Hunderte Kita-Plätze fehlen – trotzdem steht ein Kita-Neubau leer

dzKitas in Dortmund

Eigentlich sollte eine Kita in einen Neubau im Dortmunder Westen ziehen. Doch das fertige Gebäude steht seit Monaten leer. Und das, obwohl gerade U3-Kita-Plätze dringend gebraucht werden.

Huckarde

, 29.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor circa drei Jahren hat der Dortmunder Verein Lebenshilfe zwei Kindertagesstätten in Huckarde übernommen: die Kita an der Rahmer Straße und die Kita Muku am Oskarweg.

„Beide Kitas gehörten einer Elterninitiative“, sagt Krystian Waletzko, 2. Vorsitzender der Lebenshilfe. „Als die Elterninitiative in Not geriet und die Kitas nicht mehr weiter führen konnte, sind wir sozusagen als weißer Ritter eingesprungen.“

Die beiden Kitas sind in Wohnhäusern untergebracht und bieten dementsprechend weniger Platz als viele andere Kindertagesstätten und Kindergärten. „Wir haben sie aber mit der Aussicht übernommen, dass es einen Neubau an der Hedwig-Bieber-Straße gibt“, erklärt Krystian Waletzko.

Neubau ist schon lange fertig

Der Neubau hatte in der Mai-Sitzung der Bezirksvertretung Huckarde für Verwirrung gesorgt. Während die CDU-Fraktion eine Anfrage an die Verwaltung der Stadt Dortmund stellte, ob in dem Gebäude weiterhin eine Kita geplant sei, waren die anderen Fraktionen unsicher, warum das Haus leer steht.

Die Lebenshilfe ist jedenfalls nach eigenen Angaben nicht dafür verantwortlich. Man hätte „bestimmt Einspruch eingelegt“, wenn ein anderer Anbieter dort eine Kita hätte eröffnen wollen, sagt Krystian Waletzko. „Aber das Gebäude war ja immer als unser Neubau geplant – wir hatten also natürlich nie etwas dagegen.“

Vorerst habe sich die Lebenshilfe jedoch aus dem Projekt zurückgezogen. „Ich weiß nicht, wo genau das Problem liegt, aber die Lage scheint recht kompliziert zu sein“, sagt Krystian Waletzko. „Es geht wohl um Unklarheiten bezüglich der Eigentumsverhältnisse des Grundstücks und des Gebäudes.“

Die Stadt Dortmund kann auf Anfrage Aufschluss geben. „In dem Gebäude an der Hedwig-Bieber-Straße wollte der inzwischen insolvente Träger, die Elterninitiative Hukita e.V., auf vier Gruppen erweitern“, sagt Stadt-Pressesprecherin Katrin Pinetzki. „Dieses Gebäude ist Teil der Insolvenzmasse, und die rechtlichen Verhältnisse sind noch unklar.“

Lebenshilfe möchte mehr Kita-Plätze anbieten

Indes hofft die Lebenshilfe weiterhin auf ein neues Gebäude. Schließlich seien die beiden Kitas in Huckarde nicht mehr zeitgemäß und schlicht zu klein. Wegen des Platzmangels können beispielsweise keine U3-Plätze angeboten werden. Und die sind im Stadtbezirk Huckarde ohnehin rar.

Es stehen gerade einmal 424 U3-Plätze zur Verfügung – dem gegenüber stehen 1209 Kinder unter drei Jahren. Im Ü3-Bereich gibt es indes mehr Plätze als aktuell nötig: 1185 Ü3-Kinder kommen auf 1209 Ü3-Plätze.

Trotzdem: „Das Jugendamt plant den weiteren Ausbau von Plätzen“, sagt Stadt-Pressesprecherin Katrin Pinetzki. „So sollen die eingruppigen Standorte der Lebenshilfe an der Rahmer Straße und am Oskarweg in einem fünfgruppigen Neubau an der Rahmer Straße zusammengeführt werden.“

Dieses Vorhaben entspricht dem Wunsch der Lebenshilfe, die beiden kleinen Kitas zu einer großen zu machen. Der geplante Neubau der Stadt soll nicht an der Hedwig-Bieber-Straße, sondern auf einem Grundstück an der Rahmer Straße/Ecke Westhusener Straße entstehen.

Plätze werden dringend gebraucht

Denn klar ist schon jetzt: Die Plätze im Neubau werden zum Kindergartenjahr 2020/2021 dringend gebraucht. „Auf der Warteliste des Kita-Portals Dortmund stehen aktuell noch 100 U3-Kinder aus dem Stadtbezirk Huckarde mit einem Betreuungswunsch zum 1. August“, sagt Katrin Pinetzki.

Allerdings seien die Vertragsverfahren wegen des aktuell noch gültigen Betretungsverbots der Kitas noch nicht abgeschlossen. Das Jugendamt unterstütze Eltern bei der Vermittlung auf andere Kita-Plätze oder auf Plätze der Kindertagespflege.

Auf Unterstützung hofft auch die Lebenshilfe. „Ich hoffe einfach, dass wir tatsächlich die Möglichkeit bekommen, uns zu vergrößern und damit auch unser Angebot zu erweitern“, sagt Krystian Waletzko.

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