Neuer Imbiss wegen Corona: „Die Kartoffelkiste“ kann auch Currywurst

dzDie Curry-Kurve

Mit ihrem neuen Imbiss „Curry-Kurve“ versucht Schaustellerin Perdita Gaedig die Corona-Krise zu überstehen. Die ersten Stammgäste sind begeistert - vor allem von ihrer Currywurst-Soße.

Marten

, 06.08.2020, 14:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Normalerweise ist die Dortmunder Schaustellerin Perdita Gaedig mit ihren Backkartoffeln das ganze Jahr über unterwegs. „Die Kartoffelkiste“ und „Die Kostbar“ heißen ihre beiden Stände.

Im August hätte sie zuerst auf der Kohlenkirmes in Eving, dann auf der Wendsche Kärmetze in Wenden und schließlich auf der Bartholomäuskirmes in Lütgendortmund Station gemacht. Doch die Corona-Krise hat die 57-Jährige wie alle Schausteller in Deutschland ausgebremst.

Für die Vollblut-Schaustellerin ist das mindestens noch bis Ende Oktober geltende Verbot für Großveranstaltungen eine Katastrophe - nicht nur aus finanziellen Gründen. „Ich vermisse den Austausch mit meinen Kollegen und Freunden, ich vermisse die besondere Atmosphäre, ich vermisse es einfach, unterwegs zu sein.“ 1984 machte sie sich zunächst mit einem Reibekuchen-, 1993 zusätzlich mit einem Backkartoffel-Stand selbstständig.

Perdita Gaedig legt größten Wert auf Corona-gerechtes Zahlen. Kassiert wird mit Hilfe einer Pommesschale.

Perdita Gaedig legt größten Wert auf corona-gerechtes Zahlen. Kassiert wird mit Hilfe einer Pommesschale. © Beate Dönnewald

Um die Corona-Krise zu überstehen, hat Perdita Gaedig eine neue Geschäftsidee entwickelt und umgesetzt: Im Juni eröffnete sie ihren Imbiss „Curry-Kurve“, der tatsächlich an einer Straßenkurve liegt.

Hier gibt es täglich, außer an Sonn- und Feiertagen, Pommes, Curry- und Bratwurst, natürlich nur „to go“. Standort ist das ehemalige Kirmes-Gelände ihrer Eltern am Bärenbruch in Marten, schräg gegenüber der Feuerwache.

„95 Prozent der Einnahmen brechen weg“

„Das ist natürlich kein Ersatz für die vielen Veranstaltungen, wir sprechen hier von 95 Prozent der Einnahmen, die mir wegbrechen“, berichtet Perdita Gaedig. „Von dem Geld, das ich mit dem Imbiss verdiene, kann ich einkaufen und meine Krankenkasse bezahlen, mehr nicht“, erzählt sie. Und auch das funktioniere nur, weil sie keine Pacht zahlen müsse und sich die Investitionen in Grenzen hielten.

Die ersten Stammkunden sind bereits begeistert, vor allem von Gaedigs Currywurst-Soße. „Die ist genau richtig, echt lecker. Nicht zu süß und nicht geschmacksneutral“, bemüht sich Kunde Michael Strotkamp von der Fahrschule Ziethmann um eine Beschreibung.

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Ein anderer Gast soll die Soße so beschrieben haben: „Schön fruchtig und nach hinten raus etwas Schärfe“, erzählt Perdita Gaedig stolz. Das Rezept verrät sie natürlich nicht: „Ich mische zwei Komponenten“, mehr ist ihr nicht zu entlocken.

Kunden loben die kleine Speisekarte der Curry-Kurve

Michael Strotkamp, der sich mit Currywurst/Pommes eingedeckt hat und schon in Richtung Auto unterwegs war, kehrt noch einmal zurück: „Hier gibt es ein reduziertes Angebot, das sehr gut ist. Lieber eine Sache vernünftig machen, als 100 Sachen irgendwie“, lobt er die kleine Speisekarte der „Curry-Kurve“.

Die "Curry-Kurve" steht am Bärenbruch in Marten, auf einem ehemaligen Kirmesplatz.

Die Curry-Kurve steht am Bärenbruch in Marten, auf einem ehemaligen Kirmesplatz. © Beate Dönnewald

Über Komplimente wie dieses freut sich Perdita Gaedig natürlich. Dennoch sei das Geschäft an diesem Standort unberechenbar: „An manchen Tagen kommen zehn Kunden, an anderen 30 bis 40.“ Generell sei sie aber sehr freundlich aufgenommen worden, sie genieße es, mit ihren Kunden und den netten Nachbarn zu plaudern. „Ich bin dankbar, dass ich so weiterhin mein eigenes Geld verdienen kann und nicht zum Amt muss.“

Bei aller Freude über die neue Arbeit: Perdita Gaedig hofft inständig, dass es für alle Schausteller noch in diesem Jahr wieder richtig losgehen wird. Vor allem der Dortmunder Weihnachtsmarkt müsse unbedingt stattfinden, findet sie.

Dass für Volksfeste trotz vorliegendem Hygiene-Konzept die Corona-Regeln bisher nicht gelockert wurden, kann sie nicht nachvollziehen: „Warum dürfen Floh- und Wochenmärkte stattfinden, warum dürfen Menschen dicht an dicht in Flugzeugen sitzen? Wahrscheinlich bin ich zu blond, um das zu verstehen.“

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