Die so genannten Corona-Schnelltests sollen künftig auch in Alten- und Pflegeheimen eingesetzt werden. © picture alliance/dpa
Pflege- und Altenheime

Neue Corona-Testordnung für Altenheime: „Gut gemeint, schlecht umgesetzt“

Seit kurzem sind Corona-Schnelltests in Pflegeheimen Pflicht. Trotzdem wird noch nicht überall getestet – das führt zu Diskussionen. Ein Einblick in den Alltag der Pflegeheime in Dortmund.

Die Idee des NRW-Gesundheitsministeriums klang auf den ersten Blick toll: Jeder Bewohner eines Pflegeheims soll 20 Mal im Monat mit einem Corona-Schnelltest getestet werden. Ziel war es, für die Sicherheit der Pflegebedürftigen zu sorgen. Damit sollen die Bewohner vor Erkrankungen geschützt werden, die von außen hereingetragen werden. Das Problem ist die Umsetzung.

Zunächst mussten alle Pflegeeinrichtungen ein Testkonzept erstellen. Auch beispielsweise das Dortmunder Alloheim-Pflegezentrum „Am Westfalentor“ erarbeitete einen Plan und hat diesen am 11. November beim Gesundheitsamt eingereicht.

„Wir warten aktuell noch auf die Genehmigung. Wenn wir die Berechtigung haben, können wir starten“, teilte Kathrin Kempe, die Leiterin der Einrichtung, am Montag (23.11.) mit. Gemäß der Testverordnung in NRW gilt ein Konzept jedoch nach 14 Tagen als genehmigt, wenn keine aktive Rückmeldung des Gesundheitsamtes erfolgt ist.

Bewohner haben Priorität

Seit dem 9. November gilt in NRW die Testverordnung für Alten- und Pflegeheime. Darin heißt es: „Vollstationäre Einrichtungen haben die PoC-Antigen-Tests (so genannte Schnelltests) für Beschäftigte, Pflegebedürftige und Besucher verpflichtend anzuwenden bzw. zu veranlassen.“

Dadurch, dass die neue Verordnung schon zählt, kam es im Pflegezentrum „Am Westfalentor“ zu Irritationen. „Wir führen derzeit sehr viele Diskussionen mit Besuchern und Angehörigen, die unsere Einrichtung betreten wollen“, berichtete Kempe, „viele sind fälschlicherweise der Ansicht, dass wir als Einrichtung ab sofort dazu verpflichtet sind, alle Besucher per Schnelltest zu testen – sogar, wenn die Besucher angeben, corona-typische Symptome zu haben.“

Bevor getestet werden kann, muss jedoch erst ein Testkonzept erstellt und vom Gesundheitsamt erlaubt werden.

Bei den städtischen Seniorenheimen wird seit dieser Woche (23. November) getestet. „Wir sind dabei, unser Testkonzept auszurollen. Das heißt, dass die Bewohner Priorität haben, dann kommen die Mitarbeiter und dann die Besucher“, erklärt Martin Kaiser, Geschäftsführer der städtischen Seniorenheime Dortmund auf Anfrage.

„Das ist total neu und ungewohnt für uns“

Im Gegensatz zu den in Krankenhäusern und bei Ärzten durchgeführten PCR-Tests sollen in den Altenheimen lediglich Schnelltests angewendet werden. Der Vorteil: Binnen 15 Minuten steht ein Ergebnis fest. Der Nachteil: Diese Art der Tests gilt als unzuverlässiger als die PCR-Tests.

Zudem muss laut Robert Koch-Institut ein positives Ergebnis eines Schnelltests durch einen PCR-Test bestätigt werden.

Die Fachpfleger der Heime sollen die Schnelltests zukünftig durchführen. „Das ist neu und ungewohnt für uns“, sagt Kaiser. Denn: „Eigentlich gehen wir nicht in den Körper. Das ist ein Grundsatz für uns“, meint er.

Und auch das Alloheim hat die Zeit des Wartens bis zur Genehmigung des Testkonzeptes genutzt, um einen Teil der ausgebildeten Pflegekräfte dafür zu schulen.

„Wir fühlen uns hier allein gelassen“

Ein weiteres Problem für die Heime: Die regelmäßigen Kontrollen werden viel Zeit in Anspruch nehmen. „Sicher sind 20 Tests pro Bewohner im Monat eine Hausnummer – vor allem bei den 97 bis 99 Bewohnern, die wir im Schnitt haben. Gerade wenn man bedenkt, dass ein Test mit Vor- und Nachbereitung etwa eine halbe Stunde dauert“, sagt Kempe.

Bei den städtischen Seniorenheimen fallen sogar insgesamt bei rund 1000 Bewohnern 20.000 Tests im Monat an. Reichen hierfür die Mitarbeiter? „Die Anzahl der Tests führen zu einem Personal- und Zeitproblem. Wir fühlen uns hier allein gelassen. Das Konzept ist gut gemeint, aber schlecht umgesetzt“, findet Martin Kaiser.

Das Pflegepersonal stehe auch unabhängig von Corona schon am Rand des Zusammenbruchs. Das aufwendige Testverfahren würde diese Situation nur noch verschlimmern, meint er.

Über den Autor
Volontär
Gebürtiger Brandenburger. Hat Evangelische Theologie studiert. Wollte aber schon von klein auf Journalist werden, weil er stets neugierig war und nervige Fragen stellte. Arbeitet gern an verbrauchernahen Themen, damit die Leute da draußen besser informiert sind.
Zur Autorenseite
Maximilian Konrad

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.