Neues von der Gichtgasleitung: Der lange Vertrag mit Thyssen Krupp hat einen guten Grund

dzZukunft nach 2040

Die Gichtgasleitung wird in Hörde weiter diskutiert. In der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung gab es nun Antworten aus erster Hand. Einige Fragen blieben aber noch offen.

Hörde

, 17.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Sie steht in der Gegend rum, tut nichts und stört deswegen - oder trotzdem - einige Hörder: Die Gichtgasleitung, die von Phoenix-West bis zur Westfalenhütte und in Hörde zu großen Teilen oberirdisch verläuft. Dass Thyssen Krupp als Eigentümer dieser Leitung bis 2040 die Leitung nicht unter die Erde verlegen wird, hat das Unternehmen dieser Redaktion bestätigt. Klar war bislang aber noch nicht, was passiert, wenn der Vertrag in 21 Jahren ausläuft.

Neues von der Gichtgasleitung: Der lange Vertrag mit Thyssen Krupp hat einen guten Grund

Das Ende der oberirdisch verlaufenden Gichtgasleitung am Winzerweg und die Stickstoffleitung von Thyssen Krupp (gelb). © Michael Nickel

Birgit Niedergethmann vom Stadtplanungs- und Bauordnungsamt brachte nun etwas Licht ins Dunkel. In der Sitzung der Bezirksvertretung Hörde war sie am Dienstag (14. Mai) als Berichterstatterin zu dem Thema eingeladen worden. Und sie berichtete und beantwortete Fragen zur Gichtgasleitung. Die wichtigsten Aussagen:

  • Air Liquide, die Luftzerlegungsanlage am Rande von Phoenix-West, kann via Erbbaurecht bis mindestens 2029 am Standort bleiben - mit Option auf Verlängerung bis 2039. Das Unternehmen produziert aus Luft Sauerstoff, Argon und Stickstoff. Eben jenen Stickstoff benötigt Thyssen Krupp sechs Kilometer weiter auf der Westfalenhütte unter anderem zur Produktion von Blechen für die Automobilindustrie. Die oberiridisch verlaufende Gichtgasleitung nutzt Thyssen Krupp als Trägerleitung für die Stickstoff-Versorgung. Es kommt also nicht von ungefähr, dass die Stadt 2010 die Nutzungsrechte gegen eine einmalige Zahlung bis 2040 an Thyssen Krupp abgab. Zum Preis äußerte sich Niedergethmann in der öffentlichen Sitzung nicht.
    Neues von der Gichtgasleitung: Der lange Vertrag mit Thyssen Krupp hat einen guten Grund

    Der Beginn der Gichtgasleitung auf Phoenix-West: die Luftzerlegungsanlage Air Liquide. © Michael Nickel

  • Wie teuer der Abbau der oberirdischen Leitung beim Bau des Phoenix-Sees gewesen ist, verriet Niedergethman: 270.000 Euro beziehungsweise 1000 Euro pro Meter, finanziert aus Fördermitteln. Eine Demontage der in Hörde verbliebenen rund 600 Meter Leitung, die oberirdisch verlaufen, wäre mittlerweile deutlich teurer.
  • „Der finanzielle Aufwand rechtfertigt nicht den Abbau. Die Gichtgasleitung ist ein Stück Tradition, ein Relikt, das zu Hörde gehört, und kein städtebaulicher Missstand. Wir haben jahrelang für den Erhalt des Hochofens gekämpft. Ich bin erstaunt, dass wir jetzt hierüber diskutieren müssen“, sagte Niedergethmann. „Es hat sich noch nie einer über die Leitung beschwert.“

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    Dieser Auffassung widersprach Klaus Tilmann von den Grünen. Es habe vor vielen Jahren Beschwerden von einer damals noch bestehenden Bürgerinitiative gegeben, sagte er. „Wir durften als Anlieger jahrzehntelang den Anblick genießen, gemeinsam mit der schwelenden Angst, mit diesem Rohr zu leben.“ Das große Hauptrohr ist mittlerweile ungenutzt. Bis zur Stillegung des Stahlwerks strömte aber brennbares Gichtgas über die Köpfe der Hörder.
  • Ein Schlupfloch zur Demontage der Leitung vor 2040 könnte es noch geben. Der Vertrag sehe nach Auslaufen einen Rückbau zu Lasten von Thyssen Krupp vor, sagte Niedergethmann nach einem kurzen Blick in die Unterlagen. Sie sagte zudem, dass die Verkehrssicherungspflicht entlang der Gichtgasleitung bei Thyssen Krupp liege, „vergleichbar mit einer Brücke“. Das Unternehmen muss die Leitung unter anderem regelmäßig warten. Außerdem muss Thyssen Krupp, sofern es aus Gründen des Straßenbaus erforderlich ist, die Anlage zu verändern, dies auch tun. Heißt im Klartext: Wenn die Stadt Dortmund die Straßen oder Kanalleitungen ausbaut, muss Thyssen Krupp im Zweifel dafür sorgen, dass die Gichtgasleitung nicht im Weg steht.
    Welches Ausmaß der Bauarbeiten Voraussetzung für eine solche Demontage wäre, konnte oder wollte Niedergethmann in der öffentlichen Sitzung nicht sagen. Sie kündigte jedenfalls an, die Details des Vertrages noch einmal gezielt aufzubereiten und vorzustellen - in einer nicht-öffentlichen Sitzung.
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