klagt ein Dortmunder Veranstalter. Und ob es damit schneller am Einlass geht, glauben viele der Leute, mit denen ich über das Thema gesprochen habe, nicht.

Ohnehin war den wenigsten bewusst, dass es für die, die den Impfnachweis prüfen sollen, eine zweite App gibt. Im Google Playstore hatten sich bis Mittwochnachmittag (16.6.) zwar mehr als 10.000 Nutzer die App heruntergeladen und auch Huawei-Besitzer haben immerhin über 2000 Mal die CovPassCheck-App installiert – viel ist das jedoch nicht.

Papier ist beständiger

Ich kann mir die Szenen vor Konzerthallen und Schwimmbädern schon vorstellen: Da ist man als Geimpfter endlich an der Reihe und da macht das Handy schlapp. Das war es dann.

Oder: Die Veranstalter haben nicht die Check-App und wollen die Papierform sehen. Was dann? Gerade jetzt zur Einführung des digitalen Impfnachweises kann das durchaus passieren.

Papier ist dann doch beständiger, finde ich. Meinen Impfausweis habe ich eh immer dabei und das schon vor der Pandemie. Und wissen Sie warum? Weil ich dann immer weiß, wo er ist. In Schubladen und Schränken fällt er doch nur dem nächsten Umzug zum Opfer.

Klar, jetzt können Sie sagen, dass Sie immer das Smartphone dabeihaben. Das stimmt ja auch. Aber ein Smartphone geht auch mal kaputt oder der Akku ist leer. Das kann mit dem analogen Impfbuch nicht passieren.

Meiner Meinung nach ist der digitale Impfnachweis überflüssig und eine Spielerei für Technikliebhaber oder Leute ohne Handtasche. Das gelbe Impfbuch gilt schließlich immer noch.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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