Neuer Cityring-Chef: So muss sich Dortmunds City nach Corona verändern

dzEinzelhandel

Es gibt Einfacheres, als tief in der Corona-Krise die Führung des Cityrings zu übernehmen. Tobias Heitmann hat das gemacht - ganz bewusst. Er nennt drei Ziele, um die Dortmunder City zu retten.

Dortmund

, 05.11.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kein Zögern, kein Lamentieren: Tobias Heitmann wirkte schon bei seiner Wahl zum neuen Vorsitzenden des Cityrings Dortmund sehr entschlossen. Am 26. Oktober wurde der Geschäftsmann, der an der Wißstraße und direkt am Hansaplatz die Galerie Zimmermann & Heitmann betreibt, einstimmig zum Nachfolger von Dirk Rutenhofer gewählt.

Was sich schon im schummrigen Licht des Nachtclubs Nightrooms an der Hansastraße, wo die Jahreshauptversammlung unter Corona-Bedingungen stattfand, andeutete, bestätigt sich im ersten Gespräch mit Tobias Heitmann. Der Mann will nicht lamentieren, der Mann will machen. Sofort haut er einen Satz wie diesen raus: „Wir müssen uns nichts vorlügen: der stationäre Handel wird weniger, es braucht neue Konzepte.“

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Tobias Heitmann ist überzeugt, dass man sich von der reinen Einkaufsstadt verabschieden muss. „Den Einkaufsbummel wird es nach Corona nicht mehr wie bisher geben. Wir brauchen keine fünf Schuhläden oder zehn Modeläden - dafür ist das Onlineangebot zu mächtig! Von dutzendweise austauschbaren Händlern im selben Segment hat der Kunde keinen Nutzen. Die meisten Kunden kommen mittlerweile gezielt zum Kauf in die City, nachdem sie sich online informiert haben“, sagt er. Den anstehenden Umbruch mitzugestalten, darin sieht er seine Aufgabe. Drei Ziele stehen dabei für ihn ganz oben an:

1. Gründung eines professionellen Citymanagements

Corona habe die schon lange vorhandenen Probleme im Einzelhandel nur beschleunigt. Wie unter einem Brennglas werde jetzt klar, sagt Tobias Heitmann, welch gewaltige Herausforderung der Online-Handel für den stationären Handel darstelle.

Der Westenhellweg in Dortmund

Tobias Heitmann ist Ende Oktober einstimmig zum neuen Vorsitzenden des Cityrings gewählt worden. Bei der Kaufmannschaft hat er die Nachfolge von Dirk Rutenhofer angetreten - mit klaren Vorstellung für die Zukunft der Dortmunder Innenstadt. © Stephan Schütze

„Wir brauchen jetzt guten Handel statt viel Handel in der City. Dazu braucht es ein professionelles Citymanagement mit einem Citymanager oder einer Citymanagerin, das die Umgestaltung vorantreibt. Die ehrenamtlich Arbeitenden im Cityring können das nicht leisten“, so Tobias Heitmann.

Er stellt sich ein Citymanagement vor, bei dem alle Fäden zusammenlaufen und das garantiert, „dass wir nicht mehr aneinander vorbei arbeiten“.

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Vor allem die Stadt wird dieses Citymanagement finanzieren müssen. Und so entschlossen, wie Tobias Heitmann diese Forderung vorträgt, darf man davon ausgehen, dass er sie zäh verfolgen wird: „Wenn die City mit einem Einzugsbereich von 3 bis 4 Millionen Menschen so wichtig ist, wie Ex-OB Ullrich Sierau immer gesagt hat, dann muss die Stadt dem auch Rechnung tragen.“

2. Nutzbare Einrichtungen für alle

Weg von der Vor-allem-Einkaufsstadt, hin zur belebten Innenstadt. Dazu soll für den neuen Cityring-Chef beitragen, dass wieder mehr Wohnungen, Kindergärten oder höherwertige Gastronomie in die Innenstadt kommen. „Damit kommen potenzielle Kunden und der Trend dahin ist ja mit dem Bau des Basecamps und den über 400 Studentenwohnungen an der Kampstraße auch schon eingeläutet“, sagt Heitmann.

Verbunden sein soll damit eine lebenswerte Innenstadt mit verbesserter Aufenthaltsqualität. „Ich stelle mir vor, dass es mehr nutzbare Einrichtungen für alle gibt - etwa mehr schöne Sitzgelegenheiten oder Laternen mit Freifunk-WLAN-Hotspots“, so Heitmann. „Zudem wären mehr Events in der City förderlich. Das E-Bike-Festival und die Cityringkonzerte sind da gute Ansätze.“

3. Sozial motiviertes Vorgehen gegen das Betteln

Das Leid von Menschen, die in der Fußgängerzone betteln, ist für Tobias Heitmann kein Grund zum Weggucken, sondern ein Grund zum Hingucken. „Wir müssen da alle gemeinsam etwas tun. Das Betteln nimmt zu und ist schlimm für den Handel und die Aufenthalts- und Lebensqualität in der City“, sagt Tobias Heitmann.

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Ihm gehe es nicht darum, die Armut einfach auszublenden und Bettler zu verdrängen: „Im Gegenteil: ich werbe für sozialpolitische Maßnahmen. Diese würde ich gerne mit der Verwaltung besprechen. Gegen aggressives Betteln von Banden allerdings muss ordnungspolitisch energisch vorgegangen werden. Kümmern muss man sich auch um die offene Drogenszene, welche sich aktuell massiv im Stadtgarten sesshaft macht.“

Der Cityring

Interessenvertretung mit 240 Mitgliedern

  • Der Cityring ist ein Zusammenschluss von Dortmunder Kaufleuten. Er vertritt die Interessen der Dortmunder Gewerbetreibenden bei der Stadt und allen wichtigen Institutionen.
  • Der Cityring ist ein eingetragener Verein mit rund 240 Mitgliedern.
  • Mehr Infos im Internet unter www.cityring.de
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