Notarzt soll in Dortmund nicht immer persönlich kommen

dzRettungswesen

Im Schnitt dauert es 13 Minuten, bis der Notarzt vor Ort ist. Patienten und Notarzt sollen in Dortmund künftig schneller zusammenkommen. Möglich machen es Kamera, Headset und Monitor.

Dortmund

, 11.11.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

35 Rettungswagen (RTW) gibt es in Dortmund, aber nur sechs Notarztfahrzeuge. Während die Rettungssanitäter in spätestens acht Minuten nach dem Notruf vor Ort sein sollen, trifft der Notarzt meist erst nach 13 Minuten beim Patienten ein. Möglicherweise wertvolle fünf Minuten, die bei der Behandlung verloren gehen. Gleichzeitig stieg die Zahl der Notfalleinsätze in vier Jahren um mehr als 20.000 auf fast 140.000 Einsätze im Jahr 2018.

Die Landesregierung will das Rettungswesen umbauen und bereitet den flächendeckenden Einsatz von Telenotärzten vor. Diese Mediziner fahren nicht mehr selbst zu Notfällen, sondern werden per Video in den Rettungswagen geschaltet. In Aachen wurde der Telenotarzt bereits vor fünf Jahren als Modellprojekt erfolgreich eingeführt. Dortmund möchte als größte Stadt in Westfalen eine Vorreiterrolle übernehmen.

Skepsis gegenüber Ferndiagnose

Deshalb machte Ordnungsdezernent Norbert Dahmen am Mittwoch (6.11.) Druck im zuständigen Bürgerdienste-Ausschuss. Die CDU hatte den Antrag gestellt, die Einrichtung eines Telenotarztes für die Stadt Dortmund zu prüfen. Doch Grüne sowie Linke & Piraten hatten Beratungsbedarf, stehen der Ferndiagnose eher skeptisch gegenüber. Das sei eine Lösung vor allem für den ländlichen Raum.

Eine Entscheidung zu verschieben, „hieße möglicherweise den Zeitpunkt zu verpassen“, hielt Dahmen dagegen. In den nächsten Wochen werde sich im Gesundheitsministerium etwas tun. Da müsse man den „Fuß in der Tür haben“.

„Warum länger rumdoktern?“, fragte Dirk Goosen, ordnungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion. Man werde im Haushalt notwendige Finanzmittel zur Verfügung stellen.

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Bislang gilt im Rettungswesen in NRW das sogenannte „Rendezvous-System“. Zu medizinischen Notfällen rückt ein RTW aus, der nur mit Rettungssanitätern, aber nicht mit Ärzten besetzt ist. Wenn nötig, stößt ein Notarzt mit einem eigenen Blaulicht-Fahrzeug dazu. Ob ein Notarzt gebraucht wird, wird meist in der Leitstelle der Feuerwehr entschieden.

Auch für Verlegungsfahrten

Der Telenotarzt soll das Rendezvous-System ergänzen; denn nicht bei jedem Notfall muss ein Notarzt physisch anwesend sein. Sofern der Patient zustimmt, können Telenotärzte, die in der Feuerwehr-Leitstelle sitzen, per Live-Schaltung in Bild und Ton alle erhobenen Vitaldaten und Messwerte wie EGK und Sauerstoffsättigung sowie die Krankengeschichte der Patienten bewerten und lebensrettende Maßnahmen an die medizinischen Helfer vor Ort delegieren. Dazu zählt auch die Verabreichung von bestimmten Medikamenten.

Der Telenotarzt stehe den Rettungsdienstmitarbeitern auch bei der zunehmenden Zahl von Verlegungsfahrten in andere Kliniken zur Seite, erläuterte Feuerwehrchef Dirk Aschenbrenner dem Ausschuss. Er hält den Telenotarzt für „möglich und sinnvoll“ – ein zukunftsweisendes Modell, das auch über die klassischen Kreis- und Gemeindegrenzen hinausgehe, und mit guten Chancen, von den Krankenkassen finanziert zu werden. Aschenbrenner: „Wir werden schneller, bringen Qualität vor Ort und entlasten dadurch die Notärzte, die dann gezielt für schwierige Realeinsätze zur Verfügung stehen.“

„Gute Sache auf den Weg gebracht“

Der Bürgerdienste-Ausschuss entschied sich am Ende mehrheitlich dafür, das Telenotarztmodell für Dortmund zu prüfen. „Wir haben eine gute Sache auf den Weg gebracht“, resümierte die Ausschussvorsitzende Christiane Krause (CDU).

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