Neue Sitzbänke im Kreuzviertel: Einsatz von Anwohnerin macht sich bezahlt

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Insgesamt 19 neue Sitzbänke sind in jüngster Vergangenheit im Kreuzviertel aufgestellt worden. Dafür hat sich eine engagierten Anwohnerin stark gemacht – weitere sind bereits in Planung.

von Julien März

Kreuzviertel

, 18.08.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als Marie Wolf im Jahr 2017 bemerkte, dass eine liebgewordene Sitzbank in der Nähe ihres Wohnhauses entfernt worden war, fing sie an, Fragen zu stellen. Im Jahr 2018 beschloss sie, sich für Sitzbänke in ihrem Stadtbezirk einzusetzen. Ihr Engagement machte sich nun in 2020 bezahlt.

Aufgrund von Anwohnerbeschwerden bei der Bezirksvertretung über Vermüllung sei die Sitzbank in der Nähe ihres Wohnhauses damals entfernt worden.

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„Dies tat mir sehr leid, da die Bank an einem Plätzchen mit Nachmittagssonne stand, wo ich mich, aus der Stadt zurückkommend, durchaus gerne ab und an niederließ“, erzählt Marie Wolf.

Allerdings seien die Beschwerden der Anwohner auch nicht unbegründet gewesen: Oft hätten sich auf der Bank Obdachlose oder betrunkene Fußballfans aufgehalten und der Platz wäre auch nicht gerade sauber gewesen.

17 neue Bänke allein im Juni 2020

Kurz nachdem Marie Wolf das Sitzbank-Projekt ins Rollen gebracht hatte, hat sie über das Nachbarschaftsforum ‚nebenan.de‘ Unterstützung vom Bezirksvertreter Uwe Martinschledde erhalten.

Im Juni 2020 wurden dann 17 Sitzbänke, die von der Bezirksvertretung des Stadtbezirks Dortmund Innenstadt-West finanziert wurden, installiert.

Daraufhin übernahm Fotografin Marina Reff, die wie Marie Wolf im Kreuzviertel wohnt, ehrenamtlich das weitere Bekanntmachen des Projekts auf ‚nebenan.de‘ und Facebook, was den Sitzbänken große mediale Aufmerksamkeit brachte.

Jede Bank hat einen Paten

Über ihre Internetseite hält Marie Wolf Interessierte über das Projekt auf dem Laufenden. Dort schreibt sie einen Blog, postet Neuigkeiten und gibt Menschen die Möglichkeit, sich etwa als Bank-Pate oder als sogenannter Buddy zu bewerben.

Jede Bank hat einen eigenen Paten und teilweise auch mehrere Buddys. Sie kümmern sich um die Bank und halten sie sauber. Sitzbank-Paten bekennen sich zudem öffentlich mit ihrem Namen für ihre Bank. Die Resonanz sei laut Marie Wolf überwältigend positiv.

„Nur die Ideengeberin“

Marie Wolf betont immer wieder, wie wichtig die Sitzbänke gerade für Ältere sind, die mal kurz Rast machen möchten. Doch woher kommt ihr Engagement?

Marie Wolf erzählt, sie habe eine Ausbildung zur ehrenamtlichen Hospizmitarbeiterin durchlaufen, ihre Mutter sei im 93. Lebensjahr und sie selbst sei auch schon etwas älteren Semesters.

Da die Bevölkerung im Durchschnitt auch immer älter werde, empfindet es Marie Wolf als sehr wichtig, „die Anzahl von öffentlichen Sitzgelegenheiten zu erhöhen, um alten Menschen durch diese Möglichkeiten für ‚Zwischenstopps‘ das Hinausgehen aus ihren Wohnungen auch über größere Distanzen zu ermöglichen.“

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Aber es geht ihr nicht nur um die Älteren. „Ich wünsche mir umgekehrt auch genügend Toleranz für die jüngeren Menschen, die ebenfalls dringend mehr Kommunikationsplätze im öffentlichen Raum brauchen – auch wenn es bei ihnen mal lebhafter zugeht.“

Marie Wolf betont aber auch: „Im Prinzip war ich nur die Ideengeberin. Dass die Bezirksvertretung über alle Parteien hinweg und im vollen Wissen, dass Sitzbänke durch bestehende Vorurteile und aufkommende Ängste auch ablehnende Reaktionen auslösen werden, das Projekt zu ihrem Pilotprojekt gemacht hat, ist allein ihr Verdienst.“

Bis jetzt sind es 19 Bänke, die im Kreuzviertel aufgestellt wurden, weitere sind bereits geplant. Die Bezirksvertretung hat bereits im Januar 2020 die Beauftragung eines Planungsbüros beschlossen, das für den gesamten Stadtbezirk die Aufstellungsmöglichkeiten für Sitzbänke feststellen soll.

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