Neuer Straßen-Rapper reimt in der City

Kolumne

Straßenmusiker gibt es in der City nun wahrlich zuhauf. Der schwarze Gitarrenspieler, die vielköpfige Polka-Truppe, der Mann mit der singenden Säge - sie sind Stammgäste auf dem Westenhellweg. Doch Straßen-Rapper Yussuf ist neu und ziemlich gut. Unserem Redakteur Thomas Thiel hat er in der Mittagspause etwas vorgereimt.

DORTMUND

, 26.08.2014, 17:30 Uhr / Lesedauer: 1 min

Ich bin zufällig auf Yussuf gestoßen, in meiner Mittagspause. Yussuf hat sich unter das schmale Glasdach des Lensing-Carrées an der Potgasse gesetzt, das schützt ihn zumindest ein bisschen vor dem starken Regen an diesem Sommertag, der sich eher nach Mitte Oktober anfühlt. Er sitzt auf seinem Schlafsack, neben ihm seine Habseligkeiten, auf seinem Kopf ein dunkelroter Turban. Eine gelbe Beatbox auf dem Schoß spuckt minimalistische Klänge aus, Yussuf rappt dazu, stapelt spontan Reime aufeinander, bezieht ab und zu die Passanten mit ein: Hey du, mit dem roten Schirm, wirf mir doch ein paar Cents zu, so in der Art. Es ist nicht so aufdringlich, wie es sich liest, sondern kommt eher entspannt und charmant rüber.

Wir kommen ins Gespräch. Yussuf ist seit drei Wochen in der Stadt. Der 27 Jahre alte Rapper kommt aus Bielefeld, eine Wohnung hat er nicht. Den Sommer über lebt er auf den Straßen deutscher Städte, den Winter verbringt der Lebenskünstler in Nordafrika, "Marokko", sagt er an diesem verregneten frühen Nachmittag. Geld vom Staat nimmt er nicht, sagt er. Er will sich sein Leben lieber selbst finanzieren. Normalerweise gebe ich Straßen-Musikern kein Geld. Doch Yussuf ist sympatisch, er ist gut. Er kriegt einen Euro von mir. Offenbar geht das vielen so: Seine Mütze ist voller Münzen.

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