Nur ein Spielpartner pro Kind: Eltern befürchten seelische Probleme

dzVorschlag der Bundesregierung

Die Bundesregierung empfiehlt in den geplanten Corona-Schutz-Beschlüssen Familien, dass Kinder einen festen Spielpartner in der Freizeit wählen. Viele Eltern sind gar nicht begeistert.

Dortmund

, 17.11.2020, 14:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit Montag ist ein Thema in der Welt, das viele Eltern vor Kindergärten und Schulen in Dortmund bewegt. Denn einer der Vorschläge der Bundesregierung, um Kontakte zu reduzieren, lautet, Kinder und Jugendliche dazu anzuhalten, sich nur noch mit einem festen Freund oder einer festen Freundin in der Freizeit zu treffen.

Das ist nur ein Punkt in einer langen Liste von Vorschlägen, die der Bund in die Beratung mit den Ländern am Montag (16.11.) gebracht hatte. Er löst heftige Reaktionen bei Eltern aus.

Viele finden den Vorschlag „realitätsfremd“

In welcher Eltern-Whatsapp-Gruppe oder vor welchem Schultor auch immer man fragt: Sinnvoll finden diesen Vorschlag nur wenige. „Realitätsfremd“ lautet eine der häufigsten Reaktionen. „Das kann man so nicht machen“, sagt eine andere Mutter nur knapp.

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Die Dortmunderin Anke Alt, Mutter von vier Kindern sagt: „Ich denke, solange Schulklassen oder Kindergartengruppen untereinander bleiben, ist es in Ordnung, sich mit Freunden aus diesem Verband zu treffen.“

Sie meint allerdings auch: „Andere Freunde aus der Nachbarschaft oder dem Verein zu treffen, bedeutet eine Mischung, die es schwer macht, Infektionsketten nachzuverfolgen.“ Alt findet: „Das sollte verhindert werden, zumindest im Haus oder in der Wohnung. Wenn die Kinder draußen spielen, entschärft sich das wieder.“

Anne S., Mutter von vier Kindern, sagt: „Bei den Kleinen, die sich eh im Kindergarten sehen, macht die Maßnahme keinen Sinn. Sie verstehen es doch auch gar nicht. Die großen Schulkinder tragen in der Schule Masken. Da macht es auch in der Freizeit Sinn, auf Abstand zu gehen.“

Manche Eltern wollen weiter Treffen in einem überschaubaren Kreis

Manche Eltern kündigen an, auch weiterhin auf einen behutsamen Kontakt mit mehreren Familien zu setzen. Nicht aus zivilem Ungehorsam, sondern mit Rücksicht auf das seelische Wohlbefinden ihrer Kinder, wie sie sagen.

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„Es beschränkt sich doch ohnehin schon seit Monaten auf wenige Leute aus dem Umfeld der Schule. Das will ich meinen Kindern nicht auch noch nehmen“, sagt ein Dortmunder Vater. Gleichzeitig gibt es Familien, die bereits private Treffen unter Kindern komplett eingestellt haben.

Ein weiterer Kritikpunkt an der Idee ist das Problem, dass sich für die feste Spielpartnerschaft ja beide Seiten gleich entscheiden müssten. Was dann dazu führen könnte, dass ein Kind gar keinen festen Spielpartner für die Wintermonate findet. Mehrere Eltern stellen die naheliegende Frage: Was ist eigentlich, wenn sich Kinder auf dem Spielplatz treffen?

Zum Schulunterricht fallen erst am Montag Entscheidungen

Vieles hängt an den Entscheidungen zur Zukunft des Präsenzunterrichts in Schulen. Diese sind auf Drängen der Bundesländer auf Montag (23.11.) verlegt worden. Die Länder sollen nun Vorschläge erarbeiten, wie Ansteckungsrisiken im Schulbereich weiter reduziert werden können.

Vorschläge der Bundesregierung dazu sind unter anderem eine Maskenpflicht im Unterricht für alle Schüler sowie eine Halbierung der Klassen- und Gruppengrößen. Dies wiederum hätte dann auch Auswirkungen auf den Kreis derer, die man außerhalb der Schule treffen könnte.

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