Mehr Bedarf, mehr Plätze – wie sieht es aus in der neuen Frauenübernachtungsstelle?

dzDiakonie Dortmund

Die Frauenübernachtungsstelle der Diakonie ist nach Hörde gezogen. Wie ist es in der neuen Einrichtung? Und warum gibt es einen immer größeren Bedarf an Übernachtungsplätzen?

von Alexandra Wachelau

Hörde

, 20.02.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das knallgelbe Haus an der Nortkirchenstraße 15 ist belebt wie ein Bienenstock. Koffer stapeln sich in einer Ecke, Sozialarbeiterinnen wuseln durch die Gegend, etwas abseits in der Küche versuchen zwei Frauen, in Ruhe mittagzuessen.

In diesem Monat ist die Frauenübernachtungsstelle der Diakonie aus dem Kaiserviertel nach Hörde gezogen. Die Leiterin der Einrichtung, Ilda Kolenda, ist noch dabei, alles zu sortieren: „Wir haben uns fast verdoppelt, zusammen mit den Notbetten haben wir nun 54 Schlafplätze“, sagt sie. An der vorherigen Adresse waren es 27. Ein Zeichen, dass der Bedarf gestiegen ist?

„Frauen auf der Straße sieht man sehr selten“

Die Aufnahmestelle ist 24 Stunden und jeden Tag im Jahr geöffnet. Hilfesuchende Frauen sind zu jeder Tages- und Nachtzeit im Haus willkommen. Tagsüber geht ständig die Tür auf. Die Unterbringung ist kostenlos, jede volljährige Frau ohne Obdach ist hier willkommen – auch mit Kind. Momentan sind zwei Babys in der Einrichtung, eine weitere Frau ist schwanger. Eine von ihnen soll in ein Mutter-und-Kind-Haus, Babyschale und Teddy liegen schon bereit.

Warum Frauen die Übernachtungsstelle aufsuchen, hat viele Gründe und sei von Fall zu Fall unterschiedlich, so Ilda Kolenda. „Viele kommen von Zwangsräumungen“, sagt sie.

Generell seien Frauen gut darin, ein „nicht gesichertes Mietverhältnis“ zu verbergen. Ilda Kolenda und ihre Kolleginnen nennen diese Verhältnisse „verdeckte Obdachlosigkeit“. „Viele kommen jahrelang beim Partner, bei Bekannten oder Verwandten unter, ohne je einen eingetragenen Wohnsitz zu haben“, sagt sie.

Die Frauen leben so zwar in Abhängigkeitsverhältnissen, aber eben nicht auf der Straße. Doch in den letzten Jahren habe sich ein Wandel bemerkbar gemacht.

Die Straße ist keine Option für Frauen, die allein sind

Durch Smartphone, Internet und Co. trauen sich Frauen schneller – durch die Hilfsangebote, die online zu finden sind – aus unsicheren, von Abhängigkeitsverhältnissen geprägten, teilweise gefährlichen Wohnsituationen heraus. Ilda Kolenda sagt, dass Frauen im Gegensatz zu Männern anpassungsfähiger seien, schneller bereit, Kompromisse einzugehen. Die Straße ist für die meisten keine Option. Zu groß sei die Angst, überfallen zu werden – oder Schlimmeres durchzumachen.

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Die Übernachtungsstelle hat sich durch den Umzug vergrößert. Mit 50 Betten hat die Einrichtung fast doppelt so viele wie vorher.

Die Übernachtungsstelle hat sich durch den Umzug vergrößert. Mit 50 Betten hat die Einrichtung nun fast doppelt so viele wie vorher. © Alexandra Wachelau

In der Übernachtungsstelle gibt es – neben Beratungsangeboten und -hilfen – je nach Bedarf Lebensmittel, Kleidung und ein Bett für die Frauen. Die Zimmer sind zwar spärlich, aber praktisch eingerichtet. In jedem Raum gibt es pro Person ein Bett, einen Schrank und einen kleinen Schreibtisch.

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Alles ist aus Holz und passt zusammen. Bettwäsche, Gardinen und Teppich lassen den Raum gemütlich wirken. Gegessen wird in Gemeinschaftsküchen, auch einen Aufenthaltsraum gibt es. Küche und Waschraum scheinen am beliebtesten zu sein, hier halten sich die meisten Frauen auf. Maximal vier Personen teilen sich ein Bad, in den meisten Zimmern sind es zwei Personen.

Ilda Kolenda ist die Leiterin der Frauenübernachtungsstelle.

Ilda Kolenda ist die Leiterin der Frauenübernachtungsstelle. © Alexandra Wachelau

Nicht nur durch steigende Mietpreise haben sich die Probleme der aufgenommenen Frauen in den letzten Jahren geändert. Immer häufiger kommen Senioren in die Aufnahmestelle. „Die älteste Dame, die wir beherbergen, ist 79 Jahre alt“, sagt Ilda Kolenda.

Der Gemeinschaftsraum der Übernachtungsstelle.

Der Gemeinschaftsraum der Übernachtungsstelle. © Alexandra Wachelau

Auch psychische Erkrankungen nehmen – häufig zusätzlich zu anderen Problemen – zu. Dabei seien es nicht nur die Geringverdiener, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind. „Es sind alle Schichten vertreten. Wir hatten schon eine Professorin und eine Lehrerin hier, auch Studentinnen kommen sehr häufig zu uns“, sagt Ilda Kolenda und fügt noch an: „Wir beherbergen aktuell eine Frau, die schon seit drei Jahren hier übernachtet.“

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