Noch ein Corona-Opfer: „Friedchen’s Pommesbude“ ist auch dicht

dzAus für Fast-Food-Betrieb

Der Dortmunder Westen verliert wegen Corona einen weiteren kultigen Gastro-Imbiss: Auch „Friedchen’s Pommesbude“ in Kirchlinde ist dicht. Es gibt allerdings Trost für alle Burger-Fans.

Huckarde

, 15.07.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Urig und gemütlich war „Friedchens Pommesbude“ an der Westerwikstraße in Kirchlinde. Man saß fast kuschelig beieinander, oft an Vierer-Tischen. Das hat die Atmosphäre dort ausgemacht, aber genau das wurde dem Gastro-Betrieb in der Corona-Pandemie nun zum Verhängnis.

„Der Laden war einfach zu eng“, sagt Inhaber Kay Fräder. Zu eng, um die Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten und dabei noch rentabel zu bleiben. Spielraum, Tische anders zu stellen, gab es nicht. Die Konsequenz: Viele Sitzplätze mussten frei bleiben. So habe man statt 50 Gäste nur noch um die 15 bedienen können, sagt Fräder – zu wenige, um den Laden am Laufen zu halten.

Nur 30 Prozent vom Umsatz erreicht

Gerade mal um die 30 Prozent vom Vor-Corona-Umsatz habe man erreicht. „Es war nicht mehr so, dass man es durchziehen konnte“, erklärt Fräder. Auch das Angebot des Vermieters, die Miete auszusetzen, konnte nicht mehr rütteln an Fräders Entschluss, den Laden zu zu machen. Nach fast fünf Jahren.

„Friedchen‘s Pommesbude“ in Kirchlinde war klein und kuschelig - zu klein für die Corona-Auflagen, sagt Inhaber Kay Fräder.

„Friedchen‘s Pommesbude“ in Kirchlinde war klein und kuschelig - zu klein für die Corona-Auflagen, sagt Inhaber Kay Fräder. © Beate Dönnewald

Damit geben innerhalb kurzer Zeit zwei kultige Pommesbuden im Dortmunder Westen auf: Gerade erst ist bekannt geworden, dass die „Futterluke“ in Lütgendortmund schließt - was große Bestürzung unter den Fans ausgelöst hat. Auch Kay Fräder sagt: „Die Futterluke gehörte zu Dortmund wie das U.“

„Friedchen’s Bahnhof“ bleibt bestehen

Das Aus für seine Pommesbude in Kirchlinde finden viele seiner Facebook-Fans ebenfalls schade: „War ein super Laden (....) Hatte Kult-Charakter“ heißt es in den Kommentaren. Oder: „Es ist wirklich sehr, sehr schade, wir waren oft bei euch, weil es was Besonderes war und ich habe mich die ganze Woche drauf gefreut.“

Ganz so traurig wie die „Futterluken“-Stammgäste sind die Fans von Fräders Speisen aber nicht. Denn: Es gibt sie weiterhin in Dortmund. Erst im vergangenen Herbst hatte Kay Fräder „Friedchen‘s Bahnhof“ in Huckarde eröffnet. Und dort läuft es in der Pandemie besser als in Kirchlinde. Immerhin sei man in Huckarde wieder bei 75 Prozent des Umsatzes, sagt Fräder.

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Mehr Spielraum in Huckarde

Warum das so ist, dafür hat der FastFood-Wirt eine einfache Erklärung: Es ist viel größer dort. Es gibt mehrere Räume und daher mehr Möglichkeiten, die Abstandsregeln ohne große Einbuße umzusetzen. Mit der Außengastronomie habe man fast 200 Sitzplätze und die könnten auch jetzt nahezu komplett angeboten werden, sagt Kay Fräder. Allein auf den Tresenbetrieb müsse man verzichten.

Bei Facebook kündigen auch viele an, alternativ in Huckarde vorbeizuschauen. Auch Gutscheine aus Kirchlinde sind dort weiterhin gültig, heißt es. Fast alle Angestellten aus Kirchlinde sind laut Fräder in Huckarde untergekommen. Dass dem Bahnhof das gleiche Schicksal droht wie der Pommesbude, stehe nicht zu befürchten. Fräder sagt es bildlich: „Huckarde ist so sicher wie Fort Knox.“

Fräder stürzt sich in neues Groß-Projekt

Insgesamt aber sieht er extrem düster für die Gastro-Branche: In einigen Zweigen würden bis zu 60 Prozent der Betriebe aufgeben müssen, befürchtet er. Aber Fräder wäre nicht Fräder, wenn er sich nicht dennoch ins nächste Projekt stürzen würde. Und das ist richtig groß. In Niederbergheim an der Möhne hat er ein 4500-Quadratmeter-Anwesen gepachtet. Für zehn Jahre.

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Dort soll vieles möglich sein. Es gibt Außengastronomie direkt an der Möhne, mehrere Säle für Events, ein kleines Hotel mit 18 Doppelzimmern und nicht zuletzt einen Biker-Treff rund um ein Holzhaus, den Kay Fräder schon Mitte August eröffnen möchte. Auch dort wird es Burger und Schnitzel wie in Kirchlinde geben. Und es wird auch ein wenig so aussehen. Denn die Retro-Einrichtung aus Kirchlinde ist an die Möhne gezogen.

Dass der Laden in Kirchlinde dem Großprojekt weichen musste, dem widerspricht Fräder allerdings. Sicher habe das bei der Entscheidung, so schnell nach der Wiedereröffnung zu schließen, auch eine Rolle gespielt. Aber: „Ohne Corona gäbe es Kirchlinde noch.“

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