Rund 3400 Euro pro Quadratmeter: Hundehäuser im Tierheim kosten mehr als Eigentumswohnungen

dzTierschutz

Basco, Buddy und Co. sollen im Dortmunder Tierschutzzentrum nicht leben müssen wie Hunde. Deshalb bekommen sie neue, schönere Quartiere – im Wert von zweieinhalb großen Neubauwohnungen.

Dortmund

, 11.11.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alte und kranke Hunde leben im Dortmunder Tierschutzzentrum in Dorstfeld schon seit vier Jahren kommoder als mancher Artgenosse in einer Hütte. Die Quarantäne- und Seniorenstation hat Fußbodenheizung. Doch auch die übrigen Hunde sollen künftig schöner wohnen. Das verlangt nicht zuletzt die Tierschutz-Hundeverordnung von 2002.

Die Umsetzung wird aber nicht ganz billig: Insgesamt 806.000 Euro kostet die Maßnahme, die der Finanzausschuss des Rates einstimmig und ohne Diskussion abgesegnet hat. Rechnet man die Kosten für die Außenanlagen – insgesamt rund 96.700 Euro – sowie die Baunebenkosten raus, kommt man auf einen Quadratmeterpreis von knapp 3400 Euro. Das ist mehr als der Quadratmeterpreis für manche Neubauwohnung mit guter Ausstattung im Kaiserstraßenviertel.

Aus 40 Zwingern werden 20 Räume

750.000 Euro werden mit städtischem Geld finanziert, 56.000 Euro kommen aus zweckgebundenen Erbschaften, die das Tierheim gemacht hat. Für das Geld werden in den nächsten drei Jahren aus 40 zu schmalen Hundezwingern mit je 12 Quadratmetern Fläche zwanzig Räume mit Außenbereich von jeweils insgesamt 22 bis 25 Quadratmetern.

Die Einrichtung und Aufteilung der vor mehr als 25 Jahren errichteten Hundeboxen entsprächen nicht mehr den gültigen Vorgaben der Tierschutz-Hundeverordung zur dauerhaften Unterbringung von Hunden in Zwingern, argumentiert die Verwaltung. Die bisherigen Boxen haben eine Breite von 1,65 Metern, vorgeschrieben ist aber eine Mindestbreite von zwei Metern.

Ansteckungsgefahr vermindern

Zudem werde durch die derzeitige Zwingerbauweise die Ansteckungsgefahr mit Hundekrankheiten wie Staupe, Parvovirose, Zwingerhusten und Übertragungen von Darm- sowie Hautparasiten und -bakterien begünstigt. Durch die neuen Hunderäume erhofft man sich, Tierarzt- und Medikamentenkosten senken zu können.

Jeder der neu gebauten Räume ist geeignet, jeweils zwei sehr große Hunde (ab 60 Zentimetern Schulterhöhe) gleichzeitig zu halten. Diese baulichen Voraussetzungen eröffnen die Möglichkeit, Hunde, die länger im Tierheim leben, in einer artgerechteren Kleingruppe zu halten.

Waren bis vor rund zehn Jahren vier von fünf Hunden im Tierheim sogenannte Fundhunde, die meist nach nur wenigen Tagen von ihren Eigentümern abgeholt wurden, leben heute mehr als die Hälfte der Hunde länger als einen Monat im Tierheim. Ein Grund ist der steigende Anteil von Hunden, die den Haltern – etwa bei illegalem Import von Welpen – entzogen werden und während monatelanger Verwaltungsverfahren untergebracht werden müssen.

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